Heute, am 1. Oktober 2026, wird das Deutschlandticket teurer. Ab dem 1. Januar 2027 steigt der monatliche Preis von 63 Euro auf 66,80 Euro – ein Aufschlag von gut sechs Prozent. Rund 14,5 Millionen Menschen nutzen das Ticket derzeit für den bundesweiten Regional- und Nahverkehr.

Die Reaktion fällt geteilt aus. Verbraucherschützer und Umweltverbände kritisieren die geplante Preiserhöhung. Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, warnt, regelmäßige jährliche Aufschläge könnten dazu führen, dass mehr Menschen aus Kostengründen auf das Ticket verzichten. Sie fordert zusätzlich einen bundesweit einheitlichen Nahverkehrstarif für Gelegenheitsfahrten.

Mehr Geld für das Ticket, weniger an der Zapfsäule

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, wirft der Bundesregierung falsche Prioritäten in der Verkehrspolitik vor. Nach seiner Einschätzung hätte sich die Preiserhöhung mit einem Teil der Milliardenkosten für den Tankrabatt verhindern lassen.

Der Tankrabatt gilt ab dem 1. Oktober 2026 bis Ende Dezember. Die Steuerbelastung auf Benzin und Diesel sinkt jeweils um rund 17 Cent pro Liter. Hintergrund sind gestiegene Kraftstoffpreise infolge von Verwerfungen auf den Ölmärkten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Für Autofahrer ist das an der Kasse sofort spürbar; beim Deutschlandticket muss dagegen nachgerechnet werden.

Seit Anfang 2026 kostet die Fahrkarte 63 Euro im Monat, zuvor waren es 58 Euro. Eingeführt wurde sie 2023 als 49-Euro-Ticket. Das rabattierte Jobticket kostet künftig 63,46 Euro, der Preis des Semestertickets steigt auf 40,08 Euro.

Neue Berechnung soll Planung bringen

Erstmals liegt der neuen Preisberechnung ein Kostenindex zugrunde. Er berücksichtigt unter anderem Personal-, Energie- und Betriebskosten – also jene Posten, bei denen es für Verkehrsunternehmen zuletzt ebenfalls kräftig nach oben ging. Die Berechnungen nahm das Unternehmen D-Tix vor. Danach beriet der Koordinierungsrat Deutschlandticket darüber; ihm gehören Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Verkehrsbranche an.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger erklärte, das Ticket bleibe trotz der Erhöhung ein attraktives Angebot für klimafreundliche Mobilität. Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 gesichert und unterstützen das Deutschlandticket jeweils mit 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, weil es für Verkehrsverbünde mit finanziellen Verlusten verbunden ist.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht im neuen Preis vor allem frühzeitige Planungssicherheit für Fahrgäste, Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde. Zugleich verweist der Verband darauf, dass steigende allgemeine Kosten auch die Verkehrsunternehmen belasten. Ein kleiner Trost, aber immerhin einer mit Zahlen.

Evaluation sieht Wirkung über die Fahrkarte hinaus

Wie sich das Deutschlandticket entwickelt, untersucht eine seit Spätsommer 2024 laufende Evaluation, die bis 2027 angelegt ist. Der dritte Zwischenbericht für den Zeitraum 2024–2026 trägt den Untertitel „Regionale Verbreitung, Nutzung, Potenziale, Wirkungen und Nachfrageveränderungen“ und berücksichtigt Daten bis Ende September 2025.

Erarbeitet wird die Studie von einem Konsortium unter Leitung des infas-Instituts, gemeinsam mit dem Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen, der TU Dresden und der Unternehmensberatung mobilité. Die Grundlage bilden qualitative und quantitative Erhebungen, Sekundäranalysen sowie verschiedene Statistiken zum Deutschlandticket.

Rund 14,5 Millionen Menschen nutzen das Angebot – etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Besonders hoch ist die Nachfrage in Metropolen, doch auch in ländlicheren Regionen wird das Ticket relevant genutzt. Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer konnten stärker an den öffentlichen Verkehr gebunden werden. Die Gutachter sehen darüber hinaus ein Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets. Erschließen ließe es sich vor allem durch die Rückgewinnung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie gezieltes Marketing.

Die Nutzerbasis stagnierte 2025 im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Preisentwicklung. Trotzdem stellten die Gutachter eine deutliche Verlagerung vom privaten Pkw auf den öffentlichen Verkehr fest. Die jährliche CO₂-Einsparung durch das Deutschlandticket wird auf rund 2,5 Millionen Tonnen geschätzt. Das entspricht einer Verringerung der Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs um etwa drei Prozent.

Auch wirtschaftlich deutet einiges auf einen Nutzen hin: Erste Berechnungen weisen auf positive volkswirtschaftliche Effekte hin, die insgesamt über dem aktuellen Umfang der Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern liegen. Für Menschen mit geringem Einkommen verbessert das Ticket laut Evaluation insbesondere die Mobilität und stärkt die gesellschaftliche Teilhabe.

Verlässlichkeit bleibt der Knackpunkt

Im Vertrieb wurde ein Digitalisierungsschub festgestellt, zugleich sehen die Gutachter dort weiteren Entwicklungsbedarf. Für den langfristigen Erfolg nennen sie vier entscheidende Faktoren: Verlässlichkeit, eine moderate Preisentwicklung, gute Angebotsqualität und aktive Vermarktung.

Der vollständige Bericht ist auf der Website des Bundesministeriums für Verkehr verfügbar: https://www.bmv.de/evaluation-deutschlandticket. Während draußen der Tankrabatt startet, bleibt für die Fahrgäste vor allem die Frage, wie lange 66,80 Euro noch als moderate Preisentwicklung gelten.