Im Kreis Rottweil sind 2025 gerade einmal 148 Wohnungen in neuen Ein- und Zweifamilienhäusern entstanden. Zum Vergleich: Zwischen 2020 und 2022 waren es im Schnitt 331 Wohnungen pro Jahr. Auf den Baustellen fehlen damit nicht nur Häuser, sondern auch Aufträge, Handwerkerstunden und Geld. Laut Pestel-Institut verursachte der Rückgang 2025 schätzungsweise 106,4 Millionen Euro Umsatzverlust im regionalen Bau- und Ausbaugewerbe.

Das Institut fordert deshalb einen bundesweiten Wohneigentumsplan und gezielte Förderprogramme. Ein Blick zurück liefert zumindest eine Hausnummer: Beim früheren Baukindergeld führte laut Pestel jeder investierte Förder-Euro zu 3,70 Euro Staatseinnahmen.

Für junge Menschen im Landkreis Rottweil wird der Traum vom Eigenheim trotzdem immer schwerer. Rund 40.800 Wohnungen werden dort von ihren Eigentümern selbst bewohnt, 27 Prozent davon sind Eigentumswohnungen. Die Wohneigentumsquote liegt bei 61,4 Prozent – deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 43,5 Prozent. Doch gerade Menschen zwischen 25 und 40 Jahren können sich Eigentum zunehmend seltener leisten. Rund 26.900 Menschen dieser Altersgruppe leben im Kreis; laut Analyse müssen immer mehr von ihnen dauerhaft zur Miete wohnen.

Weniger Neubau, mehr Druck auf die Preise

Die Wohnungsmarktanalyse für den Landkreis Rottweil erstellte das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Vertreter der Bauwirtschaft nennen vor allem fehlende staatliche Unterstützung als Grund für die erschwerte Eigentumsbildung. Die frühere Eigenheimzulage und das Baukindergeld wurden abgeschafft. Für den BDB ist damit die staatliche Förderung von Wohneigentum faktisch beendet.

BDB-Präsidentin Katharina Metzger fordert direkte Zuschüsse als Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum. Dazu müsse ein Niedrigzinsprogramm kommen – eine Förderung also, die auch Durchschnittsverdienern den Immobilienerwerb ermöglicht. Hannes Zapf von der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau verlangt eine langfristige Förderzusage: Wer heute mit dem Sparen beginne, müsse auch in fünf oder sieben Jahren noch darauf zählen können.

Die Verbände fordern die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis und aus Baden-Württemberg auf, die im Koalitionsvertrag vorgesehene Wohneigentumsförderung umzusetzen. Es geht dabei nicht nur um den Wunsch nach einem Garten und einer eigenen Haustür. Experten warnen vor Folgen für die Altersvorsorge: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen zunehmend in den Ruhestand, während die verfügbaren Einkommen sinken können. Mieten bleiben bestehen oder könnten steigen. Eigentümer seien im Alter finanziell besser abgesichert.

Auf Bundesebene passt das Bild dazu. Im deutschen Bauhauptgewerbe sank der preisbereinigte Auftragseingang im Juli 2026 gegenüber Juli 2025 um 1,9 Prozent. Nominal stieg er zwar um 2,7 Prozent, doch das ist die eine Seite der Rechnung. Real gingen die Bestellungen im Hochbau um 1,5 Prozent und im Tiefbau um 2,2 Prozent zurück.

Gegenüber Juni 2026 fiel der kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang real sogar um 9,2 Prozent. Der Hochbau verlor 8,4 Prozent, der Tiefbau 10 Prozent. Im Dreimonatsvergleich Mai bis Juli 2026 lag das Ordervolumen allerdings 2,7 Prozent über dem Zeitraum Februar bis April. Der Tiefbau legte dabei um 7,6 Prozent zu, während der Hochbau um 2,7 Prozent nachgab. Ein Auf und Ab, bei dem man als Betrieb vermutlich lieber zweimal hinschaut, bevor der nächste Bagger bestellt wird.

Umsatzplus trifft auf Förderlücke

Bei größeren Baubetrieben mit mindestens 20 Beschäftigten stieg der Umsatz im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat real um 4,6 Prozent und nominal um 9,4 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich um 1,5 Prozent auf rund 545.000 Personen.

Im Wohnungsbau gingen die Bestellungen im Juli gegenüber Juni nominal um 3,6 Prozent zurück. Gleichzeitig lag die Zahl der genehmigten Wohnungen 1,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Ende 2025 waren bundesweit rund 453.000 genehmigte Wohnungen noch nicht begonnen. Genehmigt ist eben noch lange nicht gebaut – irgendwo zwischen Papierstapel und Baustellenschild bleibt das Vorhaben hängen.

Öffentliche Bauaufträge stiegen im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat nominal um 12,2 Prozent. Im gewerblichen Hochbau sanken sie dagegen nominal um 2,6 Prozent. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes warnt vor einer Förderlücke bis Sommer 2027. Die EH-55-Sonderförderung läuft spätestens Ende 2026 aus, und für 2027 stehen Etatkürzungen beim Neubau im Raum.

Auch die Finanzierung wird härter. Die Europäische Zentralbank erhöhte am 10. September 2026 ihre drei Leitzinsen jeweils um 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagesatz liegt nun bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent.

Am 24. September 2026 lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei 3,58 Prozent – so hoch wie seit 2009 nicht mehr. Laut Interhyp stieg der Zinssatz für zehnjährige Baufinanzierungen bis zum 24. September 2026 auf 4,39 Prozent. Vier Wochen zuvor waren es 4,02 Prozent, im März 2026 noch 3,60 Prozent.

Biallo ermittelte am 18. September 2026 für zehnjährige Darlehen einen Durchschnittszins von 4,28 Prozent, den höchsten Wert seit April 2011. Bei Dr. Klein lag der beste Sollzins für zehnjährige Darlehen bei 4,07 Prozent, der effektive Zinssatz bei 4,17 Prozent. Für Familien, die ohnehin jeden Monat mit spitzem Bleistift rechnen, ist das kein kleiner Unterschied.

Deutschland bleibt beim Eigentum Schlusslicht

Nach einer Studie des Pestel-Instituts lebten 2025 nur 43,5 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland im eigenen Wohneigentum. Institutsleiter Matthias Günther bezeichnete das als den niedrigsten Wert seit 2005. Deutschland hat damit die niedrigste Eigentumsquote innerhalb der EU.

Günther nennt hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die Wohnungsbaupolitik der vergangenen Jahre als Gründe. Selbst bei stagnierenden oder sinkenden Immobilienpreisen könnten sich Doppelverdiener mit Durchschnittseinkommen oft kein Eigenheim leisten. Die Herstellungskosten für Wohnungen stiegen seit 2000 um 160 Prozent, während die allgemeinen Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 64 Prozent zulegten.

Fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen leben zur Miete. Für viele ist der Erwerb selbst genutzten Wohneigentums kaum noch umsetzbar. Neben der Zuwanderung machte Günther auch politische Entscheidungen für den niedrigen Wohneigentumsanteil verantwortlich. Als besonders gravierend bezeichnete er die Abschaffung einer bundesweiten Eigentumsförderung, darunter die Streichung des Baukindergelds im Jahr 2021.

Günther fordert, Wohneigentum stärker als Bestandteil der Altersvorsorge zu fördern, und schlägt einen „Wohneigentumsplan des Bundes“ vor. Ziel solle sein, jährlich mindestens 200.000 Haushalte in selbst genutztes Wohneigentum zu bringen. Steigende Mieten brächten zunehmend ältere Menschen in finanzielle Not; Günther bezeichnete Altersarmut als „Mieterarmut“.

Im Kreis Rottweil klingt das alles sehr konkret: weniger neue Ein- und Zweifamilienhäuser, 106,4 Millionen Euro weniger Umsatz im Bau- und Ausbaugewerbe und eine Generation, die trotz hoher regionaler Eigentumsquote immer schwerer an die eigenen vier Wände herankommt. Draußen laufen vielleicht noch irgendwo Maschinen, drinnen werden Kredite neu durchgerechnet. Und die nächste Förderentscheidung wartet bereits.