Lisas Tiny House in Hemer: Zwischen Holz, Eigenleistung und Baugenehmigung
Lisa ist 31, Klimatechnikerin aus Hemer im Sauerland – und alleinerziehende Mutter von Luna, acht Jahre alt. Trotz geringem Einkommen wollte sie für sich und ihre Tochter ein Eigenheim bauen. Kein großes Haus, sondern ein Tiny House. „Wir haben sie für verrückt erklärt“, hieß es zunächst aus der Nachbarschaft.
Lisa ließ sich davon nicht abbringen. Sie bestellte ein Bausatz-System und nahm sich vor, das Haus weitgehend selbst zu errichten. Das ZDF begleitete sie, Luna und zwei weitere Bautrupps 14 Monate lang für die dreiteilige Doku-Reportage „37°Leben: Challenge Hausbau“. Die Reihe wird ab dem 12. Juli an drei Sonntagen jeweils um 9:03 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
Mehr als 40 Tonnen Holz und eine Baustelle im Rampenlicht
Geplant ist ein ökologisches Niedrigenergiehaus mit rund 80 Quadratmetern Wohnfläche. Mehr als 40 Tonnen Vollholz stecken darin, die Wände werden mit Stopfhanf gefüllt. Der Bausatz kostete zunächst 96.000 Euro. Eine schlüsselfertige Variante hätte Lisas Budget gesprengt.
Damit sie Miete sparen und zugleich die Finanzierung des Grundstücks ermöglichen konnte, lebte Lisa vier Monate lang in einem Bauwagen. Auf der Baustelle roch es nach Holz, Erde und feuchter Arbeitskleidung, während der Zeitplan immer wieder ins Wanken geriet: Das Holz kam verspätet, einzelne Teile waren falsch nummeriert oder falsch gefräst.
Nachbarn und Freunde packten schließlich mit an. Aus der anfänglichen Skepsis wurde Anerkennung. Das Projekt sprach sich herum, erschien in der lokalen Tageszeitung und wurde auf Instagram bekannt. Lisa bezeichnete die Baustelle als die bekannteste in Hemer. Die Lokalpresse fand dafür eine passende Kurzform: ein Haus aus Holz und Zusammenhalt.
Leicht war das trotzdem nicht. Die Bauphase führte laut Lisa zu höheren Kosten als geplant. Das Haus steht auf 23 Schraubfundamenten und kostet am Ende rund 30.000 Euro mehr als ursprünglich kalkuliert – fast ein Drittel zusätzlich. Nachbar Guido, der Lisa von Anfang an unterstützte, wurde ihr Lebensgefährte. Er wird mit Lisa und Luna in das Tiny House einziehen; sein größeres eigenes Haus soll vermietet werden.
Selbst bauen heißt nicht automatisch billig
Die Geschichte aus Hemer passt zu einer größeren Frage: Wie viel kann man bei einem Tiny House tatsächlich selbst übernehmen? Für ein Modell mit etwa 15 bis 25 Quadratmetern werden beim kompletten Selbstbau Materialkosten von 20.000 bis 45.000 Euro genannt. Dafür fallen typischerweise 600 bis 1.200 Arbeitsstunden an. Vergleichbare schlüsselfertige Häuser liegen bei 60.000 bis 110.000 Euro.
Zwischen Rohmaterial und Einzug gibt es mehrere Wege. Beim kompletten Selbstbau kommen Pläne und Material, der Eigenanteil ist sehr hoch, die Richtkosten liegen bei 20.000 bis 45.000 Euro. Ein Bausatz liefert zugeschnittene Bauteile und eine Anleitung und kostet etwa 30.000 bis 60.000 Euro. Beim Ausbauhaus wird ein wetterfester Rohbau geliefert; der Innenausbau bleibt Sache des Bauherrn, bei 45.000 bis 75.000 Euro. Schlüsselfertig bedeutet bezugsfertig, mit geringem Eigenanteil und 60.000 bis 110.000 Euro.
Je mehr Fremdleistungen eingekauft werden, desto teurer wird das Projekt – dafür sinken Zeitaufwand und Fehlerrisiko. Für viele Laien sind Bausatz oder Ausbauhaus deshalb der vernünftige Mittelweg zwischen Kostenersparnis und Planungssicherheit. Fehlen Erfahrung, ein trockener Arbeitsplatz oder die Möglichkeit, über mehrere Monate regelmäßig Zeit zu investieren, können vermiedene Nacharbeiten wirtschaftlicher sein als der vermeintlich günstige Start.
Wer selbst baut, sollte sich mit Dämmung, Fenstern und Dachaufbau auskennen und in Zimmerei, Fenster- und Türenbau, Sanitär, Elektrik sowie Innenausbau zumindest grundlegende Kenntnisse haben. Sicher sitzen müssen außerdem Säge, Bohrmaschine, Akkuschrauber, Tacker, Wasserwaage und Laser. Zur Grundausstattung zählen Akku- und Bohrmaschine, Kreis- und Stichsäge, Kappsäge, Tacker, Mess- und Nivellierwerkzeug sowie Leiter oder Gerüst. Was nur kurz gebraucht wird, kann tageweise gemietet werden.
Elektroinstallationen, Gasanlagen und bei mobilen Häusern Straßenzulassung und technische Nachweise gehören in Fachhände. Die Elektrik muss nach den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt und in der Regel von einer Elektrofachkraft abgenommen werden. Ein Fehler bei der Dampfsperre kann Feuchtigkeit und Schimmel bringen, ein Fehler in der Elektrik wird schnell zum Sicherheitsrisiko.
Vom Grundriss bis zur letzten Wandverkleidung
Am Anfang stehen Grundriss und Gewichtsplanung sowie die Bau- und Zulassungsfragen. Danach werden Trailer mit Zulassung oder Fundament beziehungsweise Bodenplatte vorbereitet und ausgerichtet. Boden-, Wand- und Dachrahmen folgen; bei den Verbindungen zählen Maßhaltigkeit und Statik, auch wenn man nach zehn Stunden Arbeit irgendwann nur noch sitzen möchte.
Beplankung, Dach, Fenster und Türen müssen eine regendichte Gebäudehülle ergeben. Dann kommt die Dämmung hinein, die Dampfsperre wird luftdicht ausgeführt. Die Reihenfolge von Dämmung, Dampfsperre und Beplankung darf nicht vertauscht werden, sonst drohen Feuchteschäden. Elektro- und Sanitärinstallationen sollten Fachbetriebe übernehmen. Erst danach folgen Böden, Wandverkleidungen, Küche, Bad und Möbel.
Lieferungen, Wetter und Termine mit Elektrik- oder Sanitärbetrieben brauchen Zeitpuffer. Ein Bautagebuch mit Fotos hilft bei Organisation, Versicherung, Zulassung und einem möglichen Wiederverkauf. Bei einem mobilen Haus kommen Nachweise zu Gewicht, Achslast und Abmessungen hinzu. Wer das zulässige Gesamtgewicht überschreitet, hat nicht nur ein Rechenproblem.
Beim rund 20 Quadratmeter großen Tiny House stehen 20.000 bis 45.000 Euro Materialkosten plus eigene Arbeitszeit den 60.000 bis 110.000 Euro für eine schlüsselfertige Ausführung gegenüber. Rechnerisch sind etwa 30.000 bis 60.000 Euro Ersparnis möglich. Bezahlt wird dafür mit 600 bis 1.200 Arbeitsstunden, Baufehlerrisiken und fehlender Gewährleistung auf die Eigenleistung. Wird die eigene Arbeitszeit eingerechnet, schrumpft der finanzielle Vorteil. Beim Selbstbau trägt der Bauherr das Fehlerrisiko, beim schlüsselfertigen Bau liegt es beim Anbieter. Auch Banken berücksichtigen Eigenleistung als sogenannte „Muskelhypothek“ nur begrenzt und erwarten eine verlässliche Zeitplanung.
Das Grundstück entscheidet mit
Ein Tiny House auf Rädern ist kein baurechtlicher Freifahrtschein. Wird es dauerhaft abgestellt und bewohnt, gilt es grundsätzlich als Wohngebäude – egal, ob es auf Rädern, einem Fundament oder als Modul steht. Bei dauerhafter Wohnnutzung, im genannten Artikel ab mehr als vier bis sechs Wochen pro Jahr, ist in nahezu allen Fällen eine Baugenehmigung erforderlich.
Vor dem Kauf oder der Bestellung empfiehlt sich eine Bauvoranfrage. Bauamt und Bebauungsplan sollten geprüft werden, bevor Material auf dem Hof liegt. Ein Grundstück im Innenbereich mit Wohnbaurecht oder eine ausgewiesene Tiny-House-Siedlung ist meist der deutlich bessere Ausgangspunkt als der Außenbereich. Dort sind Wohngebäude grundsätzlich kaum zulässig; Ausnahmen betreffen vor allem privilegierte Vorhaben der Land- und Forstwirtschaft.
Auch Streifenfundament, Bodenplatte oder Punktfundamente machen ein Tiny House zum genehmigungspflichtigen Gebäude. Dauerhafte Anschlüsse an Strom, Wasser oder Abwasser gelten als Hinweis auf Wohnnutzung. Für die Erschließung müssen Wasser-, Abwasser- und Stromversorgung nachgewiesen werden. Selbst auf Camping- und Ferienplätzen ist dauerhaftes Wohnen oder die Nutzung als erster Wohnsitz meist nicht erlaubt, sofern keine entsprechende Genehmigung vorliegt.
Bei dauerhafter Bewohnung braucht es in der Regel zudem einen zulässigen Stellplatz. Als Richtwert für den Abstand zur Nachbargrenze werden mindestens drei Meter genannt. Aufenthaltsräume sollen meist mindestens 2,40 Meter lichte Höhe haben; bei Dachschrägen bestehen teilweise Ausnahmen, unter 2,30 Meter wird es laut der genannten Einordnung kritisch – gerade im Schlaf- oder Loftbereich. Die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes gelten für jedes Wohngebäude. Ob eine Wohnsitzanmeldung möglich ist, sollte schriftlich mit der Gemeinde geklärt werden.
Die Regelungen unterscheiden sich im Detail nach Bundesland
