Auf der Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien in München wurde Jürgen Klopp mit rassistischen Kommentaren in sozialen Netzwerken konfrontiert. Anlass waren Beiträge zum Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Griechenland. Darin hieß es, das Team sei „nicht deutsch genug“ oder „nicht weiß genug“.

Der Bundestrainer sagte zunächst, er selbst habe von den Äußerungen nichts mitbekommen. Dann wurde er deutlich. Klopp reagierte mit Abscheu und erklärte, es gebe keinen Grund, sich mit solchen Menschen und ihren Aussagen zu beschäftigen: „Ich habe im normalen Leben für Dummheit wenig Zeit – und für die sozialen Medien auch nicht.“

„Die große Crux unseres Lebens“

Dass jeder seine Meinung äußern dürfe, bezeichnete der 59-Jährige als „große Crux unseres Lebens“. Angesichts solcher Beiträge sei das „Wahnsinn“. Mit den Verfassern wolle er sich nicht beschäftigen.

Die Nationalmannschaft selbst verwies Klopp als Beispiel für funktionierendes Zusammenleben. In der Gruppe seien mehrere Spieler mit Migrationshintergrund vertreten, die Mannschaft könne in ihrem Miteinander „nicht großartiger sein“. Die Welt, sagte Klopp, könne sich ein Beispiel an einer Sport-Umkleidekabine nehmen: Dort werde jeder aufgrund der tatsächlichen Gegebenheiten respektiert. Niemand werde wegen falscher Meinungen diskreditiert oder herabgewürdigt.

Am Abend des 1. Oktober 2026 sollte Deutschland in der UEFA Nations League gegen Serbien spielen. Anstoß in München war um 20:45 Uhr.

Rassismus reicht bis in den Vereinsalltag

Die meisten Fußballfans vertreten keine rechten oder menschenfeindlichen Positionen. Gleichzeitig berichten vor allem Schwarze Fußballspieler weiterhin von rassistischen Angriffen im Internet und im Stadion. Zwei Studien aus dem Jahr 2025 beschreiben Rassismus für Schwarze Athleten als Teil des Vereinsalltags. Mehrheitsgesellschaftliche beziehungsweise mehrheitlich weiße Vereinsmitglieder erkennen solche Vorfälle dabei häufig nicht als Rassismus.

Viele Vereine setzen sich für Integration ein: 69 Prozent der 2020 befragten Fußballvereine gaben an, sich für die Integration von Migrantinnen zu engagieren. In Befragungen zeigten sich aber auch problematische Einstellungen. 16 Prozent der Mitglieder von Fußballvereinen stimmten der Aussage „Die Weißen sind zu Recht führend in der Welt“ zu, weitere 17 Prozent teilweise. Unter Mitgliedern anderer Sportvereine waren es rund 4 Prozent.

Auch sogenannte „positive rassistische“ Zuschreibungen sind im Fußball verbreitet. Rund 50 Prozent der Fußballvereinsmitglieder stimmten eher oder vollständig dem Satz zu: „Schwarze Menschen sind im Sport besonders talentiert.“ Unter Menschen ohne Sportvereinsmitgliedschaft lag der Anteil bei rund 40 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick wie ein Kompliment, steckt Menschen aber ebenso in eine Schublade.

Fanaktionen und Stadionchoreografien sorgen regelmäßig für Streit. Eine Choreografie von Hansa-Rostock-Fans Ende 2023 wurde diskutiert, weil sie mutmaßlich auf rassistische Pogrome der 1990er-Jahre anspielte. Forschende stellten außerdem einen Zusammenhang zwischen den Leistungen Schwarzer Profispieler und rassistisch motivierter Gewalt fest: Nach verschossenen Elfmetern von drei Schwarzen Spielern der englischen Nationalmannschaft im Finale der EM 2020 stieg die Zahl rassistisch motivierter Gewalttaten in London in den folgenden Wochen um etwa 30 Prozent.

Abbrüche, Meldestellen und eine schwierige Statistik

In der Bundesliga wurde bislang kein Spiel wegen Rassismus abgebrochen. Seit 1963 gab es acht Spielabbrüche, keiner davon erfolgte wegen Gewalt- oder Diskriminierungsvorfällen. Im europäischen Fußball kommt es dagegen wiederholt zu Unterbrechungen oder Abbrüchen wegen rassistischer Vorfälle.

Im Profifußball wurde im Dezember 2021 erstmals ein Drittligaspiel abgebrochen. Anlass waren rassistische Beleidigungen gegen Aaron Opoku durch einen Fan. Der Vorwurf konnte nach polizeilichen Ermittlungen allerdings nicht bestätigt werden.

Anders sieht das Bild im Amateurfußball aus. In der Saison 2024/25 wurden bei rund 1,5 Millionen Spielen 829 Partien wegen Gewalt oder Diskriminierung abgebrochen. Gezählt wurden außerdem 2.411 Diskriminierungsvorfälle – 0,2 Prozent aller Spiele – und 3.477 Gewaltvorfälle, entsprechend 0,3 Prozent.

Seit 2018 gibt es in allen Bundesländern Anlaufstellen für Betroffene von Gewalt und Diskriminierung. Erste Erfahrungen deuten auf höhere tatsächliche Fallzahlen hin. Die Meldestelle in Nordrhein-Westfalen registrierte in den ersten zweieinhalb Jahren rund 2.500 Meldungen zu diskriminierenden Vorfällen.

Wer entscheidet – und wer bekommt welche Rolle?

Untersuchungen liefern Hinweise auf strukturellen Rassismus im Fußball. Gemeint sind institutionelle Strukturen und Entscheidungsabläufe, durch die Schwarze Menschen und People of Color regelmäßig benachteiligt werden können.

In den Leitungsgremien des Fußballs sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte stark unterrepräsentiert. Von 372 Mitgliedern der höchsten DFB-Gremien hatten 2020 nur rund 4 Prozent, also 13 Personen, einen Migrationshintergrund. In der Gesamtbevölkerung lag dieser Anteil 2020 bei rund 27 Prozent.

Auch bei den Spielerpositionen gibt es Hinweise auf eine ungleiche Verteilung. Schwarze Spieler und People of Color werden im Profifußball möglicherweise häufiger auf körperlich geprägten Positionen eingesetzt. Eine Untersuchung der ersten und zweiten Bundesliga für die Saison 2020/21 stellte fest, dass Schwarze Spieler häufiger offensiv auf den Außenbahnen spielten – Positionen, die besonders mit Körperlichkeit, Aggressivität und Schnelligkeit verbunden werden. In der ersten und zweiten Bundesliga gab es bislang keinen Schwarzen Torwart. Die Ursachen sind wissenschaftlich nicht abschließend geklärt; weitere Forschung soll unter anderem Zufallseffekte ausschließen.

Eine Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte den sogenannten „Racial Bias“ in englischsprachigen Fußball-TV-Kommentaren. Analysiert wurden 2.073 Kommentare aus 80 Spielen des Männerfußballs in England, Spanien, Italien und Frankreich aus der Saison 2019/20. 63 Prozent des Lobes für Intelligenz und Arbeitsmoral richtete sich an weiße Spieler, 63 Prozent der Kritik betraf Schwarze Spieler und Spieler of Color. Weiße Spieler wurden häufiger mit Intelligenz und Arbeitsmoral verbunden, Schwarze Spieler und Spieler of Color häufiger auf körperliche und athletische Fähigkeiten reduziert.

Selbst im Computerspiel „FIFA“ fanden Forschende solche Zuschreibungen. Eine Studie von 2022 zeigte, dass Schwarze Spieler bei körperlichen Fähigkeiten besser bewertet wurden als weiße Spieler. Eigenschaften realer Spieler würden dabei auf ihre digitalen Spielfiguren übertragen.

Was Verbände und Fans dagegen tun

Der DFB verpflichtet sich laut Satzung zur Förderung von Integration und zur Beseitigung von Diskriminierung. Dazu gehören der jährlich verliehene Julius-Hirsch-Preis, Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, die Erfassung von Diskriminierungsvorfällen im Amateurfußball, rechtliches Vorgehen gegen Hasskommentare sowie ein verstärkter Schutz von Spielerinnen, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen.

Nach zahlreichen Hasskommentaren bei der U-17-Weltmeisterschaft 2023 beschlossen DFB, DOSB und DFL, gemeinsam mit der Justiz gegen solche Kommentare vorzugehen. In allen 21 Landesverbänden wurden Anlaufstellen für Betroffene von Gewalt und Diskriminierung eingerichtet.

Auch die Bundesregierung fördert Projekte gegen Rassismus und Rechtsextremismus im Fußball, unter anderem über die Koordinierungsstelle Fanprojekte, und unterstützt Forschungsprojekte. Zahlreiche Fanprojekte thematisieren Rassismus, Antisemitismus und Sexismus in den Fankurven. Die Kompetenzgruppe Fankulturen, kurz KOFaS, berät und vernetzt Fanprojekte sowie die sportbezogene Soziale Arbeit.