Erdweger Holzhaus gewinnt bundesweiten Wettbewerb mit Wohnkonzept für mehrere Generationen
Ein Holzhaus aus der Gemeinde Erdweg hat beim bundesweiten Wettbewerb „Holz gewinnt“ den ersten Hauptpreis geholt. Das Projekt der Familie Ostermair setzte sich gegen 90 weitere Bauvorhaben aus ganz Deutschland durch – ein Ergebnis, mit dem selbst erfahrene Bauleute wohl erst einmal umgehen müssen.
Veranstaltet wird der jährliche Bauherrenwettbewerb von der Zeitschrift „Das Haus“ und der Landesbausparkasse (LBS). Ausgezeichnet wurden die Baufamilie Christoph und Sandra Ostermair sowie das Architekturbüro IFUB aus München. Architekt war Bernhard Kurz. Maßgeblich an der Planung beteiligt war außerdem Ludwig Ostermair, der Vater des Bauherrn; an der Preisverleihung konnte er nicht teilnehmen.
Ein Haus, das später mitwächst
Die 152 Quadratmeter große Nettowohnfläche wurde für die vierköpfige Familie geplant. Gleichzeitig sollte das Gebäude nicht nur für die nächsten Jahre funktionieren. Wenn sich der Wohnflächenbedarf im Lauf des Lebens verändert, lässt sich das Haus mit einfachen Mitteln in zwei Wohneinheiten teilen.
Dafür sind bereits zwei gerade Treppen eingebaut. Sie ermöglichen eine spätere vertikale Trennung des Hauses. Auch die beiden Bäder liegen so, dass sie jeweils einer Wohneinheit zugeordnet werden können. Eine zusätzliche Küche lässt sich nachträglich einbauen. Kein großer Umbauzirkus also, sondern eine Möglichkeit, die von Anfang an mitgedacht wurde.
Im Erdgeschoss liegen die offene Küche, die Garderobe, der Wohn- und Essbereich, ein Duschbad, Einbauschränke sowie der Technik- und Hauswirtschaftsraum. Oben befinden sich Schlafzimmer, Kinderzimmer und ein Büro mit zwei Schiebetüren. Teilweise sorgen große runde Fenster für den Blick ins Freie.
Auf einen Keller verzichtete die Familie aus Kostengründen. Als Lager dient stattdessen ein Raum unter dem Satteldach der Garage. Eine pragmatische Lösung – und vermutlich eine, bei der niemand später gern vergisst, wo die Weihnachtskisten stehen.
Holz, Lehm und lösbare Verbindungen
Die Familie wollte ein wohngesundes, ökologisches und für spätere Generationen geeignetes Haus errichten. Entsprechend wurden ökologische und rückbaubare Materialien eingesetzt. Auf Kleb- und Kunststoffe wurde verzichtet; die Bauteile sind durch Stecken oder Verschrauben verbunden.
Auf den Fichtenwänden liegt Lehmputz. Die massiven Außenwände bestehen aus neun Zentimeter dicken Holzbohlen und nicht aus verleimtem Brettsperrholz. Dazu kommen Holzfaserdämmung und eine Lärchenschalung als Wetterschutz. Nach Einschätzung des Architekten könnten die Bauteile bei einem späteren Abbau weiterverwendet oder in der Natur entsorgt werden.
Wegen der bodentiefen Fenster und der Sonnenkollektoren wäre nach Angaben der Beteiligten möglicherweise gar keine Heizung nötig gewesen. Die Bauherren entschieden sich trotzdem für eine Fußbodenheizung, insbesondere für die Bäder. Christoph und Sandra Ostermair entwarfen jeweils eines der beiden Bäder selbst. Eine Luft-Wärmepumpe übernimmt die Heizung und sorgt im Sommer für Kühlung.
Von der ersten Idee bis zum Einzug vergingen zwei Jahre. Durch Kontakte von Ludwig Ostermair konnten bis auf eine Ausnahme lokale Firmen für den Bau gewonnen werden. Ostermair war unter anderem achteinhalb Jahre technischer Bauamtsmitarbeiter im Rathaus Erdweg und an der Sanierung des Wirtshauses am Erdweg beteiligt.
Ein Preis mit praktischem Gegenwert
Die Jury bewertete unter anderem die nachhaltige und ressourcenschonende Bauweise, die flexible Nutzung über verschiedene Lebensphasen, clevere Grundrisse sowie Möglichkeiten für spätere Erweiterungen oder Umbauten. Der Preis beinhaltet einen Bausparvertrag, auf den bereits 6000 Euro eingezahlt sind.
Damit steht das Erdweger Haus zugleich für eine Entwicklung, die im deutschen Bauwesen an Fahrt gewinnt. Holz soll Klimaschutz, Ressourcenschonung und Zukunftsfähigkeit verbinden. Der nachwachsende Rohstoff trägt außerdem zur regionalen Wertschöpfung bei. Rund ein Viertel der Neubauten in Deutschland wird inzwischen mit Holz errichtet – vom Einfamilienhaus über Bildungsbauten bis zu Stadtquartieren.
Der Holzbau soll dabei architektonische und ökologische Standards setzen und insbesondere ländliche Regionen wirtschaftlich stärken. Genau in dieses Umfeld passt der Bundeswettbewerb HolzbauPlus 2025/26. Er richtet sich an Bauherrinnen und Bauherren sowie an Planerinnen und Planer. Gesucht werden fertiggestellte Projekte, in denen Holz und weitere biobasierte Materialien vorbildlich eingesetzt wurden.
Teilnehmen können Vorhaben im Bestand oder als Neubau, im privaten, gewerblichen oder kommunalen Bereich. Der Wettbewerb ist Teil der Holzbauinitiative des Bundes und in das Förderprogramm „Nachhaltige erneuerbare Ressourcen“ eingebettet. Ausgezeichnet werden sollen besonders gut umgesetzte Bauvorhaben; zugleich soll der Wettbewerb zum Nachahmen, Weiterentwickeln und zum Wandel im Bauwesen anregen. Als Absender lädt Bundesminister Alois Rainer zur Teilnahme ein.
Vom Einzelhaus zur größeren Bauwende
Bauen mit Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen verändert Städte und Dörfer. Die Materialien speichern CO₂, schonen Ressourcen und können klimafreundliches sowie zukunftsfähiges Bauen ermöglichen. Neben Holz spielen dabei auch Stroh, Hanf und weitere biogene Baustoffe eine Rolle.
Für eine breite Nutzung braucht es geeignete Rahmenbedingungen, verlässliches Wissen und starke Netzwerke. Die Holzbauinitiative vernetzt Akteure aus Planung, Bauwirtschaft, Forschung und Verwaltung, fördert innovative Ansätze und zeigt Möglichkeiten auf, Hemmnisse im Baualltag zu überwinden.
Als zentrale Plattform des Bundes gibt die Initiative Orientierung und macht umsetzbare Beispiele sichtbar – erfolgreiche Praxisprojekte ebenso wie neue Impulse für eine nachhaltige Baukultur. Koordiniert wird sie vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Das Erdweger Haus liefert dazu einen ziemlich greifbaren Beitrag: Bohle für Bohle, Schraube für Schraube.
