Das geplante McCain-Werk im niedersächsischen Mehrum ist vorerst vom Tisch. Nach rund zwei Jahren Vorbereitung stoppt der kanadische Pommes-Frites-Hersteller den Bau. Das Unternehmen stuft die Investition in ihrer bisherigen Form als wirtschaftlich nicht mehr tragfähig ein.

Für die Gemeinde Hohenhameln kommt diese Nachricht überraschend – zumal die Bauvorbereitungen auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks bereits begonnen hatten. Seit Ende 2024 plante McCain dort den Bau einer Fabrik. Im Frühjahr wurden die Arbeiten allerdings vorübergehend ausgesetzt.

Gestiegene Kosten, schwächere Nachfrage

McCain nennt mehrere Gründe für den Rückzug. Die Projektkosten sind infolge der Inflation deutlich gestiegen. Gleichzeitig gibt es Überkapazitäten bei verarbeiteten Kartoffelprodukten, während die Nachfrage in wichtigen europäischen Märkten schwächer ausfällt. Unter diesen Bedingungen sei das Vorhaben in der bislang geplanten Form wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.

Ganz geräuschlos war das Projekt ohnehin nicht vorangekommen. Im Boden des ehemaligen Kraftwerksgeländes wurden Schadstoffe entdeckt. Außerdem formierten sich Bürgerinitiativen gegen den Fabrikbau. Erst kam der Baustopp, nun das Aus für die bisherige Planung – zumindest vorerst.

Bund fördert „PotatoScan“ mit 7,5 Millionen Euro

Parallel dazu gibt es eine Nachricht, die zunächst nach Rückenwind klingt: Der Bund fördert das Vorhaben „PotatoScan“ mit 7,5 Millionen Euro. Die Mittel stammen aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Ziel ist eine deutlich höhere Energie- und Ressourceneffizienz in der Kartoffelverarbeitung.

Der Peiner Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil (SPD) teilte die Förderung in einer Pressemitteilung mit. Nach seinen Angaben gibt sie der geplanten McCain-Ansiedlung einen wichtigen Impuls. Investitionen und neue Unternehmen seien für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die Schaffung industrieller Arbeitsplätze wichtig, erklärte Heil. Er wolle den weiteren Prozess eng begleiten und im Austausch mit McCain bleiben. Das gemeinsame Ziel sei weiterhin die erfolgreiche Ansiedlung von McCain in Hohenhameln.

Ob die Finanzspritze an der grundsätzlichen Entscheidung noch etwas ändert, bleibt offen. McCain schließt Investitionen in Deutschland jedenfalls nicht grundsätzlich aus. Deutschland bleibe ein wichtiger Markt für die Kartoffelverarbeitung. In den kommenden Monaten will das Unternehmen alternative Investitionsmöglichkeiten in Deutschland prüfen.

Branche zwischen Innovation und Überkapazitäten

Die widersprüchlichen Signale passen zur Lage der Kartoffelwirtschaft: Auf der einen Seite steht der Wunsch nach sparsamerer Verarbeitung mit weniger Energie- und Ressourcenverbrauch, auf der anderen Seite drücken Überkapazitäten und eine schwächere Nachfrage auf die Wirtschaftlichkeit großer Anlagen. Für Mehrum heißt das: Förderbescheid vorhanden, Baustelle vorhanden – aber kein sicherer Fahrplan für die Fabrik.

Wie breit die Themenlage der Branche ist, zeigt auch der Deutsche Kartoffelhandelsverband (DKHV). Er stellt Berichte, Flyer und Fachpublikationen digital zum Download bereit. Die Materialien befassen sich unter anderem mit Branchen-, Handels- und Verbandsthemen sowie mit Beiträgen aus dem Fachmagazin „Kartoffelbau“. Im Downloadbereich liegen außerdem Pressematerialien, Logos, Pressebilder und weitere Informationsunterlagen zum DKHV.

Verfügbar sind unter anderem „Kartoffelbau“ 12/2025 mit einem Hinweis auf das 20. Jubiläum des Internationalen Berliner Kartoffelabends im Rahmen eines bewegten Jubiläumsjahres der deutschen Kartoffelbranche, außerdem „Kartoffelbau“ 11/2025, „Kartoffelbau“ 09–10/2025, „Kartoffelbau“ 08/2025, „Kartoffelbau“ 07/2025, „Kartoffelbau“ 06/2025, „Kartoffelbau“ 05/2025 sowie „Kartoffelbau“ 05/2025, Editorial.

Hinzu kommen „Kartoffelbau“ 04/2025, „Kartoffelbau“ 03/2025, „Kartoffelbau“ 01–02/2025, „Kartoffelbau“ 01–02/2025, Interview Feuerborn, und „Kartoffelbau“ 01–02/2025, Editorial. Während in diesen Unterlagen die Entwicklung der deutschen Kartoffelbranche dokumentiert wird, muss Mehrum nun auf die nächsten Monate warten. McCain prüft Alternativen – und auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände bleibt erst einmal vieles offen.