Rechenzentren werden in Europa zum Jobmotor der Tech-Branche. Das zeigt ein Bericht der Jobbörse Indeed, der Stellenanzeigen, Gehälter und Suchanfragen in zehn europäischen Ländern untersucht. Gemeint ist dabei nicht bloß ein weiterer Neubau am Stadtrand: Rechenzentren gelten als zentrale Infrastruktur für die Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI).

Auch politisch steht der Ausbau unter Strom. Die US-Regierung unter Donald Trump unterstützt KI-Rechenzentren und verbindet damit die Erwartung von Wirtschaftswachstum und zusätzlichen Arbeitsplätzen. In Deutschland sind laut einer Karte des „Heiße-Luft“-Kollektivs bundesweit bis zu 120 neue Rechenzentren geplant. Big-Tech-Unternehmen bereiten zahlreiche große Hyperscaler vor – Cloud-Rechenzentren, die ähnlich viel Strom und Wasser verbrauchen können wie ganze Städte.

Deutschland bleibt Europas Einstellungs-Schwergewicht

Regional ist das Bild allerdings ziemlich schief. Hessen gilt als führender Standort, während es laut einer IFA-Analyse in fünf Bundesländern bislang keinen Neubauplan gibt. Frankfurt spielt dabei eine alte, aber weiterhin wichtige Rolle: Die historische Bedeutung der Stadt für Internet-Knotenpunkte trifft auf die Größe der deutschen Volkswirtschaft.

Die Indeed-Ökonomen Aubrey Woessner und Pawel Adrjan haben die Entwicklung genauer betrachtet. In Deutschland stieg die Zahl der Rechenzentrums-Stellenanzeigen um 8 Prozent. Irland legte um 73 Prozent zu, Spanien um rund 60 Prozent. Das klingt gewaltig, hängt dort aber auch mit einem niedrigeren Ausgangsniveau zusammen. Deutschland verfügt laut Adrjan trotzdem weiterhin über die meisten offenen Stellen im Rechenzentrumsbereich.

Seit Dezember nahmen die Anzeigen in Deutschland acht Monate in Folge zu. Im selben Zeitraum schrumpfte der übrige deutsche Tech-Arbeitsmarkt um 12 Prozent. Rechenzentren gehören damit zu den wenigen Bereichen, die im derzeit schwachen Tech-Sektor zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Gesucht werden vor allem Fachkräfte für IT-Infrastruktur, Betrieb, Support und Administration.

Gute Gehälter, aber kein Selbstläufer

Für Beschäftigte kann sich der Wechsel lohnen. Rechenzentrumsbetreiber zahlen in nahezu allen Tätigkeitsfeldern mehr als andere Arbeitgeber für vergleichbare Berufe. Der Gehaltsaufschlag beträgt teilweise bis zu 65 Prozent – von Installation und Wartung über Management bis zur IT-Infrastruktur. Da schaut man schon zweimal auf die Stellenanzeige.

Die Nachfrage von Jobsuchenden nach Rechenzentrumsstellen nimmt europaweit zu, besonders in Spanien, Polen und Italien. Gleichzeitig weisen Kritiker auf einen Haken hin: Viele Arbeitsplätze entstehen während der Bauphase. Ist der Komplex fertig, benötigt der laufende Betrieb vergleichsweise wenig Personal.

Ganz leer werden die Hallen danach trotzdem nicht. Laut Adrjan bleibt Bedarf an Betriebspersonal bestehen. Dazu kommen branchenbezogene Stellen in Vertrieb, Softwareentwicklung und Management, die von anderen Standorten aus ausgeübt werden können. Der Bauzaun verschwindet also irgendwann, die Arbeitsplätze verteilen sich dann nur anders – und manche sitzen womöglich weit weg vom Brummen der Server.

Strom, Politik und die Frage nach Dauerhaftigkeit

Wie sicher diese Jobs langfristig sind, hängt laut Adrjan stark von Investitionen, politischen Entscheidungen und der Verfügbarkeit von Energie ab. Gerade bei Hyperscalern ist das keine Nebensache: Strom- und Wasserbedarf können die Größenordnung ganzer Städte erreichen. Für Kommunen bedeutet das Chancen, aber auch knifflige Fragen bei Leitungen, Flächen und Genehmigungen.

Der europäische Ausbau soll weiter Fahrt aufnehmen. Die EU plant, die Kapazität von Rechenzentren innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Ob daraus überall dauerhaft viele Stellen werden, entscheidet sich nicht nur auf der Baustelle. Es geht auch darum, welche Standorte Energie bekommen, welche Investitionen tatsächlich ausgelöst werden und wie sich die Nachfrage nach KI entwickelt.

Am Bauprojekt riecht es zunächst nach Beton, Kabelummantelung und frisch bewegter Erde. Später hört man eher Lüfter als Presslufthämmer. Dazwischen liegt ein Arbeitsmarkt, der sich gerade gegen den allgemeinen Tech-Abschwung stemmt – mit guten Gehältern, hohem Energiebedarf und einer Menge Fragezeichen im Hintergrund.