Auf dem Nürnberger Stammsitz der Feser-Graf Gruppe haben am Montag die Bauarbeiten für ein neues Mobilitätszentrum begonnen. Beim offiziellen Spatenstich an der Heisterstraße ging es nicht um ein kleines Facelift, sondern um ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro. Fertig werden soll der Neubau bis zum Frühjahr 2028.

Etwa 200 Mitarbeiter sollen künftig an diesem Standort arbeiten. Fahrzeughandel, Motorräder, Service, Kundenbetreuung und zentrale Verwaltung rücken damit enger zusammen. Für die Gruppe ist das der nächste Schritt einer Zentralisierung, die mit der Eröffnung der Konzernzentrale im Jahr 2020 begonnen hat.

Autos unten, Motorräder oben

Im Erdgeschoss sind Ausstellungsflächen für Cupra, Seat und Skoda vorgesehen. Eine Etage darüber entsteht die Motorradwelt für Ducati und Triumph. Dort soll eine gläserne Motorradwerkstatt eingebaut werden, durch die Kunden den Technikern bei der Arbeit zusehen können. Ein Café mit Aufenthaltsbereich ergänzt das Angebot – praktisch für Wartezeiten, Gespräche oder einfach einen Kaffee zwischendurch.

Die zentralen Verwaltungsbereiche kommen in das zweite und dritte Obergeschoss. Rund um das Gebäude sind außerdem ein Parkhaus mit etwa 170 Stellplätzen für Kunden und Fahrzeuge sowie ein Ladepark für Elektrofahrzeuge geplant. Der Neubau soll zusätzliche Kapazitäten für Service, Verkauf und Kundenbetreuung schaffen und den Nürnberger Stammsitz für weiteres Wachstum stärken.

Energie, Wasser und Partner

Auch bei der Gebäudetechnik sind mehrere Bausteine vorgesehen: Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage installiert. Die Wärmeversorgung übernimmt das Fernwärmenetz des Nürnberger Anbieters N-ergie. Regenwasser von Dach-, Hof- und Parkplatzflächen soll über eine Rigolenanlage dem Grundwasser zugeführt werden.

An der Umsetzung arbeiten mehrere Fachbüros mit. Die Architektur übernimmt Papadopoulos Associates GmbH aus München, die Projektsteuerung liegt bei der Profund Bau-Projekt GmbH aus Holzkirchen. Für die Haustechnik ist die Woydera & Trommen GmbH aus Fürth zuständig, die Freianlagen plant Lemke Landschaftsarchitektur aus Schwabach. Die Statik kommt vom Ingenieurbüro Stefan Ritzer aus Pleinfeld.

Die Feser-Graf Gruppe beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter in mehr als 75 Betrieben. Nach eigenen Angaben verkauft das Familienunternehmen jährlich etwa 90.000 Fahrzeuge und verfügt über einen Bestand von mehr als 6.000 Neu- und Gebrauchtwagen. Zum Markenportfolio gehören Audi, Lamborghini, Seat, Cupra, Skoda, VW Pkw, VW Nutzfahrzeuge, Porsche (Service), Bentley, McLaren, Ferrari, Jaguar, Land Rover, Kia, Genesis, Hyundai, MG, BYD und Xpeng.

Der Ladepark kommt zur passenden Zeit

Der geplante Ladebereich passt in einen Markt, der sich gerade kräftig sortiert. Elektromobilität in Deutschland wird durch neue Fahrzeugmodelle, Finanzierungsangebote und technische Innovationen geprägt; zugleich wird das Angebot vielfältiger. Erschwinglichere E-Autos sollen unterschiedliche Budgets ansprechen. Privatleasing und Auto-Abos können den Einstieg flexibler machen und das Restwertrisiko reduzieren.

Ganz leicht ist der Umstieg trotzdem nicht. Ein großer Durchbruch bei preiswerten E-Autos wurde für 2025 noch nicht erwartet. Der ADAC untersuchte die 30 günstigsten Modelle, wobei Elektro-Kleinwagen beim Preisvergleich am besten abschnitten. Der Dacia Spring Electric war mit 16.900 Euro das einzige Modell unter 20.000 Euro. Weitere günstige Elektroautos neuer Hersteller kommen auf den deutschen Markt und werden vor allem wegen ihres niedrigeren Preises als Alternativen zu etablierten Modellen betrachtet. Auto-Abos und Vario-Finanzierungen können dabei helfen, Vertrauen bei Käufern aufzubauen; Privatleasing soll E-Autos einem größeren Verbraucherkreis zugänglich machen und das Restwertrisiko begrenzen.

Nach dem „Electric Vehicle Sales Review“ von PwC Autofacts und Strategy& sank der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent. Neue, attraktivere und günstigere BEV-Modelle könnten den Markt wieder beleben. China und die USA gelten bei der Entwicklung preiswerterer BEV-Modelle als führend.

Für die Hersteller wächst der Druck zusätzlich: Ab Januar 2025 galten in der EU strengere CO₂-Vorgaben. Wer die CO₂-Flottenwerte überschreitet, muss mit EU-Strafzahlungen rechnen. Autobauer können zahlen oder den Absatz von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen fördern. Eine stärkere Absatzförderung könnte die Preise für Elektrofahrzeuge sinken lassen. Wegen einer EU-Gesetzesänderung wird der berechnete CO₂-Wert von Plug-in-Hybriden in Europa in den kommenden Jahren steigen; dadurch könnten sie an Bedeutung verlieren und zunehmend als Auslaufmodell gelten. Ab 2035 dürfen in der EU nur noch Neuwagen zugelassen werden, die mit klimaneutralen Kraftstoffen wie E-Fuels betrieben werden.

Vom Auto zur Energiedrehscheibe

Batterieelektrische Fahrzeuge sind lokal emissionsfrei und verursachen in ihrer unmittelbaren Umgebung keine Luftschadstoffe. Elektromobilität gilt deshalb als wichtiger Baustein, um die Klimaziele im Verkehrssektor bis 2030 zu erreichen. Dafür braucht es aber mehr als Fahrzeuge auf dem Hof. Elektromobilität wird zunehmend als Gesamtsystem aus Auto, Energieversorgung, Ladeinfrastruktur und Dienstleistungen betrachtet.

Intelligente Ladesysteme und dynamische Stromtarife sollen Elektroautos besser ins Stromnetz integrieren. Intelligente Stromzähler ermöglichen Tarife, bei denen Verbraucher beim Laden Kosten sparen können. In Geschäftsmodelle von Fahrstromdienstleistern und Ladeserviceanbietern fließen deshalb zunehmend Ladesäulen, private Stromerzeugung und -speicherung sowie verbraucherfreundliche Abrechnungsmodelle ein.

Nach Tesla bauen auch Mercedes, Porsche, Audi und Stellantis eigene Ladenetzwerke auf. Der ADAC bietet unter anderem einen dynamischen Stromtarif, eine Ladekarte und Pannenhilfekonzepte für Fahrräder, E-Bikes, Lastenräder und E-Scooter. Verschiedene Geräte und Fahrzeuge lassen sich in ein häusliches Energiemanagement integrieren. Bidirektionales Laden könnte künftig ermöglichen, Fahrzeuge in die häusliche Stromversorgung und die eigene Stromerzeugung einzubinden. Ganz fertig ist diese Technik noch nicht; für entsprechende Anwendungsszenarien wird ein Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren genannt. Bei Lösungen mit oder ohne künstliche Intelligenz sollen Verbraucherfreundlichkeit sowie passende Gesetze und Regelungen berücksichtigt werden.

Auch Vehicle-to-Everything-Systeme, kurz V2X, erweitern den Blick. Sie ermöglichen die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und anderen Verkehrsteilnehmern, etwa indem Bewegungen von Fußgängern mit Smartphones gemeldet werden. Mit innovativen V2X-Systemen können Fahrzeuge bereits heute teilautomatisiert fahren.

Für Unternehmen eröffnen E-Flotten weitere Möglichkeiten, Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen und Betriebskosten zu senken. Das betrifft insbesondere Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften, die seit 2024 nachhaltige Maßnahmen in ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung offenlegen müssen. Umweltbewusstsein und steuerliche Anreize bleiben ebenfalls Faktoren für den Umstieg.

Finanzierung und Leasing bleiben für viele Verbraucher zunächst zentrale Wege zum E-Auto. Der ADAC bietet einen E-Autokredit zu Sonderkonditionen sowie eine Vario-Finanzierung über die ADAC Fahrzeugwelt an. Dabei geht es nicht nur um das Fahrzeug: Auch Ladeinfrastruktur und Stromversorgung gehören in die Rechnung. Leasing für Privatkunden und Car-as-a-Service beziehungsweise E-Auto-Abos dürften weiter an Bedeutung gewinnen. Offen bleibt, wie zusätzliche Dienstleistungen im Privatleasing aussehen, welche Zukunft Auto-Abos haben und wie private Ladeinfrastruktur, dynamische Stromtarife und bidirektionales Laden vorankommen.

Der ADAC setzt sich für bezahlbare E-Autos ein, weil der Barkauf für viele Haushalte derzeit schwer finanzierbar ist. Flexible Mobilitätslösungen, verschiedene Finanzierungsmodelle und Kooperationen zwischen Herstellern könnten die Entwicklung günstigerer Elektroautos fördern. Auch öffentlicher Ladestrom soll günstiger werden. Mehr Wallboxen für Mieter sowie Wohnungs- und Hauseigentümer könnten den Zugang zu preiswerterem Laden zu Hause verbessern – Heimladen ist laut ADAC günstiger als öffentliches Laden.

Das Angebot gebrauchter Elektroautos mit ausreichender Reichweite dürfte wachsen. Hersteller versuchen mit Vehicle-Lifetime-Konzepten, diese Fahrzeuge in ihren eigenen Ökosystemen zu halten. Auf der Nürnberger Baustelle ist davon zunächst vor allem Beton, Stahl und Baulärm zu sehen. Wenn im Frühjahr 2028 die ersten Kunden durch die gläserne Werkstatt schauen und nebenan geladen wird, soll daraus ein Ort werden, an dem Verkauf, Service und die neue Energiewelt ziemlich dicht beieinanderliegen.