Vier Brücken in Cottbus und eine weitere im Landkreis Spree-Neiße bei Guben haben beim Brückencheck schlechte Noten bekommen. Besonders kritisch ist die Lage an drei Bauwerken entlang des Cottbuser Stadtrings. Für Autofahrer klingt das nach einer jener Nachrichten, die man lieber erst nach dem Feierabendverkehr liest.

Betroffen ist auch die Brücke über die Bautzener Straße und die Parzellenstraße. Die Stadt Cottbus kündigt dort Bauarbeiten für 2027 an. Während der Arbeiten müssen sich Autofahrer auf erhebliche Behinderungen und längere Wartezeiten einstellen. Das trifft nicht nur den Stadtverkehr, sondern auch Pendler aus Peitz und Guben.

Viele Straßen, viele Brücken, viel Nachholbedarf

Für Cottbus/Chóśebuz liegt inzwischen ein aktualisierter Straßenzustandsbericht vor. Vorgestellt wurde er im Bauausschuss öffentlich und teilweise nicht öffentlich. Der Sanierungsrückstau bei den Verkehrsinfrastrukturanlagen wird auf etwa 500 Millionen Euro beziffert. Eine Summe, bei der selbst eine kleine Reparatur schnell nach mehr aussieht als nach bloßem Ausbessern.

Bei den Straßen befinden sich knapp 37 Prozent in sehr gutem bis gutem Zustand, also in den Zustandsklassen 1 und 2. Etwa die Hälfte ist noch befriedigend, wird der Zustandsklasse 3 zugeordnet und weist bereits sichtbaren Instandhaltungsbedarf auf. Knapp 15 Prozent gelten als unbefriedigend bis bedenklich, Zustandsklassen 4 und 5.

Das städtische Verkehrsnetz ist groß: etwa 531 Kilometer Fahrbahnen, 439 Kilometer Geh- und Radwege, 125 Brücken und Ingenieurbauwerke, 85 Lichtsignalanlagen sowie 126 Wegweiser gehören dazu. Auch die Rad- und Fußwege wurden untersucht. Ihr Zustand zeigt ein ähnliches Bild wie der Zustand der Straßen.

Stahl, Betonkrebs und die Sorge vor Sperrungen

Von insgesamt 87 Brücken stehen vier Bauwerke am Stadtring und Nordring unter besonderer Beobachtung. In diesen Brücken wurde Stahl verbaut, der auch in der 2024 eingestürzten Carolabrücke in Dresden verwendet wurde und dort offenbar zu Problemen beitrug. Mehrere Bauwerke kämpfen zudem mit sogenanntem Betonkrebs.

Bei gut 20 Prozent der Brücken droht bei einer weiteren Verschlechterung des Zustands eine Sperrung. Für die Brücke an der Bautzener Straße und der Parzellenstraße ist deshalb der Blick bereits auf 2027 gerichtet. Was dann genau auf den Verkehr zukommt, dürfte Pendler aus Peitz und Guben ebenso beschäftigen wie Menschen, die täglich über den Stadtring müssen.

Der ausführlichere Bericht ist teilweise nicht öffentlich. Eine öffentliche Präsentation kann eingesehen werden. Für Neugierige ist das eher ein nüchternes Zahlenwerk als leichte Lektüre, aber die Größenordnung des Problems lässt sich darin zumindest nachvollziehen.

Carbonbeton als mögliche Alternative

Bei der Suche nach Wegen aus dem Sanierungsstau kommt auch Carbonbeton ins Spiel. Dabei werden Matten oder Stäbe aus Kohlenstofffasern zwischen Betonschichten eingebracht. Laut Manfred Curbach ist Carbonbeton leichter und sechsmal fester als Stahlbeton. Außerdem rostet Carbon nicht, wodurch das Material dauerhafter sein kann.

Carbonbeton lässt sich schneller verbauen und könnte Sanierungen dadurch beschleunigen. Der Haken: Stahl ist derzeit deutlich günstiger als Carbon. Wegen der höheren Festigkeit und der Korrosionsbeständigkeit wird allerdings weniger Baumaterial benötigt; dadurch könnten sich die Gesamtkosten angleichen. Gegenüber Stahlbeton wären nach den Angaben 50 bis 80 Prozent weniger Beton möglich. Das würde auch die Klimabelastung senken, denn die Zementproduktion verursacht fast acht Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen.

Seit 2021 gibt es in Wurschen im Landkreis Bautzen eine kleine Brücke aus Carbonbeton über das Kuppritzer Wasser. Curbach und sein Team setzten Carbonbeton außerdem zur Verstärkung von Autobahnbrücken in Hessen und Bayern ein. Für jedes dieser Bauprojekte ist eine Zustimmung im Einzelfall notwendig, weil Carbonbeton in Deutschland noch nicht standardmäßig als Baustoff zugelassen ist. Bei Brückensanierungen bleiben deshalb häufig die etablierten Verfahren im Einsatz – auch in Cottbus, wo 2027 an der Bautzener Straße und der Parzellenstraße gearbeitet werden soll.