Neue „Neuwerk“ sprengt Cuxhavens alten Liegeplatz
Für Cuxhaven wird ein Neubau zum Platzproblem: Die neue „Neuwerk“ soll künftig beim Havariekommando für Einsätze an der deutschen Küste stationiert werden, kann den bisherigen Liegeplatz des gleichnamigen Vorgängerschiffs aber laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee (WSA) nautisch nicht sicher erreichen. Das 105 Meter lange Mehrzweckschiff ist schlicht zu groß.
Der Bund hatte 2020 drei neue Mehrzweckschiffe für Nord- und Ostsee bestellt: „Neuwerk“, „Mellum“ und „Scharhörn“. Rund 200 Millionen Euro kostet die „Neuwerk“. Das Schiff ist länger und breiter als sein Vorgänger, unter anderem wegen der für LNG-Treibstoff benötigten Tankkapazität. Die Tanks sind etwa doppelt so groß. Der bisherige Namensvorgänger wurde 1998 gebaut und ist 26 Meter kürzer.
Neuer Liegeplatz mit langem Vorlauf
Nach NDR-Informationen war bereits bei der Bestellung im Jahr 2020 bekannt, dass die neue „Neuwerk“ nicht an den alten Liegeplatz passen würde. Nun plant das WSA mit hohem Millionenaufwand einen neuen Liegeplatz in einem Hafenteil der landeseigenen Hafengesellschaft N-Ports. Bund, Land und Stadt Cuxhaven haben dafür eine Absichtserklärung unterzeichnet.
Der Haken liegt im Kalender: Mit dem Baubeginn des neuen Liegeplatzes wird frühestens 2030 gerechnet. Die „Neuwerk“ soll nach aktuellem Stand bereits Ende 2027 fertiggestellt werden. Übergangsweise ist deshalb vorgesehen, sie elbseitig an der Seebäderbrücke in Cuxhaven zu stationieren.
Bei der Auslieferung geht es zudem nicht sofort mit der „Neuwerk“ los. Die „Scharhörn“ soll im zweiten Quartal 2026 übergeben werden, danach folgt die „Mellum“, anschließend die „Neuwerk“. Heute, am 4.10.2026, liegt der vorgesehene Übergangs- und Neubauzeitraum damit bereits mitten in der weiteren Planung.
Mehr als große Schiffe am Kai
Die Mehrzweckschiffe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) sind rund um die Uhr einsatzbereit. Besonders nach Schiffsunfällen müssen sie schnell draußen sein: Im Havariefall erreichen sie spätestens innerhalb von zwei Stunden den Unfallort. Zu ihren Aufgaben gehören Notschleppen, die Bekämpfung von Öl- und Chemikalienunfällen, Schiffsbrandbekämpfung und im Winter das Eisbrechen zur Freihaltung der Schifffahrtswege.
Beim Notschleppen wird eine Verbindung zu einem Havaristen hergestellt. Der Schlepper hält das beschädigte Schiff gegen Wind, Strömung und Wellen, damit es nicht strandet. Dafür braucht es gute Manövriereigenschaften und spezielle Schleppausrüstung; die Zugkraft wird über den Pfahlzug angegeben. Deutschland hat zusätzlich zu den bundeseigenen Schiffen drei private Notschlepper gechartert. Der Hochseeschlepper „Nordic“ ist in der Nordsee unterwegs, zwei weitere liegen an den Verkehrsknotenpunkten Warnemünde und Kadetrinne in der Ostsee. Abkommen mit Nachbarstaaten ermöglichen außerdem grenzüberschreitende Hilfe.
Bei einem Schadstoffunfall können die Schiffe Öl und Chemikalien von der Wasseroberfläche aufnehmen und in bordeigenen Tanks lagern. Mobile Ölsperren und Leichterungssysteme lassen sich mitführen. Schutzanlagen können das Schiffsinnere bei toxischen Substanzen hermetisch von der Außenatmosphäre abschotten. Sonarsysteme helfen, Wracks und treibende Objekte wie verlorene Container zu orten.
Feuer, Verletzte und Tonnenarbeit
Auch für brennende Schiffe sind die Einheiten ausgerüstet. Moderne Feuerlöscheinrichtungen und ausfahrbare Feuerlöschmonitore kommen dabei zum Einsatz. Bei Bedarf können speziell ausgebildete Brandbekämpfungsteams der Berufsfeuerwehren der Küstenländer an Bord genommen werden.
Ein Sanitätsraum gehört ebenfalls zur Ausstattung jedes Mehrzweckschiffs und ist ähnlich wie ein Rettungswagen eingerichtet. Zusätzlich kann ein Team aus Notärzten und Rettungsassistenten an Bord kommen. Medizinische Erstversorgung ist damit bereits auf See möglich.
Wenn gerade kein Notruf läuft, verschwinden die Schiffe nicht einfach aus dem Arbeitsalltag. Sie legen große schwimmende Seezeichen aus, holen Tonnen ein, warten und unterhalten sie. Ein bordeigener Kran übernimmt das Hieven. Befeuerung, Tonnenkörper und die Verankerungen aus Kette und Stein werden regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf ausgetauscht.
Außerdem unterstützen die Mehrzweckschiffe die Verkehrszentralen bei der Beobachtung des Schiffsverkehrs. Bei Verstößen gegen Verkehrsvorschriften greifen sie schifffahrtspolizeilich ein. Die „Arkona“ etwa wird als Beispiel bei einem Manöver an einer Tonne zum Wechseln eines Solarkompaktaufsatzes genannt. Arbeit, Kontrolle, Notfallbereitschaft – und irgendwo dazwischen muss in Cuxhaven nun noch ein ausreichend großer Liegeplatz her.
