Neue S-Kurve am Erdaer Kreuz sorgt trotz fertigem Kreisverkehr für Streit
Der Umbau des „Erdaer Kreuzes“ bei Hohenahr ist abgeschlossen. Die Kreuzung wurde zu einem Kreisverkehr für die Ortsteile Erda, Hohensolms, Groß-Altenstädten und Mudersbach umgebaut – innerhalb der geplanten Bauzeit und des vorgesehenen Budgets. Seit dem 10. August 2026 ist die neue Anlage für den Verkehr freigegeben.
Ganz glatt läuft es dort allerdings noch nicht. Vor allem aus Richtung Mudersbach sorgt die neu entstandene, scharf wirkende S-Kurve für Diskussionen. Bürger vermissen Leitplanken und eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Auch die Wegweiser an den Ausfahrten fehlten zunächst. Das wirkt im Alltag schnell verwirrend, gerade wenn man die Strecke nicht kennt und im Kreisverkehr nicht lange überlegen möchte.
Reflektierende Tafeln stehen inzwischen
Auf Initiative der Gemeinde gab es einen Ortstermin mit der Verkehrskommission. Danach wurden reflektierende rot-weiße Kurvenleittafeln aufgestellt. Sie markieren den Verlauf der Kurve nun deutlich besser.
Leitplanken gibt es bislang trotzdem nicht. Hessen Mobil hält sie nach den geltenden Richtlinien für nicht erforderlich. Eine dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung besteht ebenfalls nicht; theoretisch sind in der Kurve 100 km/h erlaubt. Nach Informationen der Redaktion fuhr bereits ein Motorradfahrer aus der Kurve in den Graben.
Die S-Form sei aus planerischen Gründen notwendig gewesen, erklärt Hessen Mobil. Ausschlaggebend war demnach der sehr geringe Kreuzungswinkel zwischen der bisherigen Straße und den Straßen, die miteinander verbunden werden sollten. Die Verkehrskommission will die Situation weiter beobachten und prüfen, ob zusätzliche Maßnahmen – etwa Schutzplanken – notwendig werden.
Wer über Tempo-Schilder entscheidet
Für den Straßenbau ist Hessen Mobil zuständig, nicht jedoch für straßenverkehrsbehördliche Entscheidungen wie dauerhafte Tempolimits. Beim Kreisverkehr liegt diese Zuständigkeit beim Lahn-Dill-Kreis, weil die Straßen durch eine kreisangehörige Gemeinde mit weniger als 7.500 Einwohnern führen.
Vor einer Entscheidung muss Hessen Mobil als Straßenbaubehörde angehört werden. Die Behörde kann die Schilder anschließend aufstellen. Eine Frage des Geldes sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung laut Hessen Mobil nicht. Bürger hatten zuvor argumentiert, dass bei Baukosten von mehr als zwei Millionen Euro doch noch Geld für Tempo-80-Schilder vorhanden sein müsse.
Wegweiser kommen verspätet
Die fehlenden Wegweiser gelten nach Einschätzung von Hessen Mobil nicht als Sicherheitsproblem. Kritisiert werden sie dennoch – von Bürgern, Gemeindevertretern und Bürgermeister Markus Ebertz. Wer am neuen Kreisverkehr steht, möchte schließlich nicht erst im letzten Moment raten müssen, welche Ausfahrt nach Hohensolms oder Mudersbach führt.
Hessen Mobil kündigt an, die wegweisende Beschilderung im Kreisverkehr in der ersten Novemberwoche zu montieren. Für größere Vorwegweiser müssen zunächst noch Fundamente hergestellt werden; diese Schilder folgen später. Mit der beauftragten Firma stehe man in engem Austausch. Warum die Beschilderung während der rund zehnmonatigen Bauphase nicht fertiggestellt wurde, sagt Hessen Mobil nicht.
Die ergänzenden Informationen aus der Gemeinde Hohenahr konnten nicht abgerufen werden. Auch der bereitgestellte Leitfaden zur Qualitätssicherung von Kreisverkehren des Landes Hessen enthält überwiegend komprimierte PDF-Daten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel. Für die offene Frage vor Ort bleibt damit vorerst der Blick auf die Kurve, die Tafeln – und auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer.
