Beim Regensburger Bauunternehmen Ratisbona ist die Lage angespannt: Rund 70 der etwa 120 Stellen sollen wegfallen. Künftig will die auf Supermärkte spezialisierte Firma mit ungefähr 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterarbeiten. Von einer Insolvenz ist in den vorliegenden Informationen nicht die Rede – der Umbau soll aus eigener Kraft gelingen.

Ratisbona erklärte, das Unternehmen werde „neu aufgestellt“. Mit allen betroffenen Beschäftigten sollen persönliche Gespräche geführt werden. Einen konkreten Grund für den Stellenabbau nannte die Geschäftsführung nicht. Laut „Lebensmittel Zeitung“ informierte das Management die Belegschaft bei einer Quartalssitzung über die schwierige wirtschaftliche Lage.

Weniger Standorte, höhere Kosten

Ratisbona baut vor allem Märkte für Handelsketten wie Netto und Edeka. Die Wurzeln des Unternehmens reichen dabei eng in den Lebensmitteleinzelhandel: Firmengründer Rudolf Schels gründete früher auch den Edeka-Discounter Netto. Heute führt sein Sohn Sebastian Schels das Unternehmen. Die Edeka-Zentrale in Hamburg ist als Kommanditist an der Ratisbona Projektentwicklung KG beteiligt.

Den Umbau begründet Ratisbona mit Veränderungen im Markt für Nahversorgungsimmobilien. Es entstehen weniger neue Standorte, während die Baukosten schneller gestiegen sind als die Mieten. Zugleich kaufen Investoren gezielter ein. Nach Angaben eines Branchenkenners steigen die Baukosten gerade beim nachhaltigen Bauen stark – ein Punkt, der bei neuen Märkten schnell ins Gewicht fällt.

Dem Vernehmen nach soll auch das Regionalbüro in Erfurt geschlossen werden. Außerdem sollen Projekte in Ostdeutschland eingestellt werden. Laufende Vorhaben in Ostdeutschland will Ratisbona nach eigenen Angaben jedoch weiterbetreuen.

Ein Markt in Haimhausen läuft weiter

Dazu gehört der Bau eines Edeka-Markts in Haimhausen bei München. Die Übergabe soll Ende November erfolgen. Laut Recherchen der „Lebensmittel Zeitung“ kostet dieses Projekt mehr als ursprünglich geplant. Für die Beschäftigten, die nun um ihre Stelle bangen, dürfte das kaum nach einer Randnotiz klingen.

Die Entwicklung bei Ratisbona fällt in eine Zeit, in der sich die Lage der gesamten Bauwirtschaft nur mit genauerem Hinsehen beschreiben lässt. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veröffentlicht jährlich einen kompakten Überblick über die Entwicklung der Baukonjunktur. Der Bericht betrachtet das gesamte Baugewerbe und nicht nur einzelne Teilbereiche.

Breiter Blick auf die Bauwirtschaft

Grundlage ist die jährlich im Auftrag des BBSR erstellte Bauvolumensrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die traditionelle Berichterstattung konzentriert sich stark auf das Bauhauptgewerbe. Dadurch kann ein schiefes Bild entstehen, weil das Ausbaugewerbe inzwischen größere Anteile am deutschen Bauvolumen erwirtschaftet.

Gerade für dieses Ausbaugewerbe ist die Datenlage weniger verlässlich und aktuell als für das Bauhauptgewerbe. Der BBSR-Bericht ergänzt die amtliche Statistik deshalb um eine vertiefte Betrachtung des Ausbaugewerbes und um Informationen zu Bestandsleistungen. Neben Strukturinformationen enthält er außerdem einen Überblick über wesentliche Prognosen zur künftigen Entwicklung der Bauwirtschaft.

Der Bericht trägt den Titel „Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2026“. Verfasst wurde er von Christian Schmidt, erreichbar unter christian.schmidt@bbr.bund.de. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR); veröffentlicht wurde die Ausgabe als BBSR-Analysen KOMPAKT 05/2026 in Bonn. Die DOI lautet https://doi.org/10.58007/kz2m-xa13.