Tankrabatt ab Oktober: 17 Cent weniger an der Zapfsäule, doch nicht jeder Vorteil kommt an
Am 1. Oktober 2026 ist der zweite staatliche Tankrabatt dieses Jahres gestartet. Bis Ende Dezember sinkt die Steuerbelastung auf Benzin und Diesel um jeweils rund 17 Cent pro Liter. An vielen Tankstellen war die Entlastung kurz nach Mitternacht bereits an der Anzeige zu sehen – obwohl sie offiziell nur für Kraftstoffe gilt, die ab Mitternacht Raffinerien und Lager verlassen haben.
Wie stark der Preis tatsächlich fällt, unterscheidet sich regional deutlich. Nach Angaben eines Vergleichsportals gingen die deutschlandweiten Durchschnittspreise um 10 bis 11 Cent je Liter zurück. E10 kostete vielerorts weniger als 2 Euro. Für Autofahrer, Pendler und Betriebe ist das erst einmal spürbar – gerade an einer Zapfsäule, an der zuvor bis zu 2,20 Euro pro Liter aufgerufen wurden.
Entlastung an der Zapfsäule, Streit über die Wirkung
Auslöser für den neuen Rabatt sind erneut gestiegene Erdölpreise infolge von Verwerfungen auf den Erdölmärkten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Die Bundesregierung hatte die vorübergehende Senkung der Energiesteuern bereits seit dem 1. Mai 2026 vorgesehen. Die Energiesteuer selbst sinkt um rund 14 Cent je Liter; einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich laut Bundesregierung eine Entlastung von etwa 17 Cent brutto. Bundestag und Bundesrat beschlossen die Maßnahme kurz vor dem letzten Septemberwochenende. Sie läuft am 31. Dezember aus.
Das Ziel: die Kaufkraft stabilisieren und die Inflationsbelastung privater Haushalte begrenzen. Aral kündigte an, die Steuersenkung vollständig an die Kunden weiterzugeben. Ob das überall und in gleichem Umfang geschieht, liegt allerdings nicht in der Hand des Staates. Die tatsächlichen Endpreise bestimmen Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber.
Genau dort setzt der ifo-Tankrabatt-Tracker an. Das ifo-Institut untersucht mit einem Differenz-in-Differenzen-Ansatz, ob die Entlastung bei den Verbrauchern ankommt oder teilweise in den Margen der Anbieter verbleibt. Verglichen wird die Entwicklung der Kraftstoffpreise in Deutschland mit jener in Frankreich. Frankreich dient als Kontrollmarkt, damit Einflüsse wie Ölpreise, Transportkosten und Nachfrageänderungen statistisch herausgerechnet werden können. Grundlage sind die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts und die französische Datenbank „Le prix des carburants“.
Laut Gesetzentwurf entstehen dem Staat durch den Tankrabatt Steuermindereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro. Die tatsächliche Höhe der Entlastung für die Verbraucher ist damit aber nicht festgelegt. In Märkten mit wenigen Anbietern hängt die Wirkung der Steuerpolitik vom Verhalten dieser Unternehmen ab. Die tägliche Beobachtung der Preisweitergabe soll zeigen, ob der Vorteil komplett an den Zapfsäulen landet oder zum Teil einbehalten wird.
Viel gefahren, viel gespart – aber nicht für alle gleich
Ifo-Präsident Clemens Fuest hält den Tankrabatt nicht für die richtige Antwort. Von der Entlastung profitierten vor allem Vielfahrer mit großen Autos, lautet seine Kritik. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung lehnt die Steuersenkung ab und fordert bei Entlastungen eine direkte, zielgenaue Unterstützung. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält eine Energiepreispauschale für wirksamer: Betroffene könnten das Geld flexibel für Kraftstoff, Lebensmittel oder anderes verwenden.
Die Bundesregierung lehnte Direktzahlungen und allgemeine Steuererleichterungen ab. Ein Tankrabatt komme schneller bei Autofahrern an, argumentierte sie. Eine frühere dpa-Umfrage beziehungsweise Befragung zeigte, dass die meisten Menschen die Entlastung begrüßen, sie aber eher als kurzfristige Atempause sehen. Die Mehrheit erwartet nicht, dass der Rabatt die hohen Energiepreise oder die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern grundsätzlich löst.
Marcel Effenberg fährt täglich 120 bis 140 Kilometer zur Arbeit und gibt monatlich etwa 250 bis 300 Euro für Kraftstoff aus. Auch 20 oder 30 Euro weniger im Monat seien für ihn relevant. Dauerhaft lösen könne der Tankrabatt das Problem aber nicht, sagt der Pendler. Er fordert Maßnahmen, die unabhängiger von fossilen Energieträgern machen.
Ines Herzog rechnet ebenfalls mit einer spürbaren Entlastung, bleibt aber skeptisch, ob die niedrigeren Preise Bestand haben. Frank Petich findet den Tankrabatt grundsätzlich richtig, ärgert sich jedoch über den späten Zeitpunkt. Bei Preisen von bis zu 2,20 Euro je Liter wäre die Senkung seiner Ansicht nach stärker ins Gewicht gefallen. Rene Borchert rechnet nüchtern nach: Ein Preis von 2,24 Euro abzüglich 17 Cent bedeute immer noch mehr als 2 Euro pro Liter.
Logistik rechnet – und plant längst weiter
Besonders die Logistikbranche spürt jeden Ausschlag an der Zapfsäule. Bei der UNITAX Pharmalogistik GmbH gehören Diesel und Kühltechnik zu den wichtigsten Kostenfaktoren. Geschäftsführer Bernd Schmider nennt den Dieselpreis einen der Hauptkostentreiber: Steigende Dieselpreise erhöhten auch die Transportkosten. Kurzfristig erwartet er durch den Rabatt eine Entlastung, als dauerhafte Lösung tauge er nicht.
Schmider hält eine stärkere Förderung von Zukunftstechnologien für sinnvoller. UNITAX will bis 2032 vollständig auf Elektrofahrzeuge umsteigen und anschließend weitgehend CO₂-neutral arbeiten. Das steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zum aktuellen Rabatt: Langfristig sollen fossile Energieträger und CO₂-intensive Mobilität unattraktiver werden, kurzfristig werden Benzin und Diesel nun künstlich billiger.
Damit verändert die Maßnahme auch die staatliche Rolle bei der Energiepreisbildung. Sie kann den politischen Druck für weitere Preisinterventionen erhöhen. Zugleich soll die Analyse des Tankrabatt-Trackers zeigen, wie stark staatliche Entlastungen in konzentrierten Märkten von privaten Preisbildungsmechanismen abhängen.
Was an den Tankstellen hängen bleibt
Beim ersten Tankrabatt ergaben Auswertungen, dass die Steuersenkung größtenteils an die Verbraucher weitergegeben wurde. Nach Angaben der Monopolkommission verblieben jedoch rund 200 Millionen Euro des damaligen Entlastungsvolumens von 1,6 Milliarden Euro bei den Mineralölkonzernen. Wirtschaftsexperten verweisen deshalb erneut auf die Marktmacht weniger Anbieter.
Ökonom Henning Vöpel bezweifelt, dass die aktuelle Steuersenkung vollständig bei den Verbrauchern ankommt. Mineralölkonzerne könnten einen Teil als zusätzlichen Gewinn behalten. Die täglichen Preisbewegungen dürften deshalb genau beobachtet werden.
Der ADAC forderte außerdem, die sogenannte 12-Uhr-Regel an Tankstellen abzuschaffen. Die einmalige tägliche Preiserhöhung sei zwar besser vorhersehbar geworden, habe die Preise aber nicht gesenkt. Tankstellenbetreiber bewerten den Rabatt ebenfalls kritisch. Daniel Kaddik vom Bundesverband Freier Tankstellen bezeichnet ihn als Verlustgeschäft. Tankstellen erzielten inzwischen nur noch einen kleineren Teil ihres Umsatzes mit Kraftstoffen; an einer Tasse Kaffee verdienten sie im Zweifel mehr als an einer Tankfüllung.
Der neue Rabatt bringt also an diesem 1. Oktober vielerorts Bewegung in die Preisschilder. An der einen Station fällt der Liter deutlich, an der nächsten kaum. Und während draußen Zapfpistolen klappern, rechnen Unternehmen, Pendler, Mineralölkonzerne und der Staat schon wieder mit dem nächsten Preisaufschlag.
