An der Thulestraße 48, Ecke Neumannstraße, ist in Pankow der Grundstein für das Neubauprojekt „Thule48“ gelegt worden. UBM Development ist der Bauherr, Porr übernimmt die Bauarbeiten. Geplant sind 78 Eigentumswohnungen mit zusammen rund 4.800 Quadratmetern Wohnfläche.

Etwa 18 Monate soll der Bau dauern. Bezugsfertig sein sollen die Wohnungen im Frühjahr 2028. Den Grundstein legten UBM-Deutschland-Geschäftsführer Christian Berger und Andreas Kimling, technischer Regionalleiter Ost bei Porr. In einer Zeitkapsel verschwanden unter anderem eine aktuelle Ausgabe der „Berliner Morgenpost“, eine Urkunde und Münzen – ein kleiner Gruß aus dem Jahr 2026 an die Zukunft.

Letzte Etappe für das Quartier „Immergrün“

„Thule48“ bildet die letzte Bauetappe des Wohnquartiers „Immergrün“, das hinter dem Grundstück liegt. Dort wurden Mitte 2020 insgesamt 396 Wohnungen fertiggestellt. Auf dem jetzigen Baugrund befand sich zuvor eine gemischte Gewerbefläche mit Werkstätten und Garagen. Vor dem Zweiten Weltkrieg stand hier die Brauerei einer jüdischen Familie.

Das neue, barrierefreie Eckgebäude soll sich optisch an den Häusern des Quartiers orientieren. Der Entwurf stammt vom Berliner Architekturbüro Zanderroth. Gebaut wird in Holzhybridbauweise, mit einer Holzfassade und Fassadenflächen zu allen Himmelsrichtungen. Bodentiefe Fenster, Balkone oder Terrassen, Eichenparkett und eine mit Fernwärme betriebene Fußbodenheizung gehören zum vorgesehenen Standard.

Auf dem Dach ist ein gemeinsamer Dachgarten mit Spiel-, Sport- und Terrassenbereichen geplant. Ein begrünter Hofgarten soll Teile des Gebäudes vom Straßenraum abschirmen. Für Fahrräder entstehen 151 Stellplätze im Neubau; weitere 31 gibt es in den bereits fertiggestellten Nachbargebäuden. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll die Stromversorgung ergänzen.

Wohnungen ab 44 Quadratmetern

Die Grundrisse reichen von Zwei- bis Vierzimmerwohnungen. Die Wohnflächen liegen zwischen 44 und 106 Quadratmetern. Der durchschnittliche Kaufpreis beträgt etwa 8.700 Euro pro Quadratmeter. Rund 30 Prozent der Wohnungen waren bereits vor Baubeginn verkauft.

Nach Angaben bei der Grundsteinlegung wollen die meisten Käufer die Wohnungen überwiegend vermieten, während einige selbst einziehen möchten. Die gesamten Baukosten liegen laut UBM im hohen dreistelligen Millionenbereich. Optional können Käufer Smart-Home-Funktionen für Außenbeschattung, Fußbodenheizung und Beleuchtung einbauen lassen. Dazu kommen verschiedene Sonderausstattungen – am stärksten nachgefragt ist derzeit allerdings die Standardausstattung.

Je nach Förderprogramm und individuellen Voraussetzungen können Förderkredite infrage kommen. Maßgeblich sind dabei die jeweils geltenden Förderbedingungen.

Nachhaltigkeit und ein angespannter Markt

Errichtet wird das Haus nach dem Standard KfW-Effizienzhaus 40. Für das fertige Gebäude ist das Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“ (QNG) vorgesehen. Zusätzlich strebt UBM eine DGNB-Zertifizierung in Gold an; das Verfahren läuft noch.

UBM baut außerdem in Brandenburg und München. Geschäftsführer Christian Berger äußerte sich zugleich besorgt über den Berliner Baumarkt. Seiner Einschätzung nach meiden viele Investoren Berlin aus Sorge vor Enteignungsplänen der künftigen Landesregierung. Das ist eine politische Erwartung, keine bereits beschlossene Maßnahme – sie zeigt aber, wie nervös die Branche derzeit auf die Hauptstadt blickt.

Der Blick auf den Wohnungsmarktbericht 2024 der Investitionsbank Berlin hilft, die Preisfrage einzuordnen. Bei den mittleren Angebotsmieten lagen Mitte mit 19,91 Euro je Quadratmeter, Friedrichshain-Kreuzberg mit 19,42 Euro und Charlottenburg-Wilmersdorf mit 19,39 Euro an der Spitze. Niedriger waren die Werte in Reinickendorf mit 12,15 Euro, Spandau mit 12,00 Euro und Marzahn-Hellersdorf mit 11,38 Euro je Quadratmeter – dort lag 2024 der niedrigste Wert.

In der äußeren Stadt stieg die mittlere Angebotsmiete im Jahresvergleich um 17,2 Prozent auf 12,94 Euro je Quadratmeter. Damit näherte sie sich dem Berliner Umland mit 13,33 Euro und Potsdam mit 13,64 Euro an. Die innere Stadt blieb mit 19,56 Euro je Quadratmeter die teuerste Raumstruktur der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.

Ob die Käufer von „Thule48“ am Ende selbst hinter den bodentiefen Fenstern wohnen oder die Wohnungen vermieten, wird sich zeigen. Noch klingt an der Ecke Thulestraße und Neumannstraße vor allem Baustellenlärm – und irgendwo unter dem künftigen Haus liegt jetzt eine Zeitung neben Urkunde und Münzen.