Am 1. Oktober 2026 wurde in Kerpen Richtfest gefeiert: Bei NORMA sind der Rohbau und der Dachstuhl des Erweiterungsbaus fertig. Gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen und Handwerksbetrieben markierte der Discounter damit einen wichtigen Baufortschritt an seinem nordrhein-westfälischen Logistikstandort.

Kerpen liegt verkehrsgünstig am Autobahnkreuz und spielt für NORMA in Westdeutschland eine zentrale Rolle. Der Ausbau soll weiteres Wachstum in der Region ermöglichen und die Belieferung des Filialnetzes flexibler machen. Die vollständige Inbetriebnahme des erweiterten Logistikzentrums ist für Ende 2027 vorgesehen.

Mehr Platz für Kühlung, Lager und Verwaltung

Erweitert werden die allgemeinen Lagerflächen, das Trockenlager, die Kühl- und Tiefkühllogistik sowie das Verwaltungsgebäude. Zugleich werden die bestehende Logistikhalle und das Verwaltungsgebäude nach den aktuellen Standards des Gebäudeenergiegesetzes energetisch saniert. Nach Abschluss der Arbeiten wächst die Gesamtfläche um knapp 10.000 auf rund 26.000 Quadratmeter. NORMA investiert dafür einen zweistelligen Millionenbetrag.

Rund 5.900 Quadratmeter entfallen auf die neue Kühlungsfläche. Die Fläche für die Pluskühlung wächst auf fast 3.600 Quadratmeter und wird damit mehr als verdoppelt. Auch der Frischfleischkühlbereich wird größer: Er umfasst künftig 510 Quadratmeter. Das neue Tiefkühllager bietet mehr als 1.700 Quadratmeter bei einer Raumtemperatur von minus 24 Grad.

Bisher übernimmt ein externer Dienstleister die Tiefkühllogistik. Künftig wird sie direkt in Kerpen abgewickelt. Dadurch sollen jährlich mehr als 300.000 Kilometer Transportstrecke eingespart werden; die Angaben aus der Planungsphase nannten bereits mehr als 250.000 Kilometer Fahrstrecke. Vier moderne Andockstationen unterstützen die Warenannahme und die Auslieferung.

Bei der Kältetechnik setzt NORMA ausschließlich auf das natürliche Kältemittel CO₂. Dämmpaneele sollen den Energiebedarf senken und die Energieeffizienz erhöhen. Auf dem Dach wird außerdem eine Photovoltaikanlage mit mehr als 400 kWp Leistung installiert. Sie soll einen Großteil des Strombedarfs mit Solarenergie abdecken. Für die Mitarbeitenden entstehen E-Ladesäulen, die mit selbst erzeugtem Strom betrieben werden.

Vom Spatenstich bis zum Richtfest

Der symbolische erste Spatenstich erfolgte am 8. Mai 2026, wenige Monate vor dem Richtfest. Dabei waren unter anderem NORMA-Vorstandsvorsitzender Gerd Köber, Vertreter der Geschäftsführung, beteiligte Unternehmen, regionale Handwerksbetriebe sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft. Beim Richtfest rückten dann vor allem jene Firmen und Fachleute in den Mittelpunkt, die den Bau auf der Baustelle tatsächlich voranbringen.

NORMA arbeitet beim Projekt mit Partnern aus der Region zusammen. Etwa 15 zusätzliche Arbeitsplätze sollen in Kerpen entstehen. Der Standort wurde 1990 eröffnet und beliefert derzeit 114 Filialen zwischen Münster und Koblenz. Nach dem Ausbau können von hier aus perspektivisch mehr als 200 Filialen versorgt werden.

Für Kerpen ist das ein ordentlicher Sprung. Für NORMA passt er zur geplanten Expansion in Westdeutschland und zum Wachstum des Discounters. Das Unternehmen betreibt mehr als 1.500 Filialen in Deutschland, Österreich, Frankreich und Tschechien; NORMA selbst nennt in einer weiteren Unternehmensangabe mehr als 1.450 Filialen.

Teil einer größeren Logistikoffensive

Das Kühl- und Tiefkühlzentrum in Kerpen ist laut NORMA der zwölfte Neubau in jüngerer Zeit beziehungsweise der zwölfte Neubau, den das Unternehmen zuletzt in Deutschland, Frankreich, Tschechien und Österreich realisiert hat. Neue Niederlassungen entstanden unter anderem in Erfurt, Fürth, Magdeburg, Aichach, Rheinböllen, Dummerstorf, Gerolzhofen und Sarrebourg in Frankreich. Weitere Kühllogistikzentren wurden in Regenstauf, Dettingen und Rossau gebaut.

Wie groß die Spannweite dieser Projekte ist, zeigt Gerolzhofen. Dort eröffnete NORMA ein Logistikzentrum auf 36.000 Quadratmetern – nach Angaben des Unternehmens die größte Einzelinvestition seiner Geschichte. Die Anlage umfasst eine Lagerhalle mit etwa 34.000 Quadratmetern und ein Verwaltungsgebäude mit etwa 2.000 Quadratmetern. Rund 200 Arbeitsplätze entstehen dort.

Auch in Gerolzhofen war die Verkehrsanbindung ausschlaggebend. Durch die geografische Lage sollen bei der Belieferung der Filialen jährlich rund 600.000 Fahrkilometer eingespart werden. Auf dem Dach liegt eine Photovoltaikanlage mit rund 10.000 Quadratmetern Fläche. Der Standort soll ohne fossile Brennstoffe betrieben werden; für die Beheizung der Halle wurde eine Industrieflächenheizung als Betonkernaktivierung eingebaut. Dabei werden die Betonbodenflächen ähnlich einer Fußbodenheizung temperiert, was Energieverluste reduzieren, Wärmestau unter der Hallendecke vermeiden und einen Großteil der Abwärme nutzbar machen soll.

Für Kühltransporter gibt es dort spezielle Ladestationen: Während des Wartens kann die Ware elektrisch gekühlt werden, ohne dass die Motoren laufen müssen. Auf dem Gelände stehen außerdem Ladestationen für Elektroautos. Für Gerolzhofen sind Elektro-Lkw geplant, zusätzlich sollen bereits von NORMA getestete Lkw mit Flüssiggas aus Bioabfällen zum Einsatz kommen.

NORMA wurde 1921 mit der Gründung des Filialunternehmens Georg Roth in Fürth gegründet. Die erste NORMA-Filiale öffnete 1964 in Nürnberg in der Bayreuther Straße. Heute ist das Unternehmen in Deutschland, Österreich, Frankreich und Tschechien aktiv. In Rossau wurde eine neue Kühl-Distributionshalle eröffnet, während in Franken das bundesweit größte NORMA-Lieferzentrum entsteht. In Kerpen stehen jetzt erst einmal Gerüst, Dachstuhl und die nächsten Bauetappen an – bis Ende 2027 ist noch einiges zu tun.