NRW-Baupreise steigen um 4,5 Prozent – Abdichtung, Dämmung und Straßenbau treiben Kosten hoch
Wer in Nordrhein-Westfalen ein Wohngebäude plant, muss im Herbst 2026 erneut genauer auf die Zahlen schauen. Nach Angaben des Landesbetriebs IT.NRW lagen die Baupreise im August 2026 um 4,5 Prozent über dem Niveau von August 2025. Gegenüber Mai 2026 kamen nochmals 0,8 Prozent hinzu. Das merkt man in der Planung schnell – ein Angebot, das vor ein paar Monaten noch halbwegs gepasst hat, kann inzwischen ordentlich ins Rutschen geraten.
Veröffentlicht wurden die Angaben am 9. Oktober 2026 mit Bezug auf Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen. Politische oder öffentliche Reaktionen gibt es dazu nicht; auch eine Stellungnahme liegt nicht vor.
Rohbau und Ausbau ziehen weiter an
Bei den Rohbauarbeiten stiegen die Preise binnen eines Jahres um 4,4 Prozent. Besonders deutlich legten Abdichtungsarbeiten mit 7,4 Prozent zu. Klempnerarbeiten verteuerten sich um 6,2 Prozent, Dachdeckungsarbeiten um 5,5 Prozent. Gerade bei diesen Gewerken summieren sich einzelne Aufschläge schnell – und plötzlich ist aus einer kleinen Korrektur eine neue Excel-Runde geworden.
Die Ausbauarbeiten lagen im August 2026 sogar 4,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen verteuerten sich um 8,0 Prozent, Betonwerksteinarbeiten um 7,6 Prozent und Beschlagarbeiten um 7,2 Prozent.
Eine Ausnahme bilden Aufzugsanlagen, Fahrtreppen, Fahrsteige und Förderanlagen: Sie wurden im Jahresvergleich um 0,3 Prozent günstiger. Viel ist das nicht, aber immerhin bewegt sich hier die Kurve einmal in die andere Richtung.
Straßenbau mit stärkstem Anstieg
Den kräftigsten Preisanstieg aller erfassten Bauwerksarten verzeichnete der Straßenbau mit 7,4 Prozent. Auch Außenanlagen für Wohngebäude verteuerten sich spürbar, und zwar um 6,2 Prozent. Bei den Ortskanälen betrug der Anstieg 5,9 Prozent.
Die Statistik der Bauleistungspreise wird vierteljährlich veröffentlicht und enthält Preisindizes für ausgewählte Bauleistungen. Erfasst werden der Neubau von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden, die Instandhaltung von Bauwerken sowie der Straßenbau.
Für Wohngebäude gibt es außerdem eine langfristige Reihe zu den Wiederherstellungswerten von Wohngebäuden, die 1913/1914 errichtet wurden. Der Baupreisindex für Wohngebäude weist für 2025 eine Veränderungsrate von plus 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus; das Basisjahr ist 2021 gleich 100.
Daten für Bauprojekte und Immobilienmarkt
Interessierte finden bei IT.NRW ausgewählte Baupreisindizes für Bauleistungen am Bauwerk, Wiederherstellungswerte für 1913/1914 errichtete Wohngebäude seit 1999 sowie Daten der Landesdatenbank NRW zu Kreisen und Gemeinden. Hinzu kommen Preisindizes für die Bauwirtschaft unter EVAS 61261 und ein statistischer Bericht mit Quartalsergebnissen für Wohn- und Nichtwohngebäude, Instandhaltung und Straßenbau in NRW. Amtliche Informationen zum Grundstücks- und Immobilienmarkt bietet BORIS-NRW.
Die Reihe der genannten Pressemitteilungen zeigt, dass die Entwicklung schon länger verfolgt wird: Am 21. August 2026 wurde gemeldet, dass 2025 Bauland im Wert von 1,9 Milliarden Euro verkauft wurde. Am 15. Juli 2026 ging es um deutlich gestiegene Preise für Straßen- und Brückenbau innerhalb von fünf Jahren, am 10. Juli 2026 um weiter gestiegene Baupreise für Wohngebäude. Bereits am 10. April 2026 hieß es, die Baupreise für Wohngebäude seien im Februar 2026 um 2,7 Prozent höher gewesen als ein Jahr zuvor. Am 9. Januar 2026 wurde für November 2025 ein Anstieg von knapp 3 Prozent gemeldet.
Für statistische Auskünfte nennt IT.NRW die E-Mail-Adresse statistik-info@it.nrw.de und die Telefonnummer 0211 9449-2495.
Baupreisindex ist nicht Baukostenindex
Bei Gesprächen rund ums Bauprojekt fällt häufig der Begriff „Baukostenindex“. Gemeint ist meistens der Baupreisindex – und das kann zu falschen Zahlenreihen führen. Das Statistische Bundesamt weist bei entsprechenden Anfragen darauf hin, dass vermutlich der Baupreisindex gemeint ist; in den meisten Fällen wird das bestätigt.
Tatsächlich berechnet das Statistische Bundesamt zwei unterschiedliche Indizes. Der Baupreisindex wird dezentral ermittelt. Er zeigt die Entwicklung der Erzeuger-Verkaufspreise im Baugewerbe und spiegelt aus Sicht der Käufer beziehungsweise Bauherren deren Einkaufspreise wider.
Der Baukostenindex wird dagegen zentral berechnet und ist inhaltlich anders ausgerichtet. Er misst die Entwicklung der Preise ohne Umsatzsteuer für Produktionsfaktoren, die Bauunternehmen beim Neubau von Wohngebäuden einsetzen. Dazu zählen insbesondere Arbeit beziehungsweise Löhne, Material, Ausrüstung und Energie. Veränderungen der Produktivität und der Gewinnmargen von Bauunternehmen werden dabei nicht berücksichtigt.
Preisindizes und Veränderungsraten für Wohnimmobilien sind im Datenangebot und in der GENESIS-Online-Datenbank unter dem Tabellencode 61262 verfügbar. Weitere Informationen zum Baupreisindex stehen in den „Erläuterungen zum Baupreisindex“.
