Für das deutsche Bauhandwerk ist Shanghai ein ziemlich goldener Boden gewesen: Bei den 48. Weltmeisterschaften der Berufe, den WorldSkills 2026, holte das Nationalteam des Deutschen Baugewerbes zwei Medaillen. Tim Arnold aus Gößweinstein und Jakob Distler aus Ebermannstadt, beide aus Bayern und beide 20 Jahre alt, gewannen Gold im Stahlbetonbau.

Silber ging an den Zimmerer Florian Dorer aus Furtwangen im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Der 22-Jährige fertigte in Shanghai einen Pavillon in Holzständerbauweise. Drei Module mussten dafür geplant, gebaut und montiert werden – ordentlich Arbeit, bevor überhaupt an eine Pause zu denken war.

Gold für eine herzförmige Schalung

Arnold und Distler bewältigten gemeinsam fünf Teilaufgaben: Sie schalten und betonierten eine herzförmige Aussparung in eine Wand, fertigten eine Treppe und einen Tisch und stellten außerdem eine Betonstele her. Der hohe Arbeitsaufwand, dazu die vielen Konstruktionen, machten die Zeit zum eigentlichen Gegenspieler. Da wird jede Minute lang.

Das Nationalteam des Deutschen Baugewerbes vereint Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker aus den Gewerken Fliesenlegen, Maurer, Zimmerer, Stuckateur sowie Beton- und Stahlbetonbau. Träger ist der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Begleitet und trainiert wurden die deutschen Wettkämpfer von Jule Janson, Betonbaumeisterin, Michael Rieger, Zimmerermeister, Marcel Beyer, Fliesenlegermeister, Kevin Kuck, Maurermeister, sowie Josef Gruber, Stuckateur- und Trockenbaumeister.

Auch die übrigen Bau-Berufe landeten weit vorne: Niko Schleicher aus dem Saarland wurde Fünfter bei den Fliesenlegern, Leonhard Eham aus Bayern Sechster bei den Maurern. Maximilian Buerger erreichte bei den Stuckateuren den neunten Platz; er war kurzfristig für eine erkrankte Kollegin eingesprungen. Schleicher und Eham erhielten zudem Exzellenzmedaillen.

22 Auszeichnungen für Team Germany

Die WorldSkills 2026 sind inzwischen beendet. Team Germany gewann 22 Auszeichnungen: zwei Goldmedaillen, eine Silbermedaille, drei Bronzemedaillen und 15 Exzellenzmedaillen. Im Medaillenspiegel bedeutete das Platz 11 von 70 teilnehmenden Ländern und Regionen.

Die zweite Goldmedaille holte Tobias Kelz aus Stötten am Auerberg in Bayern bei den Möbelschreinern. Bronze gewannen Marc-Aurel Spalek aus Chemnitz und Lennard Weitzmann aus Hohenstein-Ernstthal, beide Sachsen, im Landschaftsbau, Lucas Rother aus Aachen und Luke Finn Zamponi aus Haiger bei Cyber Security sowie Elias Sichler aus Stuttgart bei Water Technology.

Mit Exzellenzmedaillen wurden außerdem Lars Wagner im Anlagenmechanikerhandwerk SHK, Finn Gücker im Bauschreinerhandwerk, Leo Kloft bei der Elektroinstallation, Noah Seiler als Fahrzeuglackierer, Timo Jansen in der Kälte- und Klimatechnik, Hannes Wirsing in der Kfz-Mechatronik, Lara Riedmair als Konditorin, Markus Lober und Luis Preißinger in der Mechatronik, Daniel Meyr im CNC-Drehen, Chiara Lammenett bei Digital Construction, Nils Jakubzick in Mobile App Development, Dennis Hilfinger in Software Applications Development und Miklas Schmidt bei Web Technologies ausgezeichnet.

Vier Wettkampftage in Shanghai

Vom 22. bis 27. September 2026 fanden die WorldSkills im National Exhibition and Convention Center in Shanghai statt. Mehr als 1.400 junge Fachkräfte aus über 70 Ländern und Regionen traten in 64 Berufen an. Deutschland war mit 36 Teilnehmenden in 31 Disziplinen vertreten. Die Wettbewerbe liefen vom 23. bis 26. September über vier Tage; am 26. September endeten die Wettkämpfe, anschließend traf sich Team Germany zum Deutschen Abend. Die Siegerehrung am 27. September markierte den Abschluss.

Eröffnet wurde die Veranstaltung am 22. September im Shanghai World Expo Cultural Center. Rund 1.400 Fachkräfte aus 68 Ländern und Regionen nahmen an der Feier teil. Traditionelles Handwerk traf dort auf moderne Technologie: Humanoide Roboter gehörten ebenso zum Programm wie eine rund 200 Tonnen schwere Holzkonstruktion. Ein ziemlicher Kontrast zu Beton, Holz und Werkzeugkisten – aber genau diese Mischung gehört inzwischen zum Bild solcher Wettbewerbe.

Die Vorbereitung von Team Germany begann lange vor dem Abflug mit Auswahlverfahren, Training und Teamtreffen. Das zentrale Vorbereitungstreffen fand vom 25. bis 27. Juni 2026 in Esslingen statt. Teambuilding, Medientraining und sportpsychologische Vorbereitung standen dort auf dem Plan. Das Motto lautete „Maximal zusammen!“

Von den WorldSkills nach Düsseldorf

WorldSkills sind die seit 1950 regelmäßig ausgetragenen Weltmeisterschaften der Berufe. Veranstalter ist WorldSkills International mit mehr als 90 Mitgliedsländern. Die Wettbewerbe reichen von Handwerks- über Industrie- und Dienstleistungsberufe bis zu technischen Disziplinen. Die seit 2008 ausgetragenen EuroSkills bilden die europäische Meisterschaft der Berufe; WorldSkills und EuroSkills wechseln sich im Zwei-Jahres-Rhythmus ab.

Bei den EuroSkills 2025 in Herning gewann Deutschland sieben Goldmedaillen, sechs Silbermedaillen, drei Bronzemedaillen und sechs Exzellenzmedaillen und belegte Platz 2 im Nationenranking. Bei den WorldSkills 2024 in Lyon kam Deutschland auf Platz 9 – mit einer Goldmedaille, fünf Silbermedaillen, drei Bronzemedaillen und 22 Exzellenzmedaillen. Unter den europäischen Nationen war es Platz 4. Der Bauschreiner Felix Wilhelm erhielt in Lyon die „Best-of-Nation“-Medaille.

Der nächste große Termin steht bereits fest: Die EuroSkills 2027 finden in Düsseldorf statt. Deutschland richtet die Europameisterschaft der Berufe erstmals gemeinsam mit Luxemburg aus. Erwartet werden rund 800 Teilnehmende und mehr als 150.000 Besucherinnen und Besucher. Für die jungen Fachkräfte dürfte bis dahin wieder viel Training anstehen – und vermutlich die eine oder andere Betonstele.