Am Gardasee ist im Sommer 2026 einiges los – und trotzdem fehlt an manchen Stellen genau jener deutsche Urlauber, auf den viele Betriebe seit Jahren gesetzt haben. Rund um Malcesine sind die Campingplätze voll. Die Stellplätze wechseln jedoch schneller als früher ihre Bewohner, während Restaurants und Geschäfte weniger zahlungskräftige deutsche Gäste verzeichnen.

Deutsche Urlauber kommen weiterhin an den See, aber ihr Aufenthalt sieht anders aus. Meist bleiben sie nur noch drei oder vier Tage, maximal fünf. Früher waren zwei Wochen für viele Stammgäste ganz normal. Heute rollt auf einem belegten Stellplatz öfter schon wieder das nächste Auto an. Der Platz ist voll – nur gibt es weniger Zeit für ausgedehnte Abendessen, Einkäufe und den zweiten Aperitif.

Volle Plätze, kürzere Aufenthalte

Eine Campingplatzbetreiberin nahe Malcesine berichtet, dass ihr Betrieb leicht unter dem üblichen Niveau liege. Besonders der deutsche Kunde fehle. Die Hitze flimmert über dem Asphalt, draußen klappern die Teller, doch die Umsätze der umliegenden Lokale erzählen eine andere Geschichte als die belegten Stellflächen.

Auf den ersten Blick wirken die offiziellen Zahlen erfreulich. Auf der venezianischen Seite des Gardasees stiegen die Übernachtungen deutscher Gäste im ersten Halbjahr 2026 vorläufig um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf der Bresciaer Seite stellt Deutschland mit 31 Prozent aller Gäste weiterhin den größten ausländischen Markt. Im Juli und August lag die Hotelauslastung bei 94 Prozent.

Die Statistik und das Gefühl vor Ort liegen also nicht zwingend deckungsgleich nebeneinander. Mehr Ankünfte oder Übernachtungen bedeuten nicht automatisch längere Ferien und schon gar nicht automatisch mehr Geld in der Kasse des Restaurants nebenan.

Die Krise sitzt mit am Campingtisch

Als einen Grund nennt die Betreiberin die Wirtschaftskrise in Deutschland. Urlaubsausgaben würden gestrichen oder nicht mehr auf Kredit finanziert. Dazu komme ein ausbleibender Generationenwechsel: Ältere Stammgäste blieben aus oder verzichteten, jüngere deutsche Urlauber ersetzten sie nicht ausreichend.

Eugenio Massetti, Präsident von Visit Brescia, bringt es nüchtern auf den Punkt: Mehr Touristen führten nicht automatisch zu mehr Wohlstand in der Region. Betriebe meldeten weniger Restaurantbesuche, geringere Einkäufe und weniger Aperitifs. Das klingt nach Kleinigkeiten, läppert sich aber über eine ganze Saison ordentlich zusammen.

Der Branchenverband Confesercenti spricht laut La Piazza Web von einer „Verknappung des Werts“. Die Zahl der Übernachtungen bleibe relativ stabil, führe aber nicht mehr automatisch zu einem entsprechenden wirtschaftlichen Mehrwert vor Ort. Der See bleibt voll, die Straßen sind belebt – und trotzdem schaut mancher Wirt abends genauer in die Kasse.

Was die Tourismusstatistik überhaupt misst

Für die Einordnung solcher Zahlen ist wichtig, was unter Tourismus verstanden wird: Reisen von weniger als einem Jahr zu Freizeitzwecken, zum Besuch von Freundinnen, Freunden oder Verwandten sowie aus beruflichen Gründen. Die Reise führt dabei an einen Ort außerhalb der gewohnten Umgebung.

Eurostat betrachtet in der Tourismusstatistik zwei Hauptkomponenten. Einerseits geht es um Beherbergungsbetriebe, insbesondere um Kapazität und Auslastung. Erfasst werden dort unter anderem die Anzahl der Schlafgelegenheiten und die Zahl der Übernachtungen. Andererseits gibt es Daten zu touristischen Reisen von in der EU ansässigen Personen.

Diese Reisedaten enthalten unter anderem Angaben zum Reiseziel, zur Reisedauer, zur Unterkunft, zum Verkehrsmittel und zu den Ausgaben. Zusätzlich wird erhoben, ob Menschen an touristischen Aktivitäten teilnehmen. Eurostat veröffentlicht außerdem separate Daten zu Kurzzeitunterkünften, die über Sharing-Economy-Plattformen angeboten werden.

Weitere Unternehmens- und Sozialstatistiken liefern Informationen zu wirtschaftlichen und arbeitsmarktbezogenen Aspekten des Tourismus. Für Malcesine heißt das: Ein voller Campingplatz ist eine wichtige Zahl – aber eben nur ein Teil der Geschichte. Die andere zeigt sich beim Espresso, im Supermarkt und auf der Rechnung nach dem Abendessen.

Quelle: Merkur
Quelle: vienna.at; der bereitgestellte Text war nicht lesbarer Artikelinhalt, sondern offenbar beschädigte oder binär kodierte Daten.
Quelle: Eurostat