Auf den Baustellen in Niedersachsen ist wieder etwas mehr Bewegung zu spüren. Bis Juli wurden 4.859 neue Wohngebäude genehmigt – darunter Einfamilienhäuser und Gebäude mit mindestens drei Wohneinheiten. Das sind mehr als 1.300 Genehmigungen zusätzlich gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auch bundesweit zeigt die Kurve nach oben: Von Januar bis August wurden in Deutschland rund zwölf Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Das Wirtschaftsministerium bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv und hält eine Erholung des Marktes für möglich. Förderprogramme zur Ankurbelung des Wohnungsbaus laufen derzeit an.

Mehr Genehmigungen, aber noch keine Trendwende

Vorsicht bleibt trotzdem angebracht. Das Ministerium warnt davor, bereits von einer Trendwende zu sprechen. Die Baubranche kämpft weiterhin mit Lieferkettenproblemen und steigenden Kosten. Auch der Baugewerbe-Verband Niedersachsen sieht den Abwärtstrend nicht als beendet an.

Hauptgeschäftsführer Matthias Wächter zufolge liegen die Zahlen weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2021 und bewegen sich auf dem Niveau eines historischen Tiefpunkts. Teure Baumaterialien, bürokratische Vorgaben und hohe Zinsen machen Wohnbauprojekte vielerorts unkalkulierbar. Eine Genehmigung liegt dann zwar auf dem Tisch, gebaut wird aber womöglich trotzdem nicht – wenn sich der Neubau wirtschaftlich nicht rechnet.

Wie frostig die Stimmung ist, zeigen auch die Zahlen des Ifo-Instituts: Das Geschäftsklima im Wohnungsbau verschlechterte sich im September erneut. Der Wert sank von minus 22,5 auf minus 25,1 Punkte.

Der Blick auf die Bundeszahlen

Die jüngsten Destatis-Daten für 2026 zeichnen ein genaueres Bild. Im Juli wurden in Deutschland 22.500 Wohnungen genehmigt, 1,9 Prozent beziehungsweise 400 mehr als im Juli 2025. Auf Neubauwohnungen entfielen 18.400 Genehmigungen, ein Plus von 0,8 Prozent beziehungsweise 100 Wohnungen. Durch Umbauten bestehender Gebäude kamen 4.100 Wohnungen hinzu, 7,0 Prozent beziehungsweise 300 mehr.

Von Januar bis Juli 2026 erteilten die Behörden Genehmigungen für insgesamt 148.800 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden. Das waren 12,9 Prozent beziehungsweise 17.000 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum.

  • In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden 121.200 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Anstieg von 13,5 Prozent beziehungsweise 14.400 Wohnungen.
  • Auf Einfamilienhäuser entfielen 27.900 Wohnungen, 9,7 Prozent beziehungsweise 2.500 mehr.
  • Bei Zweifamilienhäusern gab es 8.900 genehmigte Wohnungen, ein Plus von 25,0 Prozent beziehungsweise 1.800.
  • Mehrfamilienhäuser kamen auf 79.700 Wohnungen, 15,1 Prozent beziehungsweise 10.500 mehr.
  • In Wohnheimen wurden 4.700 Wohnungen genehmigt, 6,2 Prozent beziehungsweise 300 weniger.

Auch außerhalb klassischer Wohngebäude wurde gebaut – zumindest auf dem Papier. In neuen Nichtwohngebäuden wurden 2.700 Wohnungen genehmigt, 25,0 Prozent beziehungsweise 500 mehr als von Januar bis Juli 2025. Dazu zählen beispielsweise Hausmeisterwohnungen in Schulen oder Wohnungen über Gewerbeflächen.

Durch Umbauten in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden kamen 24.900 genehmigte Wohnungen hinzu. Das waren 8,9 Prozent beziehungsweise 2.000 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Genehmigt heißt noch lange nicht bezogen

Susanne Schmitt vom Verband der Wohnungswirtschaft weist auf den entscheidenden Haken hin: Genehmigte Wohnungen sind noch nicht gebaut. In zahlreichen Regionen Niedersachsens fehlt weiterhin bezahlbarer Wohnraum, während die Rahmenbedingungen für Neubauten schwierig bleiben. Zwischen Aktenordner und erstem Spatenstich liegen derzeit oft hohe Zinsen, teure Materialien und viele offene Rechnungen.

Der sogenannte Bau-Turbo zeigt sich deshalb bislang häufig eher als „Baugenehmigungs-Turbo“. Das klingt flott, fühlt sich auf einer leeren Baustelle aber eher nach Stillstand an.

Bei den Destatis-Zahlen ist zudem zu beachten, dass Baugenehmigungen teilweise erst durch spätere Nachmeldungen der Baubehörden in die Statistik aufgenommen werden. Die Angaben basieren auf den bis August bei den Statistischen Landesämtern eingegangenen Meldungen. Monatswerte enthalten Nachmeldungen zu früher erteilten Genehmigungen; verspätet eingehende Meldungen werden in späteren Berichtsmonaten berücksichtigt.

Detaillierte Ergebnisse und Zeitreihen sind in der Datenbank GENESIS-Online über die Tabellen 31111 und 31131 abrufbar. Für ein Bauprojekt bleibt am Ende trotzdem die praktischere Frage: Kommt nach der Genehmigung tatsächlich der Bagger – oder bleibt es vorerst beim Papier?