Am City-Center in Bad Oeynhausen soll sich nun tatsächlich etwas bewegen. Der Abriss des seit Jahren leer stehenden Gebäudes an der Herforder Straße soll in den kommenden Tagen beziehungsweise Wochen beginnen. In der laufenden Woche haben die Arbeiten allerdings noch nicht begonnen. Investor und Eigentümer Klaus Keil kann den genauen Starttermin nicht nennen.

Ein Subunternehmer ist bereits mit dem Abriss beauftragt, der Bauzaun steht. Seit dem Wochenende weisen Schilder auf den bevorstehenden Rückbau hin. Rund um das Gebäude gilt seit dem 5. Oktober eine Parkverbotszone; auf dem Privatgrundstück zwischen Herforder Straße, Nordbahnstraße und Lennéstraße besteht seit Montag, 5. Oktober, 6 Uhr, ein absolutes Parkverbot. Falschparker sollen abgeschleppt werden. Dafür ist eine Pauschale von 400 Euro angekündigt. Zusätzlich behält sich der Eigentümer Schadensersatzforderungen wegen möglicher Bauverzögerungen vor.

Ein neuer Versuch nach mehreren Anläufen

Für Klaus Keil ist es mindestens der fünfte Anlauf, das City-Center neu zu nutzen. Die Stadt hat nach eigener Aussage alle erforderlichen Abrissgenehmigungen erteilt. Der Abriss und die Räumung des Grundstücks sollen etwa sechs Monate dauern. Anschließend soll unmittelbar der Bau eines neuen Hotels beginnen. Nach aktueller Planung soll das Haus im zweiten Halbjahr 2028 an B&B Hotels übergeben werden.

Geplant sind rund 100 Zimmer auf fünf Etagen, dazu Parkplätze im Untergeschoss. Keil bezeichnet B&B Hotels als neuen Mieter und verweist auf die zentrale Innenstadtlage. Das Konzept für das Areal soll einen Mix für Einwohner und Gäste bieten. Bürgermeister Lars Bökenkröger sieht darin einen Beitrag zur Belebung und Aufwertung der Innenstadt.

Der Standort ist historisch nicht unbeschrieben: Dort wurde 1847 das erste Hotel Bad Oeynhausens errichtet. Es bestand 130 Jahre. B&B Hotels betreibt rund 250 Standorte in Deutschland und expandiert international im Economy-Hotelbereich. Das Unternehmen begründet sein Interesse auch mit den Übernachtungszahlen der Stadt. Im Vorjahr wurden erstmals seit der Pandemie wieder mehr als 900.000 Übernachtungen registriert. Angaben zur Investitionssumme und zur Finanzierung des Hotelprojekts liegen bislang nicht vor.

Graffiti, Müll und eine stillstehende Rolltreppe

Der derzeitige Zustand des City-Centers ist kaum zu übersehen. Auf den Fenstern des ehemaligen Imbisses prangt Graffiti, ein Schaukasten ist zerstört, Müll liegt herum, manche Bereiche sind verschmutzt. Es gibt Hinweise auf eine Schlafstätte, eine stillstehende Rolltreppe und ein abgesperrtes Parkdeck. Das 1979 eröffnete Einkaufszentrum steht seit Jahren leer.

Seit 2020 wurden mehrere Nachnutzungen angekündigt. 2022 beziehungsweise 2025 war ein Gesundheitszentrum für rund 40 Millionen Euro im Gespräch – mit Arztpraxen, Radiologie, Apotheke, Drogerie, medizinischen Dienstleistungen und Seniorenwohnungen. Danach folgte die Idee eines Wohn- und Geschäftshauses mit geplanter Fertigstellung im Sommer 2026. Zwischenzeitlich wurden außerdem ein Verkauf und eine Nutzung als Robotik-Standort diskutiert.

Im April 2024 stellte Keil das Projekt „Stadtmitte H78“ vor. Vorgesehen waren der Erhalt einer eingeschossigen Ladenzeile zur Herforder Straße, ein sechsgeschossiger Neubau auf der Bahnhofseite, 40 Wohnungen, Büros, eine Tiefgarage und 600 Quadratmeter Gastronomiefläche. Fertig werden sollte das Vorhaben im Sommer 2026.

Im November 2024 folgte „City Center Neo“: 2.200 Quadratmeter Wohnfläche, 2.200 Quadratmeter Einzelhandel, 500 Quadratmeter Bürofläche und eine Garage mit 58 Stellplätzen. Die Investitionssumme sollte etwa 18 Millionen Euro betragen, der Abriss im Frühjahr 2025 beginnen und die Fertigstellung im Herbst oder Winter 2026 erfolgen. Im Mai 2025 stellte Keil die bisherigen Planungen zunächst ein. Ein von ihm vorgestellter Robotik-Standort, bei dem das City-Center als Showroom dienen sollte, überzeugte die Kommunalpolitik nicht.

Leerstand als Problem für ganze Innenstädte

Bad Oeynhausen steht mit solchen Flächen nicht allein da. Galeria hat erneut Insolvenz angemeldet. Betroffen sind 70 Städte mit derzeit noch bestehenden Galeria-Filialen; insgesamt stehen 83 Ladenlokale vor einer ungewissen Zukunft. Die Städte müssen klären, wie die großen Verkaufsflächen künftig genutzt werden können.

Leerstehende, dunkle und verklebte Schaufenster machen Innenstädte laut Studien unattraktiver. Besucher meiden solche Orte, dadurch fehlen auch Kunden für Geschäfte, die weiterhin geöffnet haben. Die mögliche Schließung von Galeria-Filialen gilt deshalb als Warnsignal für die betroffenen Städte.

Nicht jede leere Ladenfläche müsse wieder ein Geschäft werden, sagt Kati Volgmann vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung. Wo der Handel dauerhaft nicht mehr funktioniert, könnten Wohnungen oder Dienstleistungsangebote entstehen. Vertreter des Einzelhandels fordern zugleich eine vollständige Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Der Koalitionsausschuss hat bislang unter anderem Lockerungen für Bäckereien angekündigt.

Wie sehr sich die Erwartungen an Innenstädte verändern, zeigt die „Deutschlandstudie Innenstadt“ von CIMA, HDE und der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing. Rund 5.000 Menschen wurden befragt. 83,3 Prozent wollen ihre Innenstadt künftig mindestens genauso häufig oder häufiger besuchen als bisher – der beste Wert seit sechs Jahren. Laut HDE-Vertreter Michael Reink haben sich die Werte seit 2024 verbessert, eine vollständige Trendwende sei aber noch nicht erreicht.

Geschäfte sind den Befragten inzwischen wichtiger für eine attraktive Innenstadt als gastronomische Angebote. Bei den Warengruppen liegen Lebensmittel, Drogerieartikel und Kleidung vorn. Den größten Verbesserungsbedarf sehen die Befragten bei öffentlichen Toiletten und der Sauberkeit. Eine bessere Beleuchtung, besonders am Abend, könnte zudem das Sicherheitsempfinden erhöhen.

Was aus alten Kaufhäusern werden kann

Leerstehende Kaufhausflächen lassen sich auch anders nutzen. Im „MarktQuartier“ in Recklinghausen befinden sich in einem früheren Karstadt-Warenhaus inzwischen ein Hotel, eine Kindertagesstätte, Arztpraxen und ein Supermarkt. Aus dem ehemaligen Hertie-Kaufhaus in Höxter wurde der „Markt 1“ mit Gastronomie, Büros und Einzelhandel.

Eine gute Nutzungsidee allein reicht laut Volgmann häufig nicht aus. Eigentümer müssen beteiligt, Fördermittel geklärt und Projekte fachlich begleitet werden. Kommunen können zwischen den Beteiligten vermitteln und Umwandlungen über längere Zeit unterstützen. Beim City-Center bleibt nun erst einmal der Bauzaun stehen – und die Frage, wann genau hinter ihm die ersten Maschinen anrücken.

Auch künstliche Intelligenz könnte künftig stärker beeinflussen, wo Verbraucher einkaufen. Kaufentscheidungen könnten teilweise an KI-Agenten delegiert werden. Einzelhandel und Gastronomie müssen ihre Angebote und Dienstleistungen deshalb für KI-Systeme auffindbar machen. Kommunen und Stadtmanager müssten unter anderem Veranstaltungs- und Öffnungszeiten-Daten aktuell halten. In Kommunen mit stark eingeschränkten Haushalten könnten solche digitalen Angebote laut Reink allerdings kaum entwickelt werden.

Kommunen, Eigentümer und lokale Anbieter werden also gemeinsam an der Attraktivität der Innenstädte arbeiten müssen. Frühzeitige Maßnahmen können leerstehende Verkaufsflächen wiederbeleben. Ohne Gegenmaßnahmen droht eine Abwärtsspirale aus weiterem Leerstand und sinkenden Besucherzahlen – während am City-Center in Bad Oeynhausen hoffentlich bald nicht mehr nur der Wind durch die abgesperrten Flächen pfeift.