In München sind rund 34.000 Wohnungen genehmigt, aber noch nicht bezugsfertig. Eine Zahl, die auf dem Papier Hoffnung macht und in der Stadt trotzdem wenig verändert: Wer eine Wohnung sucht, wartet weiter, während hinter Bauzäunen, in Planungsbüros und bei Genehmigungen Zeit verstreicht.

Gleichzeitig steht unter anderem eine Villa im Stadtteil Nymphenburg leer. In einer Stadt mit Wohnungsnot wirkt das fast wie ein schlechter Witz – nur ist es für Wohnungssuchende natürlich keiner. Auch Erbfälle blockieren zusätzlichen Wohnraum: Immobilien bleiben ungenutzt, weil Nachlässe geregelt, Eigentumsverhältnisse geklärt oder Entscheidungen innerhalb von Familien getroffen werden müssen.

Genehmigt heißt noch lange nicht bezugsfertig

Der stockende Bau von rund 34.000 bereits genehmigten Wohnungen zeigt, wie groß die Lücke zwischen Planung und tatsächlichem Einzug ist. Eine Genehmigung schafft noch keine fertigen Räume, keine Schlüssel und schon gar keine Entlastung für Menschen, die dringend eine Bleibe suchen. Auf Baustellen kann es weitergehen, langsamer als erwartet oder vorerst gar nicht.

Währenddessen bleibt Wohnraum liegen. Die Villa in Nymphenburg steht als sichtbares Beispiel dafür, dass vorhandene Gebäude nicht automatisch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. München wächst, die Nachfrage bleibt hoch – und leer stehende Immobilien fallen da schnell auf.

Wenn Erbfälle Wohnungen festhalten

Der sogenannte „Silver Tsunami“ könnte den Wohnungsmangel nur teilweise lindern. Gemeint ist das Freiwerden von Wohnraum durch Erbfälle und den Generationenwechsel. Wenn ältere Menschen ihre Wohnungen oder Häuser nicht mehr selbst nutzen und Immobilien später an die nächste Generation übergehen, könnte theoretisch zusätzlicher Platz auf den Markt kommen.

In der Praxis geht das oft nicht auf Knopfdruck. Erbfälle können Wohnraum blockieren, manchmal über längere Zeit. Bis geklärt ist, wem eine Immobilie gehört, was mit ihr geschehen soll und ob sie verkauft, saniert oder selbst genutzt wird, bleibt sie womöglich leer. Gerade in München, wo jeder verfügbare Quadratmeter zählt, ist das eine zähe Angelegenheit.

Deshalb wird gefordert, dass Erbimmobilien vorübergehend vermietet werden dürfen. So könnten Häuser und Wohnungen genutzt werden, während die weiteren Fragen noch offen sind. Für Wohnungssuchende wäre das kein großer Befreiungsschlag, aber immerhin ein Anfang – ein bewohntes Zimmer ist schließlich hilfreicher als ein leer stehendes.

Der Artikel von Eva von Steinburg wurde am 14. Oktober 2026 veröffentlicht. Schauplatz ist München, das Bauprojekt steht dabei sinnbildlich für ein Problem, das sich nicht allein mit neuen Genehmigungen lösen lässt: Es braucht fertige Wohnungen, verfügbare Bestandsimmobilien und Entscheidungen, die nicht jahrelang in Aktenordnern oder Nachlassverfahren hängen bleiben.