Erste deutsche SPR-RO-Sanierung in DN 800 und DN 900: 610 Meter Betonkanal in Unkel grabenlos erneuert
In Unkel ist ein bestehender Betonkanal auf 610 Metern grabenlos saniert worden. Swietelsky-Faber setzte dabei im Auftrag der Verbandsgemeinde Unkel in Rheinland-Pfalz erstmals in Deutschland die von Sekisui entwickelte SPR-RO-Wickelrohrtechnologie mit dem Rotaloc-Wickelrohrsystem von Rib Loc ein.
Neuland war das Projekt auch bei den Dimensionen: Erstmals kam das Verfahren in den Nennweiten DN 800 und DN 900 zum Einsatz. Die neun Haltungen verteilten sich auf 160 Meter in DN 800 und 450 Meter in DN 900. Zusätzlich erhielten 82 Zuläufe Anschlusspassstücke der Klasse B gemäß ISO 11300. Eingebaut wurde über neun Tangentialschächte.
Leichtere Technik, weniger Aufwand
„Die Weiterentwicklung betrifft vor allem die Gerätetechnik“, sagt Alexander Thieme, Oberbauleiter der Leipziger Niederlassung. Eine leichtere, montagefreundlichere Hydraulikmaschine vereinfacht den Einbau und verbessert die Handhabung auf der Baustelle. Die Instandsetzungsarbeiten sollen sich dadurch wirtschaftlicher umsetzen lassen. In Unkel war die Sanierung laut Thieme innerhalb von drei Wochen abgeschlossen.
Die SPR-RO-Technologie ist für die grabenlose Sanierung großer Rohrdimensionen von DN 800 bis DN 1800 ausgelegt. Ein werkseitig produziertes Kunststoffprofil wird im vorhandenen Rohr kontinuierlich zu einem neuen Close-Fit-Rohr gewickelt. Die Profilkanten verriegeln sich formschlüssig miteinander. So entsteht ein passgenauer Liner, der sich an die vorhandene Rohrgeometrie anschmiegt.
Verwendet wurde in Unkel das Profil SPR RO 91-21 RO, entwickelt in einer Kooperation zwischen Japan, Australien und Deutschland. Für die Linerinstallation ist im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren weniger Gerätetechnik notwendig. Das spart Platz und reduziert den Energieeinsatz. Gerade an engen Schächten oder bei begrenzten Zugänglichkeiten kann das den Unterschied machen – nicht spektakulär, aber auf der Baustelle ziemlich praktisch.
Ohne Ringspaltmörtel im Großprofil
Der Betonkanal hatte einiges abbekommen: Undichtigkeiten, Risse, undichte Muffenverbindungen und Korrosionserscheinungen. Mit dem SPR-RO-Wickelrohrsystem wurde die bestehende Kanalstruktur ertüchtigt und die Betriebssicherheit verbessert. Der entstehende Liner soll dicht und belastbar sein.
Das Verfahren arbeitet mörtelfrei. Insbesondere im Großprofilbereich wird kein Ringspaltmörtel zur Hinterfüllung benötigt. Dadurch entfallen Mörtel und zementgebundene Baustoffe, Einbauzeiten können kürzer ausfallen und Arbeitsschritte werden eingespart. Auch die mit diesen Baustoffen verbundenen ökologischen Belastungen werden vermieden. Die ringraumfreie Bauweise verbessert zudem die hydraulischen Eigenschaften des Kanals.
Übergänge zu Bauwerken und Profilstöße werden wie bei herkömmlichen Linerverfahren dauerhaft mit EP-Applikationen oder GFK-Laminierungen ausgeführt. Das Wickelrohrsystem ergänzt bei Swietelsky-Faber die bestehenden Verfahren SPR EX und SPR TM. Das erweiterte Portfolio soll für große Rohrdimensionen die Auswahl einer technisch und wirtschaftlich passenden Lösung erleichtern.
Wickeln statt Aufgraben
Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Vorgefertigte PVC- oder HDPE-Profilstreifen werden im Altrohr maschinell zu einem neuen Rohrkörper gewickelt. Die Profilkanten verbinden sich formschlüssig und bilden ein homogenes, langlebiges Rohrsystem. Je nach Verfahren entsteht entweder ein kraftschlüssiger Verbund direkt mit dem Altrohr oder ein Ringspalt, der anschließend mit Verguss- beziehungsweise Verfüllmaterial geschlossen wird.
Bei PVC-U erfolgt die mechanische Verriegelung mit Dichtungs- oder Klebeelementen, bei PE werden die Verbindungen extrusionsgeschweißt. Die Wickelmaschinen stehen je nach System stationär im Schacht oder bewegen sich während des Wickelvorgangs durch die Leitung.
Zum Vergleich: SPR™ TM deckt Nennweiten von DN 800 bis DN 5500 ab und ist für Groß- und Sonderprofile mit Mörtelverfüllung vorgesehen. Stahlverstärkte PVC-U-Profile werden eingesetzt, der Ringraum mit statisch tragfähigem Vergussmaterial verfüllt. Das Ergebnis ist ein Betonrohr mit innerer Kunststoffauskleidung. Unterschiedliche Profile sind für verschiedene Sanierungsanforderungen verfügbar, Bögen bis zum fünffachen Rohrdurchmesser, also 5D, sind möglich.
SPR™ EX reicht von DN 150 bis DN 1050 und bildet einen selbsttragenden Close-Fit-Liner. Der Wickelrohrliner liegt eng am Altrohr an und ist für hohe Anforderungen an Belastbarkeit und Dichtigkeit ausgelegt, unter anderem in Deponien oder Erdbebenzonen. SPR™ PE deckt DN 900 bis DN 3000 ab. Das selbsttragende Sanierungssystem stellt hydraulische Kapazität, Lebensdauer und Korrosionsbeständigkeit wieder her oder verbessert sie.
Auch bei schwierigen Haltungen
Wickelrohrsysteme kommen auch dort infrage, wo eine Leitung stark beschädigt ist – bei Brüchen und Rissen, fehlenden Wandungsteilen oder einsturzgefährdeten Haltungen. Eine Aufgrabung ist dann nicht in jedem Fall erforderlich. Das Verfahren ist seit vielen Jahren etabliert und für Durchmesser bis DN 3000 geeignet, besonders bei schwer zugänglichen Baufeldern, in schwierigem Gelände oder wenn traditionelle Sanierungsverfahren an ihre Grenzen stoßen.
Ein im Werk vorgefertigtes Kunststoff-Stegprofil wird für den Transport auf eine Trommel gewickelt. Vom Revisionsschacht aus bringt eine hydraulische Wickelmaschine das Profil in den Kanal und formt es zu einem Endlosrohr. Der Rohrdurchmesser kann dabei beliebig eingestellt werden. Ein Stegschloss mit Kaltverschweißung gewährleistet die Dichtheit.
Das schmale Stegprofil und der zerlegbare Wickelkorb lassen sich durch übliche Schachtkonen einbringen. Eine Aushärtung vor Ort ist nicht erforderlich. Das sanierte Rohr ist langlebig, chemikalienbeständig und ressourcenschonend; die Konstruktion erfüllt hohe statische Anforderungen und die betrieblichen Anforderungen eines neu verlegten Kanals. Der hohe Vorfertigungsgrad sorgt für gleichbleibende Qualität.
Sanierungen können in der Regel bei laufendem Kanalbetrieb erfolgen, aufwendige Maßnahmen zur Abflusslenkung entfallen häufig. Bei großen Durchmessern bringt das Vorteile bei Bauzeit und Kosten. Möglich sind außerdem die Sanierung von Drainagerohren mit einem Schlitzprofil und Verkieselung, die faltenfreie Sanierung von Bögen mit dem „Curve-Profil“ sowie die wirtschaftliche Sanierung von Wellstahldurchlässen.
Technisch sind Kreisprofile bis DN 3000 sanierbar; verwendet werden weichmacherfreie PVC-U-Stegprofile. Für die Ringraumverdämmung kommt Spezialmörtel zum Einsatz. Weitere Merkmale sind die mögliche Ausführung bei laufendem Kanalbetrieb, die Sanierung von Kanälen mit Bögen, der geringe Platzbedarf und der Einsatz in schwierigem Gelände. Als Nachweise und Zulassungen werden Güteschutz Kanalbau, das Gütezeichen S 38.1 und die bauaufsichtliche Zulassung des DIBt genannt.
Wickelrohrtag 2027 in Mainz
Wer sich die Technik nicht nur im Schacht, sondern im fachlichen Austausch ansehen möchte, kann sich den „Wickelrohrtag 2027“ vormerken. Die Veranstaltung findet am 10. Juni 2027 in der Rheingoldhalle Mainz statt. Veranstalter ist die Technische Akademie Hannover e. V. (TAH). Geplant sind praktische Einblicke, Erfahrungsaustausch und Informationen zur Wickelrohrtechnologie.
