Holcim-Tarifrunde vertagt: Baugewerbe zwischen Lohnplus und Arbeitskampf
Auf dem Bau ist der 30. September 2026 kein ruhiger Tag: Bei Holcim Deutschland wurde die erste Entgelttarifrunde für Mineralische Rohstoffe und Transportbeton ohne Ergebnis vertagt. Zuvor hatten IG BAU und Arbeitgeber in einem Arbeitskreis bereits einen Entwurf für einen bundeseinheitlichen Entgeltrahmen erarbeitet. Trotzdem liegen die Positionen auseinander.
Nach Angaben der IG BAU wollten die Arbeitgeber 0,6 Prozent der Entgelterhöhung einbehalten. Ihr Angebot sah 2,3 Prozent mehr Entgelt ab Oktober 2026 und weitere 2,1 Prozent ab Oktober 2027 vor. Die Arbeitnehmerseite lehnte ab. Der Termin ist damit ein weiterer Eintrag in einer Tarifrunde, die sich quer durch Bau, Baustoffindustrie und Ausbau zieht.
Zwischen Holcim, Ziegeln und Gerüstbau
Schon am 21. September hatte die IG BAU Beschäftigte im Bauhauptgewerbe für den 26. September zu Kundgebungen gegen geplante Renten- und Arbeitsmarktreformen aufgerufen. Die Gewerkschaft lehnt eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nach 2031 ab. Für körperlich besonders belastete Bauberufe verlangt sie flexiblere Übergänge in die Rente. Außerdem wendet sie sich gegen eine Aufweichung des Acht-Stunden-Tages durch wöchentliche Arbeitszeitmodelle und gegen Kürzungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Kundgebungen fanden im Rahmen eines bundesweiten DGB-Aktionstags in 15 Städten statt.
Bereits am 8. September äußerte sich IG-BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger besorgt über die Auswirkungen des Landtagswahlergebnisses in Sachsen-Anhalt auf Beschäftigtenrechte. Er verwies auf die Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch. Nach Feigers Darstellung lehnt die AfD Arbeitnehmerrechte, ein Bundestariftreuegesetz und das Sozialkassensystem der Bauwirtschaft ab. Ohne ein Bundestariftreuegesetz würden Löhne und Gehälter seiner Einschätzung nach nur gering steigen. Feiger kündigte Widerstand gegen diese Positionen an.
Für die deutsche Ziegelindustrie außerhalb Bayerns begann am 4. August die nächste Tarifrunde. Die IG BAU hatte die Entgelttarifverträge am 22. Juli gekündigt und fordert deutliche Erhöhungen der Entgelte und Ausbildungsvergütungen, eine Laufzeit von zwölf Monaten sowie einen Ausgleich für Beschäftigte in der Nachtschicht.
Im Garten- und Landschaftsbau stiegen die Löhne und Gehälter planmäßig zum 1. Juli 2026. Der Ecklohn in Lohngruppe 4.2a erhöhte sich um 67 Cent auf 20,91 Euro pro Stunde. Im ersten Lehrjahr gibt es 1.140 Euro monatlich, 40 Euro mehr als zuvor. Im zweiten Lehrjahr sind es 1.270 Euro, im dritten 1.390 Euro; beide Beträge stiegen um jeweils 50 Euro.
Für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk im Nord-Westverbund erzielte die IG BAU am 6. Juli ein Tarifergebnis. Der Ecklohn der Lohngruppe 3 stieg rückwirkend zum 1. Juni 2026 um 60 Cent auf 19,21 Euro pro Stunde, ein Plus von 3,22 Prozent. Diese Stufe läuft zwölf Monate. Zum 1. Juni 2027 folgen 50 Cent mehr auf 19,71 Euro, also 2,6 Prozent, bei elf Monaten Laufzeit. Lohngruppe 7b wird an den gesetzlichen Mindestlohn angepasst.
Rechtlich ungemütlich kann es in Mecklenburg-Vorpommern werden. Der Bauverband prüft seit dem 29. Juni Schritte gegen die geänderte Mindestarbeitsbedingungenverordnung des Landes. Der Verband sieht darin möglicherweise eine verfassungswidrige indirekte Tarifbindung: Nicht allgemeinverbindliche Tarifverträge der Bauwirtschaft werden bei öffentlichen Aufträgen als repräsentativ eingestuft. Bestätigen sich die Bedenken, könnte ein Normenkontrollverfahren eingeleitet werden.
Viele Abschlüsse, viele offene Rechnungen
In der nordwestdeutschen Zement- und Dämmstoffindustrie vereinbarten IG BAU und IGBCE am 8. Juni ab 1. Juli 2026 2,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Das Eckentgelt E 7 steigt in Nordrhein-Westfalen um 115 Euro, im Gebiet Nord um 110 Euro. Die Ausbildungsvergütungen reichen künftig von 1.130 Euro im ersten bis 1.490 Euro im vierten Lehrjahr. Laut IG BAU gelten die höheren Entgelte nur für Gewerkschaftsmitglieder.
Bei Saint-Gobain Weber kam in der dritten Verhandlungsrunde am 28. Mai ein Ergebnis zustande. Ab Januar 2027 steigen die Löhne um 3 Prozent, der Tarifvertrag läuft 22 Monate. Im Juli 2026 erhalten Beschäftigte 1.000 Euro brutto als Einmalzahlung, Mitglieder von IGBCE und IG BAU zusätzlich 200 Euro. Auszubildende bekommen ebenfalls Prämien und künftig bis zu 1.500 Euro im vierten Lehrjahr. Das Urlaubsgeld steigt schrittweise auf 30 Euro pro Tag ab 2028.
Bei Xervon in Köln blieb die vierte Tarifverhandlungsrunde am 6. Mai ohne Einigung. Die IG BAU nannte das Arbeitgeberangebot unzureichend. Vorgesehen waren 2,5 Prozent mehr im Eckentgelt der Entgeltgruppe 6 ab Mai 2026 und weitere 2,2 Prozent ab Februar 2027. Die Erklärungsfrist endete am 6. Mai um 12 Uhr; laut IG BAU sollte Schweigen als Zustimmung gelten.
Im Garten- und Landschaftsbau war die Richtung schon am 28. April festgelegt worden: Ab 1. Juli 2026 steigen die Entgelte um 3,3 Prozent, der Ecklohn um 67 Cent auf 20,91 Euro pro Stunde. Auch die Ausbildungsvergütungen steigen.
Weniger glatt lief es bei Saint-Gobain Weber. Die zweite Runde am 13. April in Düsseldorf wurde ohne Ergebnis vertagt. Nach drei Leermonaten bot die Arbeitgeberseite zweimal 1,5 Prozent mehr Entgelt innerhalb von 27 Monaten an. Die IG BAU lehnte ab; eine dritte Verhandlungsrunde wurde angekündigt, ein Termin stand zunächst nicht fest. Die erste Runde am 11. März war ebenfalls ergebnislos geblieben, weil die Arbeitgeberseite laut IG BAU kein verhandlungsfähiges Erstangebot vorgelegt hatte.
Beim Kölner Gerüstdienstleister Xervon platzte am 11. Februar die Gesprächsbasis: Laut IG BAU beendete die Arbeitgeberseite die Verhandlungen einseitig. Xervon gehört zur Remondis-Gruppe, beschäftigt mehr als 7.000 Menschen und gilt als größtes Gerüstbauunternehmen Deutschlands. Die dritte Entgelttarifverhandlung am 3. März blieb ohne Ergebnis und sollte am 31. März fortgesetzt werden. Das Angebot umfasste 225 Euro Einmalzahlung für Dezember 2025 bis Februar 2026, 2,4 Prozent mehr vom 1. März bis 31. Dezember 2026 und weitere 2,1 Prozent vom 1. Januar bis 30. November 2027. Vorgesehen war eine Laufzeit von 24 Monaten. Ein umfassendes Maßregelungsverbot lehnte die Arbeitgeberseite ab; die IG BAU forderte weiterhin 6 Prozent mehr Entgelt.
Bei der Autobahn GmbH drohte nach dem Abbruch der Tarifverhandlung am 8. Januar ein Warnstreik, der auch die Winterdienste getroffen hätte. Betroffen wären rund 15.000 Beschäftigte gewesen. Verhandelt wurden ein neues Entgeltpaket, die Laufzeit des Tarifvertrags und weitere arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen.
Das Bauhauptgewerbe ist seit April einheitlich
Im Bauhauptgewerbe stiegen zum 1. April 2026 die Löhne und Gehälter im Westen um 3,9 Prozent und im Osten um 5,3 Prozent. Damit wurde erstmals seit der Wiedervereinigung ein einheitliches Einkommensniveau erreicht. Bundesweit arbeiten rund 920.000 Menschen im Bauhauptgewerbe, im Westen mehr als 600.000. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2027.
Hinter dieser letzten Stufe steht der Tarifabschluss von IG BAU, ZDB und HDB vom 14. Juni 2024. Seine Laufzeit reicht vom 1. April 2024 bis zum 31. März 2027. Die Erhöhungen kamen in drei Etappen: Am 1. April 2024 stiegen die Entgelte im Westen um 3,0 Prozent und im Osten um 3,5 Prozent, am 1
