In Wahrenbrück wird eine Behelfsbrücke über die Schwarze Elster gebaut. Die Stahlkonstruktion soll vorübergehend von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden. Die Entscheidung für diese Übergangslösung ist gefallen, das Baufeld bereits abgesteckt.

Allerdings wird sich der Baustart leicht verzögern. Weitere Angaben zum Zeitplan enthält der vorliegende Artikeltext nicht. Für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, bleibt die Situation damit vorerst eine ziemlich praktische Geduldsprobe.

Übergang für Fuß- und Radverkehr

Die seit April ganz oder teilweise gesperrte Brücke über die Schwarze Elster kann inzwischen zu Fuß und mit dem Fahrrad wieder auf einer Breite von 1,50 Metern genutzt werden. Bis Ende Oktober soll außerdem eine parallel verlaufende Führung für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet werden, sagte Felix Kaplan. Dafür könnte eine Behelfsbrücke erforderlich sein.

Bürgermeisterin Sieber begrüßte die Lösung rund acht Wochen nach der Sperrung. Bei einem Informationsabend in Wahrenbrück waren nach Angaben einer rbb-Reporterin etwa 80 Personen dabei. Gesprochen wurde über den Zeitplan für den Neubau und über die Arbeit des Landesbetriebs Straßenwesen. Der Landesbetrieb überwacht die Brücke regelmäßig und hatte letztlich über deren Sperrung entschieden.

Ein kleines Bauwerk, ein großes Infrastrukturthema

Was in Wahrenbrück mit einer Stahlkonstruktion für Radfahrer und Fußgänger beginnt, passt in ein weit größeres Bild. Nach Einschätzung von Fachleuten befinden sich zahlreiche Brücken in Deutschland in kritischem Zustand, weil Instandhaltungsmaßnahmen über Jahrzehnte nicht konsequent umgesetzt wurden. Sperrungen wichtiger Verkehrsachsen – unter anderem in Bonn, Berlin, Bad Schandau und auf der A45 – machen den Sanierungsstau sichtbar.

Brücken sind langlebige Bauwerke, aber eben keine Selbstläufer. Sie brauchen regelmäßige Pflege und Instandhaltung. Dringt Feuchtigkeit ein, kann das tragende Bauteile angreifen; Korrosion und zunehmende Materialermüdung verschärfen die Probleme. Kleine Schäden zu reparieren ist vergleichsweise kostengünstig. Spätere Sanierungen oder Ersatzneubauten kommen deutlich teurer.

Viele Brücken wurden für ein geringeres Verkehrsaufkommen ausgelegt als heute. Vor allem der Schwerlastverkehr hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Gleichzeitig erreichen zahlreiche Bauwerke aus der Nachkriegszeit inzwischen ihr ursprünglich geplantes Lebensalter – der Sanierungsbedarf wächst also weiter.

Sanieren oder neu bauen?

Der Bund verfolgt ein umfangreiches Modernisierungsprogramm für tausende Brücken im Bundesfernstraßennetz. Fachleute kritisieren allerdings, dass dabei häufig Abriss und Neubau vorgesehen werden. Ihrer Einschätzung nach könnten viele Brücken durch gezielte Sanierungen erhalten bleiben. Das könnte Bauzeiten verkürzen, Kosten senken und Verkehrsbehinderungen begrenzen.

Nicht jede Brücke müsse vollständig ersetzt werden, um langfristig sicher betrieben werden zu können. Ist ein Neubau doch erforderlich, ziehen sich vor allem die vorgelagerten Verfahren: Planung, Genehmigung, Ausschreibung und Vergabe. Standardisierte Bauweisen und modulare Konstruktionen könnten die Umsetzung beschleunigen. Moderne Monitoring-Systeme wiederum könnten Schäden früher erkennen und gezieltere Sanierungen ermöglichen.

Das Risiko eines unerwarteten Brückeneinsturzes schätzen Ingenieure trotz einzelner spektakulärer Fälle weiterhin als vergleichsweise gering ein. Für die Logistikbranche bleiben leistungsfähige Brücken trotzdem unverzichtbar. Sperrungen und Gewichtsbeschränkungen bedeuten längere Fahrstrecken, Umleitungen, höhere Transportkosten und zusätzliche CO₂-Emissionen.

Der Zustand der Brückeninfrastruktur wird damit zunehmend zu einem Standortfaktor für Wirtschaft und Güterverkehr. Ohne kontinuierliche Instandhaltung dürften die Herausforderungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen. In Wahrenbrück steht nun erst einmal die Übergangslösung an: eine Behelfsbrücke über der Schwarzen Elster, damit der Weg für Radfahrer und Fußgänger wieder besser funktioniert.