In Göppingen gerät Baubürgermeisterin Eva Noller politisch spürbar unter Druck. Der CDU-Stadtverband kritisiert die 58-Jährige öffentlich – und ungewöhnlich deutlich. Nach der Erklärung wurde bekannt, dass Noller auch in den meisten anderen Gemeinderatsfraktionen Rückhalt verloren hat. Sie selbst äußert sich selbstkritisch.

Der Bericht erschien am 8. Oktober 2026 um 17:05 Uhr. Für ein Bauprojekt sind solche Signale aus dem Gemeinderat kein Nebengeräusch: Wo Stadtentwicklung, Baurecht und Infrastruktur zusammenlaufen, wird aus politischem Gegenwind schnell eine praktische Frage für Verwaltung und Projekte.

Eine erfahrene Stadtplanerin im Gegenwind

Eva Noller wurde 1968 in Gaildorf im Kreis Schwäbisch Hall geboren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach einem sozialen Jahr in Brasilien im Jahr 1988 studierte sie von 1989 bis 1996 Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart.

Es folgten Stationen als Diplom-Ingenieurin im Architekturbüro Hentrich Petschnigg & Partner in Stuttgart von 1996 bis 1997 und als Entwurfsarchitektin bei Project GmbH in Esslingen von 1997 bis 1998. Ihr Städtebau-Referendariat absolvierte Noller von 1999 bis 2001 am Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg; anschließend war sie Regierungsbaumeisterin.

Von 2001 bis 2008 arbeitete sie als persönliche Referentin des Bau- und Umweltbürgermeisters der Stadt Ulm. Danach leitete sie von 2008 bis 2013 den Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Göppingen. 2013 wurde sie als ordentliches Mitglied in die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) berufen.

In Leinfelden-Echterdingen war Noller von 2013 bis 2021 Erste Bürgermeisterin. Dort führte sie das Technische Dezernat mit Stadtplanung, Baurecht, Umwelt, Grünflächen und Tiefbau, Hochbau, Grundstücksverkehr sowie den Stadtwerken. Von 2018 bis 2021 war sie außerdem Geschäftsführerin des Kommunalen Arbeitskreises Filder. Seit Mai 2021 ist sie Baubürgermeisterin der Stadt Göppingen.

Viele Zuständigkeiten, viele Schnittstellen

In Göppingen gehören die technische Infrastruktur, die Stadtentwicklung und der Eigenbetrieb Stadtentwässerung Göppingen (SEG) zu ihren Verantwortungsbereichen. Noller ist stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Umwelt und Technik sowie im Aufsichtsrat der Wohnbau GmbH Göppingen.

Als Sprecherin arbeitet sie in der Arbeitsgruppe Bau-Bürgermeister des Städtetags Baden-Württemberg mit. Weitere Funktionen: Mitglied der DASL, Landesgruppe Baden-Württemberg, Mitglied der Jury des Deutschen Bauherrenpreises und Beiratsmitglied der EEW Energy from Waste Göppingen GmbH. Außerdem gehört sie dem Rotary Club Esslingen-Neckarland und dem Kammerorchester Esslingen an.

Auf dem städtischen Foto ist Thomas B. Jones als Fotograf genannt. Die Bildunterschrift bezeichnet Noller als derzeit stark kritisierte Baubürgermeisterin.

Warum kommunale Baupolitik schnell kompliziert wird

Städte sind zentrale Orte für Innovation und Integration, für die Ansiedlung wissensbasierter Unternehmen und kreativer Branchen. Gleichzeitig müssen sie interkulturelle Konflikte bewältigen und neue Modelle des Zusammenlebens entwickeln. Ihre hohe Dichte zwingt sie außerdem zu nachhaltigen Verkehrs- und Flächenkonzepten. Und all das passiert unter dem Dach demokratischer Selbstverwaltung und bürgerschaftlichen Engagements – also dort, wo Debatten selten im stillen Kämmerlein bleiben.

Das Dossier „So werden Kommunen lebenswert und klimaneutral“ behandelt Energie, Wärme, Verkehr, Bauen und Bürgerbeteiligung. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit von Kommunalpolitik, Verwaltung, lokaler Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Angestrebt werden mehr Lebensqualität, Versorgungssicherheit und Klimaschutz.

Zum kommunalen Alltag gehören dabei auch Konflikte. Der Schwerpunkt „Bedrohte Kommunalpolitik“ beschreibt, dass Bedrohungen, Übergriffe und Hasskampagnen gegen Politikerinnen auf allen politischen Ebenen zunehmen – Kommunalpolitikerinnen eingeschlossen. Vorgestellt werden sieben bedrohte Politikerinnen aus verschiedenen demokratischen Parteien sowie parteilose Politikerinnen; laut Artikel lassen sich die Porträtierten nicht einschüchtern.

Wärmeplanung, Wohnen und die harte Debatte vor Ort

Das Dossier „Kommunale Lösungen für die Wärmewende“ zeigt anhand von vier Beispielen, wie klimaneutrales Heizen auf kommunaler Ebene gelingen kann. Es geht um gemeinschaftliche Ansätze von Kommunen und Bürgerinnen, also um mehr als die einzelne Wärmepumpe im Keller. Weitere Schwerpunkte sind „Green Cities 2035: Klimaneutrale Kommunen mit neuen Allianzen“, die kommunale Verkehrswende und die Wärmewende.

Das Factsheet Klimaneutral heizen weist darauf hin, dass mehr als 80 Prozent der Energie im Haushalt für Raumwärme und Warmwasser verwendet werden. Die Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2045 soll Kosten senken und Treibhausgasemissionen vermeiden. Zukunft beginnt vor Ort gibt Einblicke in konkrete Projekte und Perspektiven für lebenswerte und klimaneutrale Kommunen und will Menschen zu gemeinschaftlichem Engagement anregen.

Die kommunale Wärmeplanung erklärt die Bedeutung klimaneutralen Heizens, beschreibt erneuerbare Energiequellen für die künftige Wärmeversorgung und erläutert, mit welchen Partnern Kommunen die Planung umsetzen können. Kommunale Wärmewende strategisch planen skizziert die Akteurslandschaft, gibt Hinweise zur Auswahl geeigneter Umsetzungspartner und enthält Praxisbeispiele sowie Infografiken. Als Autorinnen werden Tidian Baerens, Janis Bergmann, Dr. Steven Salecki und Dr. Julika Weiß genannt.

Auch das Wohnen hängt eng daran. Besser wohnen mit Klimaschutz hält fest, dass rund die Hälfte des Energieverbrauchs auf die Wärmeerzeugung entfällt. Das Heft behandelt Wärmewende und energiesparendes Wohnen anhand von 17 Fakten.

Die Studie Vielfältige Repräsentation unter Druck untersucht kommunalpolitische Debatten. Die frühere Einschätzung, Kommunalpolitik sei überwiegend sachorientiert und wenig konfliktbelastet, wird darin als nicht zutreffend beschrieben. Autor*innen sind Prof. Dr. Andreas Blätte, Laura Dinnebier und Merve Schmitz-Vardar.

Termine und weitere Debatten

Im Team für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung arbeiten Sabine Drewes als Referentin sowie Anke Bremer als Projektbearbeiterin. Am 17. November 2026 findet in Berlin ein Livestream-Seminar zu Umsetzungserfahrungen mit der kommunalen Wärmeplanung statt. Für den 26. November 2026 ist eine Livestream-Diskussionsreihe unter dem Titel „Wohnungskonzerne als Vermieter – vergesellschaften oder was?“ angekündigt.

Angeboten werden außerdem Newsletter und Verteiler zu Kommunalpolitik, Stadtentwicklung, Demokratie, Ökologie und Energiewende. Neuigkeiten zur Arbeit in diesem Bereich erscheinen auch über X (Twitter). Gerade wenn in einem Gemeinderat der Rückhalt bröckelt, wandern solche Debatten schnell aus den Sitzungssälen hinaus – und landen dort, wo ohnehin jeder mitredet.