Im deutschen Bauhauptgewerbe ist im Juli 2026 spürbar weniger bestellt worden. Kalender- und saisonbereinigt gingen die Auftragseingänge gegenüber Juni um 9,2 Prozent zurück. Auf den Baustellen läuft die Arbeit zwar weiter, doch bei den Unternehmen wächst die Sorge, dass der Nachschub an neuen Projekten dünner wird.

Der Rückgang traf beide großen Bereiche: Im Hochbau sanken die Aufträge um 8,4 Prozent, im Tiefbau sogar um 10 Prozent. Zum Hochbau zählt vor allem der Wohnungsbau; im Tiefbau liegen unter anderem Straßen- und Brückenbau. Im weniger schwankungsanfälligen Zeitraum von Mai bis Juli lagen die Auftragseingänge allerdings noch 2,7 Prozent über dem Niveau der drei vorherigen Monate.

Wohnungsbau bleibt der wunde Punkt

Der Baugewerbeverband ZDB beschreibt die Lage mit einem Bild, das auf vielen Baustellen bekannt sein dürfte: Die Firmen arbeiten derzeit noch frühere Aufträge ab, gleichzeitig werden die Auftragsbestände dünner. Gerade der Wohnungsbau entwickelte sich im Juli weiter schwach, die Bestellungen gingen erneut zurück.

Das passt nicht recht zu einer anderen Entwicklung. Bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau war in den vergangenen Monaten ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Zwischen Genehmigung und tatsächlichem Baubeginn liegen jedoch oft Monate – und dazwischen stehen gestiegene Zinsen, erneut höhere Baupreise und die Frage, ob sich ein Projekt unter diesen Bedingungen noch rechnet.

Zuletzt hatte die Branche von höheren staatlichen Infrastrukturinvestitionen profitiert. Das half vor allem im Bereich öffentlicher Vorhaben. Für den Wohnungsbau ist die Stimmung trotzdem frostig. Zum Jahreswechsel könnten zusätzliche Belastungen dazukommen: Die Sonderförderung für EH-55-Neubauten endet spätestens Ende 2026, für 2027 stehen Kürzungen beim Etat für Neubauförderung im Raum. Die Förderbedingungen ab Januar sind laut ZDB weiterhin unklar. Eine Förderlücke bis Sommer 2027 wird nicht ausgeschlossen.

EH 55 läuft – aber nur, solange Geld da ist

Die KfW hatte Ende 2025 im Programm „Klimafreundlicher Neubau“ mit den Programmen 297/298 zusätzlich die Förderstufe Effizienzhaus 55 eingeführt. Die ursprünglich bis zum 30. Juni 2026 befristete Förderung wurde verlängert. EH 55 ist nun spätestens bis zum 31. Dezember 2026 möglich – sofern die bereitgestellten Bundesmittel ausreichen.

Der Standard setzt einen niedrigeren technischen Anspruch voraus als der regulär geforderte Effizienzhaus-40-Standard. Dadurch können auch bereits geplante, aber noch nicht begonnene Bauvorhaben förderfähig werden. Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Die Förderung hängt an einem begrenzten Fördertopf. Sind die Mittel ausgeschöpft, bleibt als Förderzugang nur der Effizienzhaus-40-Standard.

Für Bauträger und Planer ist das kein Detail am Rand, sondern eine ziemlich konkrete Kalenderfrage. Was noch heuer eingereicht, angepasst und nachgewiesen werden kann, kann förderfähig sein; was zu spät kommt, landet womöglich in einer strengeren Schublade. Und genau diese Unsicherheit macht Entscheidungen nicht leichter.

Mehr Geld für effiziente Neubauten, mehr Aufwand für die Planung

Für Neubauten stehen mehr Fördermittel zur Verfügung, allerdings unter strengeren Bedingungen. Förderfähig sind insbesondere Projekte, die auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit setzen, geeignete Baustoffe einsetzen und ein durchdachtes Energiekonzept vorlegen. Dazu kommen umfassende Nachweise. Für Planer steigen damit die Anforderungen an Planung und Dokumentation deutlich.

Wer sich frühzeitig auf die neuen Standards ausrichtet, kann daraus Wettbewerbsvorteile ziehen. Büros mit Spezialisierung auf energieeffiziente Neubauten könnten von zusätzlichen Fördermitteln profitieren. Das klingt nüchtern, ist im Alltag aber viel Papier, Abstimmung und Rechnen – noch bevor der erste Bagger anrückt.

Anders sieht es bei der Sanierung aus. Kürzungen bei den Fördermitteln könnten entsprechende Projekte erschweren, obwohl im Gebäudebestand weiterhin großer Bedarf besteht: alte Heizungen müssen ausgetauscht, Fassaden gedämmt und erneuerbare Energien integriert werden. Sinkt die staatliche Unterstützung, können Vorhaben wirtschaftlich unattraktiv werden; Eigentümer könnten Investitionen dann lieber aufschieben.

Für Architekten und Ingenieure entsteht damit ein spürbarer Gegensatz. Neubauprojekte werden stärker gefördert, während sich der Sanierungsmarkt verlangsamen könnte. Erfolgversprechend ist eine flexible Tätigkeit in beiden Segmenten – aber eben mit Blick auf die jeweils anderen Förderbedingungen.

Umsatz steigt, Aufträge fallen

Die Zahlen zum Umsatz wirken auf den ersten Blick freundlicher. Der Umsatz des Bauhauptgewerbes stieg im Juli preisbereinigt um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nominal erhöhte er sich um 9,4 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Auch die Beschäftigung nahm leicht zu.

Das ist kein Widerspruch zu den sinkenden Auftragseingängen: Die Unternehmen verdienen derzeit noch an bereits laufenden oder früher vergebenen Projekten. Gleichzeitig können höhere Baupreise den nominalen Umsatz nach oben treiben, während neue Aufträge ausbleiben. Die Angaben beziehen sich auf Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.

Schaut man über die deutsche Grenze, ist die Lage ebenfalls verhalten. Auch in anderen europäischen Ländern ist die Baukonjunktur schwach, während Infrastrukturprojekte überwiegend stabil bleiben. Der Wohnungsbau leidet in mehreren Staaten unter steigenden Kosten, sinkender Nachfrage sowie unsicheren oder zurückhaltenden Förderbedingungen. International tätige Büros könnten deshalb Märkte mit stärkeren öffentlichen Investitionen prüfen – sofern sie dort Fuß fassen können.

Auf dem Bauplatz selbst bleibt davon zunächst vor allem eines: das Geräusch laufender Maschinen und die offene Frage, was nach dem aktuellen Auftrag kommt. Für den Moment wird gearbeitet. Für die Zeit danach fehlen vielerorts klare Signale.