Parkplatz-PV in Rheinland-Pfalz: Solarstrom zwischen Stahl, Schatten und hohen Baukosten
Parkplätze bekommen in Rheinland-Pfalz zunehmend ein zweites Dach: Photovoltaik-Überdachungen. Genaue Zahlen dazu werden allerdings nicht erfasst. Sichtbar sind die Projekte trotzdem – etwa am Parkplatz des Schwimmbads in Neuwied, am Moselbad in Koblenz, auf dem Parkplatz der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises und auf dem Firmenparkplatz von Lotto Rheinland-Pfalz in Koblenz.
Gerade dort, wo Autos ohnehin auf versiegelten Flächen stehen, klingt die Idee zunächst bestechend: Strom erzeugen, Schatten spenden und die Fläche doppelt nutzen. Für die Anlage am Schwimmbad-Parkplatz in Neuwied wurden mögliche Einsparungen von bis zu 166,88 Tonnen CO₂ jährlich genannt. Stefan Herschbach, Geschäftsführer der Stadtwerke Neuwied, erklärte, solche Anlagen könnten die Akzeptanz der Energiewende erhöhen und den Wunsch nach einer Doppelnutzung von Flächen erfüllen.
Teurer als eine Anlage auf der freien Fläche
Ganz so einfach ist der Bau allerdings nicht. Wegen der notwendigen Tiefbauarbeiten und der Aufständerung sind Parkplatz-PV-Anlagen mehrfach teurer als Freiflächen-Photovoltaik. Das Neuwieder Projekt wurde durch das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation, kurz KIPKI, ermöglicht und mit rund einer Million Euro gefördert.
Die frühere Umweltministerin Katrin Eder kritisierte die hohen deutschen Auflagen im Vergleich zu Frankreich, wo Photovoltaik auf Parkplätzen weit verbreitet ist. In Neuwied musste die Anlage zudem erdbebensicher gebaut werden. Das trieb die Kosten weiter nach oben – Tiefbau ist eben nicht nur Schotter, Beton und ein paar Kabel, sondern oft ein ziemlich dicker Rattenschwanz.
Das Klimaschutzministerium teilte mit, dass KIPKI-Mittel am häufigsten in Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden investiert werden, meist zusammen mit Stromspeichern. Parkplatzdächer sind also nur ein Teil des Fördergeschehens.
Stahl, Solarstrom und die Bilanz über Jahrzehnte
Michael Bleidt, geschäftsführender Direktor des Städtetags, bezweifelt, dass Parkplatz-PV grundsätzlich ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Doppelnutzung der Fläche sei zwar vorteilhaft. Für die Stahlkonstruktionen werde jedoch viel CO₂ benötigt, wodurch die energetische Bilanz weniger positiv ausfalle.
Tobias Gruben vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement der Hochschule Trier plädiert deshalb für eine Prüfung jedes einzelnen Projekts. Standort, Bodenverhältnisse, Bauweise und Materialauswahl müssten vor dem Bau unter die Lupe genommen werden. Auch Stromproduktion, Verschattung, Witterungsschutz und alternative Materialien wie Holz seien gegeneinander abzuwägen.
Entscheidend ist die Gesamtbilanz über die Nutzungsdauer. Dem Material- und Energieaufwand für den Bau steht die Solarstromproduktion über viele Jahre gegenüber. Photovoltaik-Module haben eine Lebensdauer von etwa 25 bis 30 Jahren; die Tragkonstruktion kann nach einem Modulaustausch weiter genutzt werden. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt also nicht allein von der Fläche unter den Modulen ab.
Schutz vor Sonne – und die Frage nach dem richtigen Ort
Ein ökologischer Vorteil kann darin liegen, bereits versiegelte Flächen zu nutzen, statt zusätzliche Freiflächen für Solaranlagen in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig muss die Konstruktion mit Wind, Regen, Schnee und den Bedingungen im Untergrund zurechtkommen. Verschattung kann für abgestellte Fahrzeuge angenehm sein, verändert aber ebenso die Anforderungen an Planung und Bau.
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