Nii Kiarwai auf Sylt: Lidl verbindet Supermarktneubau mit 15 Wohnungen für Pendler
Auf Sylt hat der Neubau des Projekts „Nii Kiarwai“ mit dem ersten Spatenstich begonnen. Lidl errichtet dort Wohnungen rund um einen Supermarkt – nach einem ersten Wohnprojekt in Berlin-Mahlsdorf nun also auch auf der Insel. Das Baugelände umfasst 16.000 Quadratmeter; zuvor stand dort eine Ruine.
Für Sylt ist das mehr als ein Bauvorhaben neben einer Filiale. Gerade Beschäftigten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum, viele pendeln deshalb inzwischen vom Festland auf die Insel. Die 15 geplanten Wohnungen sind für dauerhaftes Wohnen vorgesehen, insbesondere für Berufspendler. Ihre Größen reichen von 44 bis 78 Quadratmetern, geplant sind Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen.
Vom Lidl-Markt zum Wohnprojekt
In Berlin-Mahlsdorf stieg Lidl 2021 erstmals in den Bau und die Vermietung von Wohnungen ein. An der Hönower Straße 97–99 entstand ein Lidl-Markt mit 1.300 Quadratmetern Verkaufsfläche, darüber 26 Wohnungen. Das Gebäude hat drei Etagen und drei Hauseingänge; die Wohnungen sind zwischen 44 und 101 Quadratmeter groß.
Gebaut wurde in serieller Modulbauweise. Die Raummodule produzierte Max Bögl im bayerischen Sengenthal. Der Markt öffnete ein Jahr nach Baubeginn, die Wohnungen waren ein weiteres Jahr später fertig. Das Berliner Projekt wurde 2022 abgeschlossen. Die frei finanzierten Wohnungen kosteten laut „Marzahn-Hellersdorf Live“ 13 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Für eine 96-Quadratmeter-Wohnung wurden demnach etwa 1.250 Euro Kaltmiete fällig.
Auf Sylt soll nun eine bestehende Lidl-Filiale auf dem Nachbargrundstück in den Neubau umziehen. Das bisherige Lidl-Gebäude bleibt erhalten und wird mit dem neuen Baukörper zu einem Versorgungszentrum verbunden. In den bisherigen Gebäudeflächen sollen unter anderem eine Apotheke, eine Drogerie und regionale Anbieter Platz finden. Bürgermeisterin Tina Haltermann sieht darin ein Beispiel dafür, wie sich Handel und Wohnraum auf begrenzter Fläche verbinden lassen.
Holz, Begrünung und Abwärme
Der Neubau entsteht in Holz-Hybrid-Bauweise. Vorgesehen sind teilweise begrünte Fassaden und Dächer, außerdem sollen recycelte Materialien zum Einsatz kommen: aufbereiteter Beton im Außenbereich sowie Sekundärkunststoffe, wiederverwertetes Glas und Aluminium im Innenraum.
Auch energetisch wird das Gebäude mit der Filiale verzahnt. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung soll Abwärme aus der Produktkühlung zum Beheizen und Kühlen der Räume nutzen. Zusätzlich ist vorgesehen, die Abwärme über Lüftungsanlagen und Wärmepumpen einzusetzen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll Strom erzeugen.
Die neue Lidl-Filiale wird 1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Geplant sind breitere Gänge und eine veränderte Warenpräsentation – mehr Platz beim Einkaufswagen, weniger Rempelei an den Regalen. Dazu kommen 184 Parkplätze. Für Elektroautos entstehen drei Ladestationen mit insgesamt sechs Ladepunkten, die eine DC-Ladeleistung von 60 bis 180 Kilowatt bieten.
Einzug im Frühjahr 2028 geplant
Die Fertigstellung und Bezugsfähigkeit der Wohnungen sind für Frühjahr 2028 geplant. Wie hoch die künftige Miete auf Sylt sein wird, ist bislang nicht bekannt. Gerade dieser Punkt dürfte auf der Insel mit Spannung verfolgt werden: 15 Wohnungen sind kein großer Wurf gegen den Wohnraummangel, für die Menschen, die jeden Tag zur Arbeit auf die Insel müssen, kann jede einzelne aber zählen.
