Wohngeld-Kürzung belastet Haushalte und Kommunen
Die geplante Kürzung des Wohngelds sorgt für Streit im Bundestag. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) verteidigte die Pläne am 9. Oktober 2026 und verwies auf den kurzfristig hohen Konsolidierungsdruck im Bundeshaushalt. Die Mittel ihres Ministeriums seien größtenteils langfristig für Investitionen gebunden.
Der Schwerpunkt liege auf dem Wohnungsbau, sagte Hubertz, damit bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden könne. Beim Wohngeld dagegen gebe es Einsparmöglichkeiten. Es sei der einzige Haushaltsposten, bei dem dies möglich sei; unter den aktuellen Bedingungen gebe es keinen anderen gangbaren Weg.
Kritik von AfD, Grünen und Linken
AfD, Grüne und Linke wiesen die Pläne zurück. Die Grünen-Abgeordnete Vriesema erklärte, Menschen mit Arbeit, die ihre Miete kaum bezahlen könnten, werde die Sicherheit genommen, in ihrer Wohnung bleiben zu können.
Die Linken-Politikerin Mirow warnte vor Mietrückständen, Kündigungen und Wohnungsverlust. Der AfD-Abgeordnete Strauß bezeichnete die geplanten Einschnitte als falschen Weg. Viel mehr Einigkeit gab es im Parlament an diesem Punkt nicht.
Ende 2025 bezogen rund 1,3 Millionen Haushalte Wohngeld. Nach Angaben des Bauministeriums soll etwa ein Drittel dieser Haushalte künftig keine Leistung mehr erhalten. Die übrigen Haushalte sollen weniger Unterstützung bekommen. Zusätzlich soll die regelmäßige Anpassung der Wohngeldhöhe entfallen.
Belastung für die Kommunen
Das Bundeskabinett hatte in der letzten Sitzungswoche eine umfassende Kürzung des Wohngelds beschlossen. Bei einer Umsetzung könnten Hunderttausende Haushalte in die Grundsicherung fallen, weil der Zuschuss zu steigenden Mieten wegfällt.
Finanziert wird das Wohngeld jeweils zur Hälfte vom Bund und von den Ländern. An den Kosten der Grundsicherung sind hingegen auch die Kommunen beteiligt. Laut Referentenentwurf würde die Wohngeld-Reform die Kommunen jährlich mit rund 74 Millionen Euro belasten.
Der neu vereinbarte Bund-Länder-Konnexitätsausgleich greift bei dieser Mehrbelastung nicht. Dahinter steckt die unterschiedliche Konstruktion der Wohngeld-Reform und der Konnexitätsregel. Für Städte und Gemeinden kann das also eine Rechnung werden, die nicht dort endet, wo die Entscheidung getroffen wurde.
Beratung geht weiter
Nun werden die Pläne in den Bundestagsausschüssen und in den anstehenden Haushaltsberatungen weiter beraten. Bis dahin bleibt offen, wie stark die Kürzung am Ende ausfällt und wie viele Haushalte tatsächlich aus dem Wohngeld herausfallen.
Für Menschen mit knappem Einkommen entscheidet sich die Sache nicht auf dem Papier, sondern ganz praktisch: bei der nächsten Miete, beim Blick auf das Konto und bei der Frage, ob nach dem Überweisen noch genug für den Rest des Monats bleibt.
