Am 16.10.2026 dreht sich in der österreichischen Wirtschaft vieles um Bewegung: an den Börsen, in Unternehmen und bei jenen Regeln, die das Geschäft oft unnötig schwer machen. Bei der CIRA-Konferenz sprach Fußball-Teamchef Ralf Rangnick über Parallelen zwischen Mannschaften und Unternehmen. Teamaufstellung, Führungsverantwortung und Fehlerkultur – auf dem Papier klingt das nüchtern, im Alltag entscheidet es aber häufig darüber, ob eine Gruppe ins Laufen kommt.

Rangnick plädierte dafür, nicht schon vorab nach Gründen zu suchen, warum etwas nicht funktionieren könnte. Ein Gedanke, der auch außerhalb des Fußballs hängen bleibt. Erste-Chefanalyst Fritz Mostböck gab den Investor-Relations-Verantwortlichen ebenfalls einen eher praktischen Rat: Bei Investoren müsse man wiederholt und beharrlich präsent sein. Und es brauche eine kurze, klare Unternehmensgeschichte, eine „Story“ – keine Darstellung über 90 Seiten.

Börse zwischen Rückschlag und Zuversicht

Nach der bisherigen Rekordjagd bekam der ATX einen Dämpfer. Die Verluste kamen im Gleichschritt mit anderen europäischen Börsen, belastet von schwachen Vorgaben aus den asiatischen Märkten. Marktbeobachter sprachen von einer „Risk-off“-Bewegung: Anleger zogen sich aus Wachstumswerten wie Chip- und Halbleiterunternehmen zurück. Wien verlor im internationalen Vergleich moderat.

Bei den Einzelwerten war das Bild naturgemäß weniger einheitlich. Wienerberger legte deutlich zu. AT&S verlor hingegen zweistellig und war damit der schwächste Wert im Index. Der Leiterplatten- und IC-Substrathersteller bekam den Stimmungsumschwung besonders deutlich zu spüren.

Auch beim Bundesschatz zeigt sich, wie genau Anleger derzeit rechnen. Laut jüngsten Zahlen sind dort rund 14 Milliarden Euro veranlagt, fast zehn Milliarden Euro davon stammen von privaten Anlegern. Beim einmonatigen Bundesschatz werden laut Aussendung 2,45 Prozent Jahreszins geboten. Trade Republic und Scalable bieten je nach Modell derzeit mindestens 2,5 Prozent. Dem steht eine Inflationsrate von 3,2 Prozent gegenüber.

Hinzu kommt die Steuerfrage: Bundesschätze werden mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer belastet, während auf Zinsen von Sparbüchern und Bankkonten 25 Prozent anfallen. Das sind keine Details für den Kleingedruckt-Ordner, sondern Zahlen, die bei der Entscheidung am Küchentisch mit am Tisch sitzen.

Erholungskurs mit Fragezeichen

WIFO und IHS bestätigten ihre Wachstumsprognosen für Österreich für 2026. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und höherer Energiepreise sehen beide Institute die Wirtschaft auf Erholungskurs. Für 2027 erhöhte das WIFO seine Prognose leicht auf 1,3 Prozent, während das IHS weiterhin ein Wachstum von 1,0 Prozent erwartet.

Die Stimmung in der Industrie verbessert sich, die Exportwirtschaft gilt als robust. Beide Institute blicken für 2027 etwas optimistischer nach vorne. Das klingt nicht nach einem Höhenflug, eher nach vorsichtigem Tritt auf festeren Boden – Schritt für Schritt.

In der B&C Holding Österreich GmbH wurde Alexander Zwickl in die Geschäftsführung berufen. Er soll das Beteiligungsportfolio reifer Unternehmen ausbauen. Gefordert ist die B&C-Gruppe unter anderem wegen der Situation beim Beteiligungsunternehmen Lenzing. Bei der Lenzing AG läuft eine weitere Kapitalerhöhung, die dem Unternehmen zusätzliche finanzielle Mittel verschaffen soll.

Alexandra Habeler-Drabek, Risikovorständin der Erste Group, forderte mehr Entschlossenheit und Berechenbarkeit sowie einfachere Regeln. Eine Reduktion der Regulierung um 50 bis 60 Prozent bezeichnete sie als wünschenswert. Das wäre, vorsichtig gesagt, kein kleines Ausmisten, sondern ein ziemlich großer Besen.

Aufträge, Versicherungen und neue Kontakte

Strabag erhielt in Nordmazedonien einen Auftrag über 219 Millionen Euro. Das Unternehmen baut einen weiteren Abschnitt der Autobahn E65. Der Auftrag stärkt den Auftragseingang und die Präsenz des Konzerns in Südosteuropa.

Die Vienna Insurance Group baut ihr Engagement bei Kriegsrisikoversicherungen in der Ukraine aus. Dabei arbeitet sie mit Aon und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zusammen. Die Rückversicherungskapazität der entsprechenden Fazilität wird von 110 auf 150 Millionen Euro erhöht. Unternehmen in der Ukraine sollen dadurch zusätzlichen Versicherungsschutz erhalten.

Ein Wechsel mit diplomatischer Note erfolgte in Oberösterreich: Martin Seiter übernahm das Amt des Honorarkonsuls der Bundesrepublik Deutschland. Er folgt dem scheidenden Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger. Das Amt soll die Beziehungen zu Deutschland unterstützen.

Bei der Oberbank gab es ebenfalls Kontinuität. Mitarbeiter erhielten zum neunten Mal in Folge Aktien über die Mitarbeiterstiftung.

Der Börsianer veranstaltet gemeinsam mit der FAZ-Tochter „Finance“ erstmals „Deal Flow Vienna“. Die Premiere findet am 27. April 2027 im Palais Auersperg statt. Erwartet werden rund 200 Corporate-Finance-Entscheider, Investoren, Banken und Berater aus der DACH-Region. Wien soll dadurch zu einem Treffpunkt der Corporate-Finance-Community werden und Österreich, Deutschland und die CEE-Märkte verbinden.

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