Sieben Jahre alt – und schon musste die Grünbrücke bei Thyrow repariert werden. Seit dem 14. Oktober 2026 ist die B101 unter dem Bauwerk wieder für den Verkehr freigegeben. Das geschah etwa einen Monat früher als zunächst geplant. Zuvor war die Bundesstraße seit dem 31. Juli 2026 vollständig gesperrt.

Thyrow ist ein Ortsteil von Trebbin. Die rund 50 Meter breite Grünbrücke überspannt dort die vierspurige B101 und eine parallel verlaufende Gemeindestraße. Für Autofahrer bedeutete die Sperrung wochenlange Umwege, während oben auf dem Bauwerk längst wieder Gras und Erdreich liegen sollten. Bei einer Bauwerksprüfung waren Risse im Holztragwerk entdeckt worden – zunächst mit einer solchen Bedeutung, dass die Standsicherheit gefährdet schien.

Risse im Holz, Harz in den Fugen

Errichtet wurde das Holztragwerk im Zuge der Ortsumgehung Thyrow. Die Umgehung wurde im Dezember 2018 für den Verkehr freigegeben, an der Grünbrücke liefen 2019 noch Restarbeiten. Bis zur Sperrung im Sommer 2026 war das Bauwerk damit ungefähr sieben Jahre alt.

Fachfirmen verfüllten inzwischen nahezu alle relevanten Risse mit einem speziellen Harz. Einige Stellen konnten nicht bearbeitet werden, weil sie nicht zugänglich waren. Nach Angaben des Infrastrukturministeriums sind diese Risse für die Standsicherheit der Gesamtbrücke nicht entscheidend. Eine unabhängige gutachterliche Prüfung bestätigte anschließend die Voraussetzungen für die Wiederfreigabe der B101.

Die Ursache der Rissbildung ist allerdings weiterhin nicht abschließend geklärt. Die bisherigen Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf lastbedingte Ursachen. Bei den untersuchten Holzproben bestätigte sich außerdem keine unzureichende Verklebungsqualität. Klimatische Einflüsse und ihre Folgen für die Dauerhaftigkeit werden weiter untersucht, ergänzende statische Untersuchungen stehen noch aus.

Ein Übergang für Wildtiere – mit viel Schutz darunter

Die Brücke ist kein gewöhnlicher Straßenüberbau, sondern ein Wildtierübergang. Ein größerer Holzbogen überspannt die Bundesstraße, ein kleinerer die parallel verlaufende Gemeindestraße. Über dem Tragwerk liegt eine Erd- und Begrünungsschicht, damit Tiere die Straße möglichst unbemerkt queren können.

Unter der Erdauflage befindet sich ein Tragwerk aus Brettschichtholz. Dafür werden Holzlamellen miteinander verklebt; so lassen sich große, gekrümmte Träger herstellen. Darüber liegen Brettsperrholzplatten mit kreuzweise angeordneten Holzlagen.

Direkt unter der Erde liegt das Holz nicht. Mehrere Schichten trennen es vom Boden: eine mehrlagige bituminöse Abdichtung, Wurzelschutz, Schutzvliese und ein Nagetierschutzgitter. Zusätzlich wurden die Holzbauteile mit Holzschutzmitteln, einer Hirnholzversiegelung und einer Feuchteschutzlasur behandelt. Auf dem Papier klingt das nach einer ziemlich dichten Schutzkette. In der Praxis bleibt nun die Frage, an welcher Stelle die Risse entstanden sind und warum.

Was das Monitoring zeigen muss

In der ursprünglichen Projektbeschreibung des Ingenieurbüros Schwesig war bereits ein externes Feuchtemonitoring während des Betriebs vorgesehen. Aus den veröffentlichten Angaben geht jedoch nicht hervor, welche Bereiche überwacht wurden, ob durchgehende Messreihen vorliegen, ob auffällige Messwerte registriert wurden oder welche zusätzlichen Messgrößen das nun angekündigte Dauermonitoring erfasst.

Die vorhandenen Informationen belegen deshalb nicht, dass die Brücke bisher ohne Feuchteüberwachung betrieben wurde. Für die weitere Aufklärung sind die Messdaten und ihre fachliche Bewertung besonders wichtig – gerade weil klimatische Einflüsse und ihre Auswirkungen auf die Dauerhaftigkeit noch untersucht werden.

Das Bauwerk wird dauerhaft überwacht. Weitere zeitweise Verkehrseinschränkungen sind möglich. Ob die bisherigen Sicherungsmaßnahmen langfristig ausreichen, bleibt offen.

Weitere Gutachten, Sanierung noch nicht entschieden

Während der Sperrung war zunächst eine Sicherung des Bauwerks vorgesehen, damit die Verkehrsfreigabe möglich wird. Anschließend sollten weitere Gutachten erstellt werden. Erst danach sollte entschieden werden, ob die Grünbrücke vollständig saniert werden muss. Die im September angekündigte Planung sah zunächst vor, Anfang Oktober einen Teil der Strecke wieder befahrbar zu machen und Mitte November die B101 wieder vollständig freizugeben. Tatsächlich konnte die vollständige Freigabe bereits am 14. Oktober 2026 erfolgen.

Der frühe Schaden erlaubt bislang kein allgemeines Urteil über die Eignung von Holz als Brückenbaustoff. Dafür müssten die konkrete Schadensursache, die Konstruktion und die Betriebsbedingungen gemeinsam betrachtet werden. Unter der begrünten Oberfläche bleibt also noch einiges zu klären – und unten auf der B101 rollt der Verkehr seit gestern wieder.

Quelle: ingenieur.de; rbb24