Am 30.09.2026 hat der Bundesverband Bausoftware (BVBS) RIB 4.0 für GAEB XML 3.3 zertifiziert. Das Zertifikat DA XML 3.3 gilt für die Bereiche Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung – kurz AVA. Für Planungsbüros, Bauherren und Nachunternehmer ist das eine Nachricht, die im Baustellenalltag durchaus Gewicht hat: Wo viele Beteiligte, Programme und Datenstände zusammenkommen, kann ein sauberer Austausch manche Schleife ersparen.

GAEB XML 3.3 ist in Deutschland ein Standard für den Austausch alphanumerischer Bauinformationen. Die Zertifizierung bestätigt, dass RIB 4.0 die dafür geltenden Prüfungskriterien erfüllt. Genau darum geht es bei den GAEB-Zertifizierungen: Der Datenaustausch zwischen Softwarelösungen verschiedener Hersteller soll besser funktionieren, ohne dass Informationen unterwegs verloren gehen oder mühsam nachbearbeitet werden müssen.

AVA-Zertifikat für die gesamte Kette

RIB besitzt bereits seit 2024 eine GAEB-Zertifizierung für den Baubereich. Mit dem zusätzlichen AVA-Zertifikat soll RIB 4.0 nun auch die Anforderungen von Planungsbüros, Bauherren und Nachunternehmern abdecken. Der Anspruch reicht damit über einzelne Arbeitsschritte hinaus: RIB 4.0 soll den Datenaustausch über die gesamte Wertschöpfungskette Bau unterstützen – von der Ausschreibung über die Vergabe bis zur Abrechnung.

Reinhardt Fraunhoffer, Lead Product Manager für RIB 4.0, bezeichnete die zusätzliche Zertifizierung als wichtigen Meilenstein. Weitere Informationen können per E-Mail bei der RIB Software GmbH angefordert werden.

Was AVA-Software im Projekt leisten muss

Wie breit das Feld der AVA-Anwendungen ist, zeigt der Blick auf ORCA AVA. Die Software richtet sich an Kommunen und Gemeinden und unterstützt Neubau-, Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Vorgesehen sind unter anderem VOB-konforme Ausschreibungen, die Koordination von Planern, ausführenden Unternehmen und Behörden sowie die Planung von Bauprojekten. Auch die Kostenkontrolle in allen Bauphasen und die Unterstützung bei der Qualitätssicherung der Bauausführung gehören zu den genannten Aufgaben.

Für die Beschaffung und Wartung werden EVB-IT-Verträge genannt. Über eine Schnittstelle zu STLB-Bau lassen sich VOB-gerechte Leistungsbeschreibungen importieren. EFB-Vorlagen können bei der Kostentransparenz für Aufträge und Nachträge helfen. Dazu kommen Standardschnittstellen, unter anderem GAEB und Excel, für den Datenaustausch mit Architekten und Fachplanern.

Im Hintergrund lassen sich frei definierbare Kontenrahmen nutzen. Mit Massensplitting können Kosten unterschiedlichen Kostenträgern zugeordnet und anschließend ausgewertet werden. Bei der Mengenermittlung unterstützt ORCA AVA die Verfahren REB 23.003 und REB 23.004. Hinterlegte Berechnungsformeln umfassen außerdem die profilweise Flächenberechnung nach REB 700 sowie die profilweise Volumenberechnung nach REB 800 gemäß Gauss-Elling. Klingt trocken, ist auf einer Baustelle aber genau die Sorte Detail, die später nicht irgendwo zwischen Lieferschein und Nachtrag verschwinden sollte.

Standardisierung mit vielen Beteiligten

Hinter GAEB steht der Gemeinsame Ausschuss für Elektronik im Bauwesen. Er ist einer von vier Hauptausschüssen des Deutschen Vergabe- und Vertragsausschusses für Bauleistungen (DVA). Mehr als 600 ehrenamtlich Mitarbeitende arbeiten in rund 100 Gremien an der Standardisierung des elektronischen Datenaustauschs im Bauwesen. Der BVBS unterstützt diese Standardisierungsarbeit.

Das klingt zunächst nach Sitzungen, Prüfregeln und Dateiformaten – also nach dem Stoff, bei dem auf der Baustelle gern der Kaffee kalt wird. Praktisch geht es jedoch um die Übergaben zwischen unterschiedlichen Beteiligten und Programmen. Wenn Ausschreibungs-, Vergabe- und Abrechnungsdaten verlässlich weitergereicht werden können, betrifft das nicht nur die Software, sondern auch die tägliche Abstimmung im Bauprojekt.

Die Zertifizierung von RIB 4.0 am 30.09.2026 ordnet sich genau in diesen Zusammenhang ein: GAEB XML 3.3 schafft den gemeinsamen Rahmen, das Zertifikat DA XML 3.3 weist die geprüfte Eignung für AVA nach. Und irgendwo dazwischen liegen Planungsbüro, Bauherr, Nachunternehmer, Excel-Datei, Ausschreibung und die unvermeidliche Frage: „Welche Version ist jetzt eigentlich die aktuelle?“