Am 7. Oktober 2026 richtet sich der Blick in Baugenehmigungen auf eine deutsche Wirtschaft, deren Produktionszahlen für August widersprüchliche Signale senden. Nach Angaben der in Source 1 steigerten deutsche Unternehmen ihre Produktion gegenüber dem Vormonat um 2,0 Prozent. Ökonomen hatten lediglich mit 0,5 Prozent gerechnet. Es war der stärkste Zuwachs seit März 2025; im Juli war die Produktion noch um 1,2 Prozent gesunken.

Den kräftigsten Schub lieferte das Baugewerbe. Seine Leistung legte im Monatsvergleich um 9,3 Prozent zu, bei spezialisierten Bautätigkeiten und im Ausbaugewerbe waren es sogar 13,1 Prozent. Auf Baustellen dürfte das im August vielerorts nach ordentlich Betrieb ausgesehen haben: mehr Material, mehr Gewerke, mehr Bewegung. Für die Bauwirtschaft ist das zunächst ein erfreuliches Zeichen, auch wenn einzelne Monatswerte bekanntlich schnell wieder anders aussehen können.

Rhein niedrig, Bau hoch

Gebremst wurden die Binnenschifffahrt und Transporte durch das seit Mitte Juli anhaltende Niedrigwasser des Rheins. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft geht davon aus, dass die Industrieproduktion bei 30 Niedrigwassertagen in einem Monat um mehr als 1 Prozent gedämpft werden kann. Der Fluss machte der Logistik also weiter das Leben schwer, während das Baugewerbe kräftig zulegte.

Die Industrieproduktion selbst stieg laut Source 1 um 0,6 Prozent. Im Maschinenbau gab es ein Plus von 5,3 Prozent. Anders bei den Autobauern: Dort sank die Produktion um 5,4 Prozent, unter anderem wegen der branchenüblichen Werksferien im August. Die Energieerzeugung ging um 0,4 Prozent zurück.

Als mögliche Wachstumsfaktoren für die Industrie werden steigende Rüstungsausgaben, die Digitalisierung sowie der Ausbau Künstlicher Intelligenz und von Rechenzentren genannt. Die Auftragsbücher sind demnach so gut gefüllt wie seit Beginn der Statistik im Jahr 2015 nicht mehr. Trotzdem fiel das Neugeschäft im August gegenüber Juli um 10,6 Prozent. Dazu trug unter anderem der Wegfall großer Rüstungsaufträge bei.

Zwei Statistiken, ein ziemlich unruhiges Bild

Eine deutlich andere Lesart liefert die LBBW. In dem Beitrag „Deutsche Industrieproduktion im August 2025“ heißt es unter Berufung auf Destatis, die deutsche Industrieproduktion sei im August 2025 gegenüber dem Vormonat um 4,3 Prozent gesunken. Ohne Energie und Bauwirtschaft habe der Rückgang 5,3 Prozent betragen. In der Automobilindustrie verringerte sich die Produktion wegen Werksferien und Produktionsumstellungen um mehr als 18 Prozent.

Auch in fast allen größeren Branchen wurde dort ein Produktionsrückgang verzeichnet. Als mögliche Ursache nennt der Beitrag eine allgemeine Nachfrageschwäche. Ein erneuter Rückgang der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2025 gilt dadurch als wahrscheinlicher. Die Aussichten für 2026 bewertet der Autor Dr. Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist, zunehmend vorsichtiger.

Die Angaben stehen damit nebeneinander: Auf der einen Seite meldet Source 1 für die Gesamtproduktion im August ein Plus von 2,0 Prozent, auf der anderen Seite nennt die LBBW für die deutsche Industrieproduktion ein Minus von 4,3 Prozent. Bau und Energie werden dabei unterschiedlich abgegrenzt, ebenso die jeweils betrachteten Produktionsbereiche. Für die Einordnung ist dieser Unterschied entscheidend – sonst wirkt die Statistik wie ein schlecht gelauntes Pendel.

Exportsignal mit Fragezeichen

Die gestiegene Produktion erhöht nach Source 1 die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft im Sommer das vierte Quartal in Folge wächst. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen hob seine Prognose für das Exportwachstum 2025 von 0,6 auf 1,0 Prozent an. Trotz Rückgängen im Geschäft mit China sollen die Exporte um 1,0 Prozent steigen; für die Importe wird weiterhin ein Wachstum von 3 Prozent erwartet.

Laut BGA stabilisiert sich der deutsche Außenhandel, eine Trendwende sei aber noch nicht erreicht. Vor allem die rückläufigen Exporte in die USA und nach China zeigen weiterhin eine volatile Lage. Das klingt weniger nach sicherem Rückenwind als nach einer Wetterlage, bei der man den Regenschirm besser griffbereit lässt.

Die ergänzend genannte Destatis-Seite zum Auftragseingang ist nicht lesbar beziehungsweise offenbar beschädigt oder verschlüsselt. Eine sachliche Zusammenfassung dieser Quelle ist deshalb nicht möglich.

Quelle: Tagesschau; ergänzend LBBW und Destatis.