Am 24. September 2026 ist Velbert ins Visier einer landesweiten Kontrollaktion gegen Problemimmobilien und Sozialleistungsmissbrauch gerückt. Unter Leitung des Ordnungsamts prüften Einsatzteams ab 6 Uhr sechs Wohnobjekte in Velbert-Mitte. Früh am Morgen, wenn in den Häusern noch Licht in den Fluren brennt und draußen kaum jemand unterwegs ist, gingen die Behörden von Tür zu Tür.

Beteiligt waren die Kreispolizeibehörde Mettmann, die Feuerwehr Velbert, das Bauordnungsamt, die Wohnaufsicht, die Stadtkasse und das Jobcenter Kreis Mettmann. Die Initiative ging vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung aus. Im Mittelpunkt standen bauliche Missstände, ausbeuterische Wohnverhältnisse und mögliche Verstöße im Bereich der Sozialleistungen.

Kontrollen in sechs Wohnobjekten

Im Melderecht wurden zwei Personen von Amts wegen abgemeldet. Sie waren bei den Kontrollen nicht anzutreffen oder lebten nachweislich seit längerer Zeit im Ausland. Hinweise auf ein weiteres Kind, das sich möglicherweise ebenfalls im Ausland aufhält, werden zur Prüfung an die Familienkasse NRW weitergeleitet. Eine Person wurde aufgefordert, sich anzumelden.

Auch ein Hund geriet eher unfreiwillig in den Verwaltungsakt: Er war nicht angemeldet. Die Stadtkasse erzielte außerdem zwei Vollstreckungserfolge.

Beim Brandschutz sah es in allen kontrollierten Gebäuden nicht gut aus. Feuerwehr und Bauordnungsamt stellten fest, dass Gegenstände in Flucht- und Rettungswegen abgestellt waren. Zwei Türen waren zudem nicht ausreichend dichtschließend und entsprachen damit nicht den Brandschutzanforderungen. Im Umfeld eines Objekts lagen erhebliche Mengen Sperrmüll. Das Ordnungsamt stellte weitere Verstöße fest, darunter unzulässige Müllablagerungen.

Eigentümer und Verantwortliche sollen die ordnungswidrigen Zustände kurzfristig beseitigen. Die Stadt Velbert will sämtliche festgestellten Verstöße weiterverfolgen und die notwendigen Verfahren einleiten.

Mehr als 250 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen geprüft

Velbert war Teil einer deutlich größeren Aktion: Am Mittwochmorgen kontrollierten hunderte Behördenmitarbeiter mehr als 250 Wohnungen in sogenannten Problemimmobilien in Nordrhein-Westfalen. Kontrollen gab es unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Krefeld, Leverkusen und Wuppertal. Mehr als 300 Mitarbeiter von Ordnungsämtern, Familienkassen, Jobcentern, Bauaufsichten und Gesundheitsämtern sowie der Bundesagentur für Arbeit waren beteiligt.

Geprüft wurde, ob die gemeldeten Personen tatsächlich an den Adressen wohnen, ob dort mehr Menschen Bürgergeld, Grundsicherung, Wohn- oder Kindergeld beziehen als angegeben und ob problematische Wohnverhältnisse vorliegen. Erstmals wurden Daten verschiedener Behörden auf neue Weise miteinander verknüpft, um Verdachtsmomente zu erkennen.

Die Behörden entdeckten 42 mögliche Fälle von Mietwucher. Bei mehr als 203 Personen bestand der Verdacht auf unrechtmäßigen Bürgergeldbezug. Rückforderungen und Einsparungen bei Sozialleistungen summieren sich nach Angaben aus der landesweiten Bilanz auf rund 450.000 Euro.

Mietwucher, Schimmel und gefährliche Flure

Das beschriebene Geschäftsmodell ist trist und ziemlich simpel: Zugewanderte werden auf engem Raum untergebracht, anschließend werden hohe Mieten von Jobcentern verlangt. In einem Fall betrug die Miete 42 Euro pro Quadratmeter. Die Kontrollen lieferten nach Angaben des NRW-Kommunalministeriums außerdem Hinweise auf mögliche Hintermänner.

Neben den finanziellen Verdachtsfällen kamen weitere Missstände ans Licht. Neun Fälle wiesen lebensgefährliche Brandschutzmängel auf, 15 Wohnungen hatten Schimmelbefall, in fünf Wohnungen waren die Heizungen defekt. Acht Wohnungen waren in einem Zustand, der eine weitere Bewohnung untersagt. Die Bewohner müssen dort vom Vermieter angemessen untergebracht werden.

In einem Keller in Duisburg fand die Polizei mehr als 170 originalverpackte Kartons mit Poolrobotern im geschätzten Wert von 170.000 Euro. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Geräte gestohlen wurden. Ein Fund, der zwischen verschimmelten Wänden und zugestellten Fluchtwegen fast surreal wirkt – aber eben auch zeigt, wie unterschiedlich die Spuren solcher Einsätze sein können.

Streit über Verantwortung und Geld

NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach und Sozialminister Karl-Josef Laumann, beide CDU, begleiteten eine Kontrolle in Dortmund. Scharrenbach erklärte, Geschäftsmodelle zulasten von Sozialleistungsbeziehenden sollten unterbunden werden. Verwahrloste Immobilien könnten zum Wertverfall ganzer Quartiere und zu sozialer Trennung beitragen.

Laumann sagte, Hintermänner lockten Menschen aus Südosteuropa nach Deutschland, ließen sie in heruntergekommenen Immobilien wohnen und verlangten überhöhte Mieten. Teilweise würden Betroffene mit fingierten Arbeitsverträgen nach Deutschland gebracht und anschließend Sozialleistungen beantragt. In den beschriebenen Fällen reisten Menschen demnach teils mit fingierten Arbeitsverträgen ein, beantragten wegen geringer Einkommen Sozialleistungen für sich und ihre Familien; laut Artikel würden dabei häufig Dokumente gefälscht.

Roland Schüßler von der Bundesagentur für Arbeit betonte, dass der NRW-Arbeitsmarkt Zuwanderung und Freizügigkeit brauche, zugleich aber vor Missbrauch geschützt werden müsse. SPD-Oppositionsführer Jochen Ott begrüßte die Kontrollen, kritisierte jedoch, einzelne Aktionen seien zu wenig. Er forderte mehr Landesmittel für betroffene Kommunen, damit diese sogenannte Schrottimmobilien ankaufen und gegebenenfalls abreißen können.

Geschäfte mit heruntergekommenen Immobilien haben vor allem im Ruhrgebiet eine lange Geschichte und werden von Ermittlern der organisierten Kriminalität zugerechnet. Kriminelle Vermieter kaufen solche Häuser häufig bei Zwangsversteigerungen und vermieten sie anschließend zu überhöhten Preisen an Zuwanderer. In Velbert bleiben derweil zugestellte Rettungswege, undichte Türen, Sperrmüll und offene melderechtliche Fragen auf den Akten der beteiligten Behörden liegen.