Im Festzelt neben der Rettungswache in Allershausen wurde am Sonntag ungewöhnlich gerechnet: 60 Jahre Rettungswache, 30 Jahre ambulante Pflege und 30 Jahre Kinderhort ergeben zusammen 120 Jahre. Die Johanniter feierten gleich drei Jubiläen auf einmal – mit einer „120-Jahr-Feier“, wie Staatsminister und Schirmherr Florian Herrmann (CSU) augenzwinkernd kommentierte.

Für den Ortsverband ist das kein bloßer Zahlentrick. Die Johanniter siedelten sich 1966 in Allershausen an, unter anderem wegen der Autobahn und des damaligen Unfallschwerpunkts. Damals begann alles mit einem Erste-Hilfe-Kurs beim Fuchswirt. Später nutzten die Helfer Räume im alten Rathaus, 1974 startete der Rettungsdienst. 1983 wurde schließlich eine eigene Rettungswache eröffnet.

Vom alten Rathaus bis zur Rettungswache

Auch der Kinderhort nahm im kleinen Rahmen im alten Rathaus seinen Anfang. Heute gibt es ihn mit zwei Gruppen nahe der Kirche. Alexandra Reinhart vom oberbayerischen Regionalvorstand stellte bei der Feier diese Entwicklung vor. Der ambulanten Pflege ist ebenfalls seit 30 Jahren ein fester Platz am Standort sicher.

Die Jubiläumsfeier begann mit einem Einzug: Fahnenträger Johann Bauer sowie die Standortpfarrer Karin Volke-Klink und Heinz Winkler führten die Gäste an. Die Andacht hielten Karin Volke-Klink und der ehemalige Standortpfarrer Heinz Winkler. Danach wurde gegessen, geredet und zurückgeblickt – bei Mittagessen, Kaffee und Kuchen, zwischen historischen Fotos und alten Hilfsmitteln.

Zu sehen waren außerdem die Galerie „Gesichter unserer Geschichte“, Informationen zum Neubauprojekt und zur ambulanten Pflege sowie Fahrzeuge des ehrenamtlichen Ortsverbands. Die Johanniter-Jugend kümmerte sich um Kinderschminken und Button-Gestaltung. In der Kinderküche gab es selbst gemachte Marmelade, das Kindertrauerzentrum Lacrima bot eine Bastelaktion an. Im Zelt war einiges los, und ein bisschen klebrige Marmelade gehört bei so einem Fest wohl einfach dazu.

Ehemalige Mitarbeitende und langjährige Wegbegleiter wurden für ihr Engagement geehrt. Zu ihnen gehörte Peter Fritz, der den Standort maßgeblich mitentwickelte und später in den Landesvorstand berufen wurde. Andreas Hautmann aus dem Landesvorstand erinnerte an die Anfänge und hob das selbstbewusste Auftreten der Ehrenamtlichen hervor.

Neubau an der Autobahnanschlussstelle

Direkt neben der Autobahnanschlussstelle planen die Johanniter einen Neubau. Einen Fertigstellungstermin gibt es nicht. Das Vorhaben soll den Standort langfristig sichern und stärken.

Florian Herrmann bezeichnete Allershausen als Standort, der über den Ort hinaus bedeutsam sei. Man feiere nicht nur die Vergangenheit, erklärte der Staatsminister. Seine Worte wurden auch als politische Unterstützung für die weiteren Baupläne verstanden. Bürgermeister Martin Vaas sagte, es wäre bedauerlich, wenn der Standort eines Tages aufgegeben würde.

Die Rettungswache liegt direkt an der Autobahn und gehört zu den Johannitern Oberbayern. Der Johanniter-Ortsverband Allershausen besteht seit mehr als 50 Jahren. Sein Standort in der Schroßlacher Straße umfasst die Verwaltung, die Rettungswache und ehrenamtliche Einsatzbereiche.

Wer sich engagieren möchte, kann zwischen Bevölkerungsschutz, Erste-Hilfe-Kursen, Brandschutzhelferkursen, Johanniter-Jugend, Motorradstaffel, Notrufdiensten, Rettungsdienst, Sanitätsdiensten und ambulanter Pflege wählen. Ein Online-Test soll Interessierten helfen, ein passendes Ehrenamt zu finden. Ansprechpartnerin ist Eva-Maria Geiß, Ortsbeauftragte für Allershausen.

Helfen, lernen, weitermachen

Am Standort Allershausen, Schroßlacher Straße 3, 85391 Allershausen, werden Erste-Hilfe-Kurse, Sanitäter-Kurse und die Brandschutzhelferausbildung angeboten. Im Bevölkerungsschutz sind ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei Krisen, Unwettern und Hochwasser im Einsatz. Sie schützen Menschen und leisten medizinische Versorgung – häufig zusätzlich zu Beruf und Familie. Das ist nicht gerade ein kleines Zusatzprogramm.

Die Johanniter-Jugend Allershausen besteht aus Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In Jugendgruppen, Schulsanitätsdiensten und weiteren Projekten lernen sie, wie Menschen geholfen werden kann, wenden dieses Wissen an und geben es weiter. Beim Fest zeigte sich diese Arbeit ganz praktisch: an den Buttons, beim Kinderschminken und in den vielen Gesprächen rund ums Helfen.

Bei einem Rückblick ging es auch um die Zeit vor dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz. Damals fuhren verschiedene Einrichtungen nach dem Windhundprinzip zu Unfallstellen: Wer zuerst eintraf, übernahm den Patienten. Vertreter aus der Politik und von anderen Hilfsorganisationen würdigten, dass die ehrenamtlichen Helfer heute besser zusammenarbeiten.

Zur Kontaktaufnahme sind die Telefonnummern +49 8166 6787-0 und +49 8166 1025 angegeben. Der Ortsverband ist außerdem auf Facebook und Instagram vertreten. Als verwandte Themen nennen die Johanniter Stellenangebote, die Rettungswache Allershausen, ehrenamtliches Engagement und Erste-Hilfe-Kurse.

Ein Blick auf die Entwicklung des Rettungsdienstes

Wie sich der Rettungsdienst von improvisierten Strukturen zu einem eng organisierten System entwickelt hat, beschreibt Christian Hellmich im Kapitel „Entwicklung des Rettungsdienstes“. Es erschien 2010 in Qualitätsmanagement und Zertifizierung im Rettungsdienst bei Springer. Das Kapitel stellt zunächst die Geschichte des Rettungsdienstes und verschiedene Erscheinungsformen des Systems vor. Die historische Entwicklung, so die Einordnung, ist eng mit den daraus entstehenden Qualitätsanforderungen verbunden.

Die Darstellung richtet sich ausdrücklich auch an Leser ohne berufliche Tätigkeit im Rettungsdienst und soll dem Verständnis der folgenden Kapitel dienen. Als Leitspruch steht Henri Dunants Aussage „Helfen, ohne zu fragen wem“ darüber. Das passt zu einem Fest, bei dem nicht nur alte Fahrzeuge und Fotos gezeigt wurden, sondern auch die Menschen dahinter.

Hellmich behandelt beziehungsweise verweist im Literaturverzeichnis unter anderem auf historische Grundlagen der Notfallmedizin und des Rettungsdienstes, Rettungsdienststrukturen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark, den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern. Ebenso geht es um Luftrettung, Such- und Rettungsdienste, medizinische Hubschraubereinsätze, Leitstellen, First-Responder-Systeme und Krankentransport.

Weitere Themen sind Interhospitaltransporte und Intensivtransporte, rechtliche Grundlagen, Organisation, Finanzierung und Vergaberecht sowie Qualitätsmanagement, Dokumentation und Qualitätssicherung im Rettungsdienst. Die genannte Fachliteratur stammt aus den Jahren 1980 bis 2008 und umfasst außerdem Rechts- und Organisationsdokumente.

Autor ist Mag. (FH) Christian Hellmich aus Wien. Das Buch erschien beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg im Jahr 2010. Die DOI lautet https://doi.org/10.1007/978-3-642-02170-1_2.

Für den Standort in Allershausen bleibt derweil der Blick nach vorn gerichtet: auf den geplanten Neubau neben der Autobahnanschlussstelle, auf Kurse, Jugendgruppen, Pflege und Rettungsdienst – und auf Menschen, die auch dann losfahren, wenn der Einsatz zusätzlich zu Arbeit und Familie kommt.