Die Stadt Zürich muss den Gürtel enger schnallen. Zwischen 2022 und 2025 investierte sie rund 1,3 Milliarden Franken in 47 Immobilien – im Schnitt etwa 300 Millionen Franken pro Jahr. Gleichzeitig wuchs der städtische Schuldenberg auf rund sieben Milliarden Franken. Für Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) ist das ein ziemlich unbequemer Befund: Er warnte vor einer weiteren Ausgabensteigerung, allerdings ohne Erfolg.

Das Stadtparlament erhöhte das geplante Immobilienkaufbudget für 2026 gegen den Willen des Stadtrats sogar von 500 auf 600 Millionen Franken. Nun folgt die Kehrtwende. Der Stadtrat will das städtische Kaufbudget auf 150 Millionen Franken jährlich senken. Das Parlament muss den Vorschlag noch beraten – und dürfte ihn kritisch beurteilen.

Weniger Käufe, mehr Verantwortung für Stiftungen

Landkäufe sollen künftig stärker über die städtischen Wohnbaustiftungen PWG und SEW laufen. Beide sollen einmalig rund 125 Millionen Franken Eigenkapital erhalten. Damit könnten sie am Finanzmarkt Hypotheken aufnehmen und Immobilienkäufe von insgesamt rund 500 Millionen Franken finanzieren. Die Stadt würde also nicht einfach aufhören zu kaufen, sondern die Finanzierung und das Risiko teilweise anders verteilen.

Für das Projekt Marina Tiefenbrunnen ist dagegen Schluss. Es soll ersatzlos gestrichen werden. Die erwarteten Kosten liegen bei 76,7 Millionen Franken. Dabei hatte das Stadtparlament im Frühjahr bereits einen Projektierungskredit von rund 8,9 Millionen Franken bewilligt und den öffentlichen Gestaltungsplan verabschiedet.

Geplant waren 520 Bootsplätze, ein vierstöckiges Wassersportzentrum und eine 150 Meter lange öffentliche Mole mit Bade- und Gastronomieangeboten. Viel Beton, viel Wasser, viel Aufenthaltsqualität – und nun vorerst nichts davon.

Auch die CO₂-Abscheidung wird nicht wie geplant umgesetzt. In der Kläranlage Werdhölzli sollte Treibhausgas abgeschieden und dauerhaft unterirdisch gespeichert werden. Die Bevölkerung hatte 2024 einen Kredit für ein Pilotprojekt deutlich angenommen. Eine Ausschreibung scheiterte jedoch vor wenigen Wochen mangels geeigneter Angebote. Das Werdhölzli-Projekt wird deshalb gestoppt; das grössere Vorhaben bei der Kehrichtverwertungsanlage Hagenholz wird deutlich verschoben.

Sporthallen gestrichen, Brücken verschoben

Die Sparliste reicht weiter in den Alltag hinein. Sporthallen bei Schulbauten im Seefeld und am Brunnenhof werden gestrichen. Beiträge aus den Volksinitiativen zur Prämienentlastung und zum günstigen ÖV-Abo sollen über einen längeren Zeitraum statt vollständig auf einmal ausbezahlt werden.

Verschoben wird ausserdem die geplante Fuss- und Velobrücke beim Dammsteg zwischen Wipkingen und Unterstrass. Zunächst spart die Stadt damit 15 Millionen Franken. Nicht betroffen ist hingegen die geplante Velobrücke über das Gleisfeld zwischen den Stadtkreisen 4 und 5. Für dieses Projekt wurden zuletzt Mehrkosten bekanntgegeben; die Gesamtkosten könnten über 100 Millionen Franken betragen.

Für das kommende Jahr budgetiert der Stadtrat ein Defizit von 407 Millionen Franken. Die Gesamtausgaben sollen bei 11,8 Milliarden Franken liegen. An Steuern erwartet die Stadt 4,2 Milliarden Franken: rund 2,5 Milliarden von Privatpersonen und 1,15 Milliarden von Unternehmen. Weitere 500 Millionen Franken sollen aus der Grundstückgewinnsteuer kommen.

Milliardeninvestitionen trotz Defiziten

Die hohen Investitionen lassen sich nicht vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren. Zusätzliche Schulden bleiben nötig. Für das kommende Jahr sind Investitionen von insgesamt zwei Milliarden Franken vorgesehen – obwohl die Stadt bis 2030 weiterhin mit jährlichen Defiziten von etwa 600 Millionen Franken rechnet.

Eine konsequente Priorisierung der Investitionen soll erst ab 2029 gelten. Dann ist ein jährliches Investitionslimit von 1,5 Milliarden Franken geplant. Bis dahin bleibt Zürich also in einer Übergangsphase: sparen bei einzelnen Projekten, gleichzeitig weiterbauen und sich weiter verschulden. Das ist politisch heikel, praktisch aber offenbar der Weg, den der Stadtrat derzeit für gangbar hält.

Wie die rund sieben Milliarden Franken Schulden einzuordnen sind, hängt zudem davon ab, was genau gezählt wird. Der Kanton Zürich definiert die Verschuldung einer Gemeinde als langfristiges Fremdkapital. Diese Grösse dient dazu, die wirtschaftliche Lage zu beurteilen. Jährlich erhobene Daten ermöglichen der kantonalen Verwaltung, die Entwicklung der Gemeindefinanzen zu beobachten und mögliche unerwünschte Tendenzen frühzeitig zu erkennen.

Für Vergleiche zwischen Gemeinden wird die Verschuldung pro Einwohnerin und Einwohner herangezogen. Ganz so einfach ist der Vergleich aber nicht: Gemeinden, die ihre Ver- und Entsorgungsinfrastruktur selbst bereitstellen und unterhalten, müssen mehr investieren. Wer diese Aufgaben auslagert, weist entsprechend geringere Investitionen aus. Beim Blick auf Zahlen muss daher berücksichtigt werden, welche Aufgabenbereiche im jeweiligen Haushalt enthalten sind.

Die interaktive Karte des Kantons zeigt die Entwicklung der Verschuldung pro Einwohnerin und Einwohner seit 1990. Dargestellt wird die langfristige Verschuldung der sogenannten konsolidierten Zürcher Gemeinden. In die Berechnung fliessen die Finanzzahlen der politischen Gemeinden, der Primarschulgemeinden und der Sekundarschulgemeinden auf dem Gebiet der jeweiligen politischen Gemeinde ein.

Das ist nicht bloss eine Formsache. Politische Gemeinden und Schulgemeinden sind geografisch häufig nicht deckungsgleich; eine Schulgemeinde kann sich über mehrere politische Gemeinden erstrecken. Damit die Werte vergleichbar werden, verrechnet die kantonale Aufsichtsbehörde des Gemeindeamts die Verschuldungswerte von Schul- und politischen Gemeinden nach einem festgelegten Schlüssel. Daraus entstehen die «konsolidierten Gemeinden».

Seit 2019 umfasst das langfristige Fremdkapital gemäss HRM2 die Bilanzwerte der langfristigen Finanzverbindlichkeiten, der langfristigen Rückstellungen und der Verbindlichkeiten gegenüber Fonds im Fremdkapital. Bis 2018 umfasste die Verschuldung lediglich die langfristigen Schulden gemäss HRM1. Und noch ein Stolperstein steckt in der Statistik: Die Kennzahl «Verschuldung» ist von den offiziellen Finanzkennzahlen «Bruttoschuld» und «Nettoschuld I» zu unterscheiden.