Sternbrücke wieder offen, Hamburg zahlt 13 Millionen Euro mehr
Hamburg muss für den umstrittenen Neubau der Sternbrücke tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich geplant. Laut Senat sind die von der Stadt zu tragenden Kosten gestiegen. Die Mehrkosten wurden akzeptiert, damit die laufende Maßnahme fortgeführt werden kann. Die Deutsche Bahn habe die höheren Kosten begründen können.
Seit dem 31. August 2026 ist die neue, viergleisige Bahnbrücke wieder für den Zugverkehr freigegeben. Gegen 4:15 Uhr rollte als erster Zug ein Regionalzug aus Kiel über das Bauwerk. Die Sternbrücke liegt auf der Bahnstrecke zwischen Hamburgs Hauptbahnhof und dem Bahnhof Altona und gilt als zentrale Engstelle im Hamburger Schienennetz.
Mehr Geld für ein umstrittenes Bauwerk
Nach Berechnungen der Linksfraktion ist Hamburgs Kostenanteil um 13 Millionen Euro auf rund 99 Millionen Euro gestiegen. Die Linken-Abgeordnete Heike Sudmann warf Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) vor, die höheren Kosten im Haushaltsplan verborgen zu haben. Die Gesamtkosten des Projekts nannte der Senat nicht.
Für die Deutsche Bahn ist der Neubau vor allem eine Frage der Sicherheit und der langfristigen Belastbarkeit. Die alte Brücke stammte aus dem Jahr 1926. Ihr Stahl sei ermüdet und nicht mehr schweißbar gewesen, begründete das Unternehmen den Ersatz. Mehrere Klagen gegen das Bauprojekt scheiterten vor dem Hamburgischen Oberverwaltungsgericht.
Die neue Bogenbrücke ist 108 Meter lang. Ihr 3.700 Tonnen schwerer Rohbau war Ende Juli in einer nächtlichen Aktion an seinen Standort gebracht worden. Danach liefen rund um die Uhr Restarbeiten, damit die Inbetriebnahme fristgerecht klappen konnte. Ein ordentlicher Kraftakt, bei dem vermutlich nicht nur die Maschinen müde waren.
Wichtiger Knotenpunkt, noch nicht alles fertig
Die Brücke wird von S-Bahnen sowie Regional- und Fernverkehrszügen genutzt. Nach Angaben der Deutschen Bahn fahren dort täglich durchschnittlich rund 1.000 Fern-, Regional- und S-Bahn-Züge. Seit Ende August ist die wichtige Verbindung wieder befahrbar.
Ganz vorbei ist der Baustellenbetrieb damit allerdings nicht. Die Stresemannstraße bleibt wegen Asphaltarbeiten noch bis zum 7. September für den Autoverkehr gesperrt.
Jahrelang war das Projekt umkämpft. Wegen ihrer Größe bezeichneten Kritiker die neue Konstruktion als „Monsterbrücke“. Für den Neubau mussten mehrere Gebäude und 86 Bäume weichen. Das sieht man nicht nur auf Plänen, sondern auch an den Lücken im vertrauten Straßenbild.
Verlorene Räume der Hamburger Clubszene
Mit dem Abriss verschwanden zum Jahreswechsel 2023/24 auch Räume aus der Hamburger Clubszene. Das „Fundbureau“ und die „Beat Boutique“ eröffneten später in den Kasematten bei den Deichtorhallen neu.
Der „Waagenbau“ hat bislang keinen neuen Standort gefunden; ein Neustart am Diebsteich scheiterte. Die „Astra Stube“ besitzt keinen festen Standort mehr. Ihre früheren Betreiber hoffen auf eine Rückkehr an die Sternbrücke. Ein von der Stadt angekündigtes Clubhaus wurde bislang nicht gebaut.
Heute befindet sich an der Sternbrücke noch das Restaurant „Brückenstern“ mit Live-Musik. Zwischen Zügen, Asphaltarbeiten und den neuen Stahlbögen ist dort also weiterhin ein Stück Abendleben geblieben.
Hamburg–Berlin als Blick auf die große Bahnrechnung
Die Kostenfrage an der Sternbrücke steht in einem größeren Zusammenhang. Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin gehört zu einem Gesamtprogramm der Deutschen Bahn. Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen Dutzende marode Strecken umfassend saniert und anschließend über Jahre hinweg ohne größere Bauarbeiten betrieben werden.
Dafür werden die jeweiligen Korridore über mehrere Monate vollständig gesperrt. Die Strecke Hamburg–Berlin war seit Anfang August für den Fern-, Regional- und Güterverkehr geschlossen. Fernzüge wurden über Stendal und Uelzen umgeleitet, wodurch sich die Fahrzeit etwas verlängerte. Im Regionalverkehr mussten Fahrgäste monatelang auf Ersatzbusse ausweichen.
Ursprünglich sollte die Strecke Anfang Mai wieder öffnen. Wochenlanger Frost im Januar und Februar führte jedoch zu erheblichen Verzögerungen, weil wegen des gefrorenen Bodens nicht gearbeitet werden konnte. Erst seit Mitte Juni verkehren dort wieder Züge.
Das Konzept der Generalsanierungen größerer Strecken wird in der Bahnbranche von vielen kritisiert. Im Mittelpunkt stehen die umfassenden Streckensperrungen und die meist hohen Kosten. An der Sternbrücke fahren die Züge inzwischen wieder, während unten noch der Asphalt fehlt und oben die Debatte über Millionen weiterrollt.
