Heute ist der 22.10.2026 und ich möchte mit euch über ein Thema sprechen, das uns alle betrifft: Sand. Ja, richtig gehört! Sand – dieser unscheinbare, aber unverzichtbare Rohstoff, der in der Bauindustrie eine zentrale Rolle spielt. Wir denken oft nicht darüber nach, aber Sand und Kies sind nach Wasser die meistgenutzten Rohstoffe weltweit. Und während der Bedarf an Bausand durch Straßen- und Neubauprojekte immer weiter steigt, zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Die natürlichen Vorräte sind begrenzt und erneuern sich nur über geologische Zeiträume. Ein echtes Dilemma, wenn man bedenkt, dass der weltweite Verbrauch laut UNEP 2019 bei etwa 40 bis 50 Milliarden Tonnen jährlich lag und sich innerhalb von nur zwei Jahrzehnten verdreifacht hat!

Die Situation wird besonders dramatisch, wenn man sich die Entwicklung in Ländern wie Dubai und Saudi-Arabien ansieht. Trotz ihrer Wüstenlandschaften importieren sie Sand aus Australien, weil die heimischen Meeressandvorkommen erschöpft sind. Wüstensand ist für die meisten Bauprojekte ungeeignet, da er durch den Wind glatt und rund geschliffen wird – Zement haftet daran einfach schlecht. Das führt dazu, dass wo natürliche Lagerstätten fehlen, Kies oder Festgestein zerkleinert werden müssen. Das ist zwar eine etablierte Praxis, erfordert jedoch zusätzliche Investitionen und Aufbereitung. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Ökologische und Soziale Dimension

Wir müssen auch die ökologischen und sozialen Folgen der Sandgewinnung betrachten. Laut UNEP stammen etwa 10 bis 15 Prozent des Bausands aus Flüssen und Küsten, was enorme Auswirkungen auf die Umwelt hat. Die Entnahme von Sand kann das Flussbett absenken, Küsten erodieren und sogar Grundwasserleiter versalzen. Am Mekong-Delta beispielsweise wird jährlich rund 50 Millionen Tonnen Sand abgebaut, während nur etwa 6,2 Millionen Tonnen zu den Deltas gelangen. Das hat katastrophale Folgen für die dortige Bevölkerung und die Umwelt.

Ein weiteres Beispiel ist Kambodscha, wo Dorfbewohner Sandbagger vertrieben haben, nachdem sie durch Ufererosion ihr Ackerland verloren hatten. Hier sehen wir, wie internationale Nachfrage – in diesem Fall aus Singapur – den Abbau in ärmeren Ländern antriebt und die lokalen Gemeinschaften in Bedrängnis bringt. Die Probleme, die diese Übernutzung mit sich bringt, sind jedoch nicht nur lokal, sondern auch global. Die Sandknappheit führt zu steigenden Preisen, höheren Baukosten und letztlich zu einer schlechteren Wohnungsbezahlbarkeit für einkommensschwache Gemeinschaften.

Recycling als Lösung?

In Deutschland sieht die Lage nicht viel besser aus. 2024 wurden rund 211 Millionen Tonnen verwertbaren Sand und Kies gefördert, aber das war ein Rückgang um 9,1 Prozent im Vergleich zu 2023. Recycling könnte hier eine Lösung sein: 2022 fielen in Deutschland 207,9 Millionen Tonnen mineralische Bauabfälle an, aus denen 75,3 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe hergestellt wurden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn nach DIN 1045-2 dürfen bis zu 45 Volumenprozent der natürlichen Gesteinskörnung durch Recyclingmaterial ersetzt werden. Und die Nachfrage nach Recycling-Baustoffen wächst, auch wenn sie oft nur in bestimmten Anwendungen verwendet werden.

Das Projekt „SAND! Sand Supply Alternatives and Mitigation of River Dredging Hazards in Vietnam“ unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Schneider hat sich auch dieser Problematik angenommen. Ziel ist es, alternative Baustoffressourcen zu entwickeln und die Umweltauswirkungen der Sandgewinnung zu verringern. Durch innovative Methoden und Techniken soll die Abhängigkeit von der nachteiligen Nassbaggerei im Mekongdelta reduziert werden. Solche Ansätze sind notwendig, um nicht nur die Umwelt zu schützen, sondern auch die soziale Stabilität in betroffenen Regionen zu wahren.

Ein Blick in die Zukunft

Die Herausforderungen sind groß, aber die Lösungen sind vielfältig. Wir sollten uns darauf konzentrieren, nachhaltige Bauweisen zu fördern und innovative Materialien zu erforschen, die den Sandbedarf senken können. Das könnte zum Beispiel der Einsatz von recycelten Zuschlagstoffen, industriell erzeugten Verbundwerkstoffen oder sogar biobasierten Bindemittelsystemen sein. Die Möglichkeiten sind da, aber es erfordert eine Zusammenarbeit zwischen der Industrie, der Politik und der Forschung, um diese Lösungen zu implementieren.

Wir sind an einem Punkt, an dem wir unsere Baupraktiken überdenken müssen. Der Fokus sollte nicht nur darauf liegen, wie viel Sand wir gewinnen können, sondern auch darauf, wie wir den Bestand an natürlichen Ressourcen bewahren können. Lasst uns gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten – für unsere Umwelt, unsere Gesellschaft und die kommenden Generationen!