In Kaunas hat am 1. Oktober der Bau eines neuen Werks für die Montage und Reparatur von Leopard-2A8-Kampfpanzern begonnen. Die Anlage entsteht in der Freien Wirtschaftszone der litauischen Stadt und soll 13.000 Quadratmeter groß werden. Viel Beton, viel Technik, viel Verantwortung – und vermutlich eine ziemlich laute Baustelle.

Fertig werden soll das Werk im November 2027. Der erste in Litauen montierte Panzer soll Ende 2028 ausgeliefert werden. Betreiber ist Lithuania Defence Services (LDS), ein 2022 gegründetes Joint Venture von Rheinmetall und KNDS. Das Bauunternehmen YIT Lietuva errichtet die Anlage für 29 Millionen Euro.

Montage in Kaunas, Wartung für die Region

LDS will insgesamt rund 50 Millionen Euro investieren. Bis zu 100 Arbeitsplätze sollen entstehen. Nach der Fertigstellung ist die Anlage nicht nur für die Endmontage vorgesehen: Sie soll später auch Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten übernehmen und Aufträge für weitere Kunden in der Region bearbeiten.

Litauen hatte im Dezember 2024 insgesamt 44 Leopard-2A8-Panzer bestellt. Bis zu 38 davon sollen in Kaunas montiert werden, die übrigen Fahrzeuge entstehen in Deutschland. Nach den Angaben von KNDS ist in Kaunas ein Montagewerk für die Fertigung von bis zu 41 Kampfpanzern des Typs LEOPARD 2 A8 vorgesehen. Die Panzer sollen zwischen 2028 und 2030 an die litauische Armee übergeben werden.

Grundlage ist ein Vertrag, den das litauische Verteidigungsministerium und KNDS Deutschland unterzeichnet haben. KNDS Deutschland beauftragt LDS mit der Umsetzung. Der Auftrag wurde über einen Rahmenvertrag vergeben, den die deutsche Bundesregierung und das deutsche Beschaffungsamt geschaffen haben. Litauen war das erste Land, das dem Common Procurement Agreement (CPA) beitrat.

Ein weiteres Abkommen regelt die Verfügbarkeitsgewährleistung der LEOPARD-2-A8-Systeme. Dazu gehören die Ausbildung von Fachpersonal für Fertigung und Instandsetzung sowie die logistische Unterstützung der Systeme über fünf Jahre ab der Auslieferung des ersten Systems.

Neue Beteiligung an LDS

Auch bei den Eigentumsverhältnissen verschiebt sich etwas. Litauen beteiligt sich künftig mit 25,1 Prozent an LDS. Dafür übertragen KNDS Deutschland und Rheinmetall Anteile an das staatliche Unternehmen EPSO-G Invest. Nach Abschluss der Transaktion sollen KNDS Deutschland und Rheinmetall Landsysteme jeweils 37,45 Prozent halten. Der Abschluss der Anteilsübertragung ist innerhalb von sechs Monaten vorgesehen.

Ende 2024 schloss Litauen mit KNDS Deutschland außerdem einen Vertrag über 950 Millionen Euro. Mit den bestellten Panzern will das Land neue Panzerbataillone aufbauen und seine Landstreitkräfte stärker mit anderen NATO-Armeen verzahnen. Die Entscheidung für den Leopard 2 fiel bereits 2023 – gegen den US-amerikanischen M1 Abrams und den südkoreanischen K2 Black Panther.

Der Leopard 2A8 ist eine aktuelle Version des deutschen Kampfpanzers und wird von KNDS hergestellt. Er ist etwa elf Meter lang, hat eine Besatzung von vier Personen und erreicht bis zu 60 Kilometer pro Stunde. Der 1.500 PS starke Motor ermöglicht eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern mit einer Tankfüllung. Zur Bewaffnung gehören eine 120-mm-Kanone, ein Maschinengewehr, ein Mehrzweck-Granatwerfer und eine ferngesteuerte Waffenstation.

Was im Leopard 2A8 steckt

Der Leopard 2A8 gilt als jüngste Serienversion des Leopard-2-Kampfpanzers und soll innerhalb der NATO einen neuen technologischen Standard setzen. Zu den zentralen Merkmalen zählen verstärkter Schutz und Minenschutz, das aktive Schutzsystem Trophy APS, modernisierte Sensorik und eine vollständig digitalisierte Fahrzeugarchitektur. Als Hauptwaffe dient die 120-mm-L55A1-Glattrohrkanone.

Je nach Konfiguration wiegt das Fahrzeug etwa 65 bis 69 Tonnen. Der MTU-Dieselmotor mit zwölf Zylindern leistet ungefähr 1.500 bis 1.600 PS. Vorwärts sind rund 60 bis 70 Kilometer pro Stunde möglich, im A8-Datenblatt werden 60 Kilometer pro Stunde genannt. Rückwärts schafft der Panzer bis zu 28 Kilometer pro Stunde. Die Reichweite liegt, abhängig von Gelände und Zuladung, bei etwa 400 Kilometern.

Die L55-Familie der 120-mm-Glattrohrkanone soll Ziele bis zu einer wirksamen Bekämpfungsdistanz von fünf Kilometern erreichen. Zur Sekundärbewaffnung gehören zwei 7,62-mm-Maschinengewehre. Verbund- und Reaktivpanzerung, verstärkter Minenschutz und Trophy APS bilden den Schutz. Wärmebildgeräte der dritten Generation sowie ein 360-Grad-Kamerasystem liefern die nötige Sicht. Im Inneren arbeitet eine digitale Fahrzeugarchitektur einschließlich Hilfstriebwerk, dem sogenannten APU.

Rund 350 Fahrzeuge sind laut dem zugrunde liegenden Artikel bereits fest bestellt. Deutschland hat 123 Leopard 2A8 fest bestellt und plant zusätzlich 75; der A8 soll neuer Standard der Bundeswehr werden. Norwegen beschafft im Rahmen eines gemeinsamen Vorhabens mit Deutschland 54 Fahrzeuge. Die Niederlande haben 46 bestellt, mit einer Option auf sechs weitere. Tschechien plant zunächst 44 Fahrzeuge und besitzt eine Option auf 14 weitere – maximal also 58 Leopard 2A8CZ.

Für Litauen wird die Teilnahme am Beschaffungsverbund genannt; in der entsprechenden Übersicht war zunächst keine offizielle Stückzahl veröffentlicht. Inzwischen ist durch den litauischen Auftrag über 44 Fahrzeuge klar, welche Größenordnung das Land gewählt hat. Weitere Länder prüfen eine Beschaffung oder Modernisierung.

Gemeinsamer Standard, nationale Anpassungen

Der deutsche A8-Standard wurde aus dem Leopard 2A7V weiterentwickelt. Trophy APS, verstärkter Minen- und IED-Schutz, Mehrschichtpanzerung und digitale Architektur gehören zum gemeinsamen Kern. Fahrleistungen, L55A1-Kanone, Feuerleitsysteme und Optiken sollen zwischen den Nutzerstaaten gleich bleiben. Dahinter steckt ein ziemlich praktischer Gedanke: vereinfachte Wartung, gemeinsame Ersatzteile und abgestimmte Ausbildung.

Der modulare Aufbau soll spätere Upgrades bei Schutz, Sensorik und Kommunikation ermöglichen. Die tschechische Version Leopard 2A8CZ bleibt technisch weitgehend identisch mit der deutschen Variante. Angepasst werden unter anderem Funk- und IT-Systeme, Tarnanstrich, Maschinengewehre und weitere Ausrüstung. Diese Anpassung wird als „Bohemisierung“ bezeichnet.

Je nach Land können außerdem Kommunikationsmodule, Kryptografie, IFF-Systeme, Führungs- und Gefechtsmanagementsoftware sowie die Sekundärbewaffnung verändert werden. Mehrere Staaten prüfen industrielle Beteiligungen – etwa lokale Montage oder die Fertigung einzelner Komponenten. Auch Litauen verhandelt laut dem Artikel über solche Modelle. Das neue Werk in Kaunas passt also ziemlich genau in diese Richtung.

Die Beschaffung entwickelt sich zu einem multinationalen Programm mit gemeinsamer Logistik, Ausbildung und Wartung. Deutschland, die Niederlande, Litauen, Norwegen und Tschechien wollen Ausbildung, technische Dokumentation, Werkstattkapazitäten und Ersatzteilpakete gemeinsam entwickeln. KNDS bietet dafür modular skalierbare Logistikpakete an. Die gemeinsame digitale Architektur soll außerdem die Integration in NATO-Standards erleichtern.

Vom Kampfpanzer bis zum Bergefahrzeug

Gedacht wird nicht nur an den Panzer selbst. Als vollständiger Systemverbund stehen auch Bergefahrzeuge, Pionierpanzer, Brückenleger und Fahrschulpanzer im Raum. Der Bergepanzer 3 „Büffel“ soll schwere Kettenfahrzeuge bergen, abschleppen und reparieren; eine Anpassung an die Gewichtsklasse des A8 ist vorgesehen.

Pionierfahrzeuge können unter anderem mit Räumschilden, Minenräumgeräten oder Baggerarmen ausgerüstet werden. Brückenlegepanzer ermöglichen schweren Panzerverbänden das Überqueren von Hindernissen. Fahrschulpanzer nutzen dieselbe Chassis-Basis, bekommen aber spezielle Ausbildungsmodule. KNDS will diese Varianten künftig an den A7/A8-Standard anpassen und als ergänzende Exportpakete anbieten.

Als mögliche weitere Nutzer werden Italien, Schweden, Kroatien, Spanien und Österreich genannt. Italien prüft den Ersatz seiner älteren Ariete-Panzer und strebt auch industrielle Kooperationen an. Schweden wird wegen des technischen Abstands seines modifizierten Strv 122 zu modernen Varianten als möglicher Umsteiger genannt. Kroatien könnte laut Fachberichten bis zu 50 Leopard 2A8 benötigen.

Spanien interessiert sich für Neubauten