Arsenal-2: Anduril baut in Maryland die größte US-Werft seit dem Zweiten Weltkrieg
In Sparrows Point, Maryland, soll eine neue US-Werft entstehen, die es in dieser Größe seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Die US Navy und Anduril Industries planen dafür eine Investition von 6,6 Milliarden US-Dollar. Am 6. Oktober 2026 kündigten US-Präsident Donald Trump und Kriegsminister Pete Hegseth das Vorhaben am künftigen Standort an. Heute, am 12.10.2026, beginnen die Genehmigungs- und Erschließungsarbeiten sofort; gebaut wird, sobald die erforderlichen Genehmigungen vorliegen.
Das Gelände gehört zum Industriekomplex Tradepoint Atlantic. Anduril wird Arsenal-2 bauen und betreiben. 3,7 Milliarden US-Dollar kommen vom Unternehmen, 2,9 Milliarden steuert die US Navy bei. Der Betriebsbeginn ist für 2030 vorgesehen. Für Maryland werden 3.100 direkte Arbeitsplätze erwartet, landesweit sollen mehr als 11.000 indirekte hinzukommen. Die jährliche Wirtschaftsleistung wird auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt, darunter rund 312 Millionen US-Dollar an Löhnen.
Mehr Platz für U-Boote und Unterwassersysteme
Arsenal-2 soll auf einem 187 Acre großen Gelände mehr als 2 Millionen Quadratfuß umfassen. Gefertigt werden Komponenten für U-Boote der Virginia-Klasse, autonome Unterwasserfahrzeuge und weitere Unterwassersysteme. Geplant sind zunächst kleinere Bauteile wie Torpedorohre. Später soll die Produktion auf komplexere Konstruktionen und schließlich auf vollständige Schiffsabschnitte wachsen.
Das Layout führt Fertigung, Montage, Tests und Systemintegration räumlich zusammen. Ein 1.200 Fuß langes Trockendock, hohe Montagehallen, angrenzende Fertigungsbereiche und anpassbare Produktionslinien gehören zur vorgesehenen Ausstattung. Weniger Transporte, weniger Zwischenlagerung, kürzere Wege – auf dem Papier klingt das geradezu wohltuend unaufgeregt. Straßen-, Schienen- und Schiffsverbindungen in Sparrows Point sollen außerdem den Zugang zu Zulieferern und zu den beiden wichtigsten bestehenden US-U-Boot-Werften erleichtern.
Sparrows Point war schon früher ein bedeutender Industrie- und Schifffahrtsstandort. Anduril verweist bei der Wahl auf die vorhandene Infrastruktur und die Nähe zu maritimen Lieferwegen. Die zusätzliche Produktionsstätte soll die bestehende industrielle Basis ergänzen und nach Angaben des Unternehmens den Bau von mehr U-Booten ermöglichen.
Derzeit bauen die USA etwa 1,3 atomgetriebene Angriffs-U-Boote pro Jahr – zu wenig gegenüber dem Ziel von zwei. Zusätzlicher Druck auf die Lieferkette wird durch das trilaterale AUKUS-Abkommen mit Großbritannien und Australien erwartet. Genau dort setzt Arsenal-2 an: bei Kapazitäten, Materialflüssen und den vielen kleinen Arbeitsschritten, die am Ende über Monate entscheiden können.
Eine Werft als digitales Produktionssystem
Anduril will die Industriesoftware „ArsenalOS“ einsetzen. Sie soll Fertigungsabläufe, Ausrüstung, Materialtransport, Inspektionen und Dokumentation in einem System verbinden. Digitale Arbeitsanweisungen, integrierte Qualitätskontrollen, Sensoren und Automatisierung sollen Beschäftigten und Produktionsleitern zeigen, was gerade läuft, wo etwas stockt und ob ein Arbeitsschritt passt.
Unterstützt werden sollen Tätigkeiten in Schweißen, Rohrbau, Elektrotechnik, Schiffbau und Inspektion. Das klingt trocken, ist aber im U-Boot-Bau entscheidend: Ein kleiner Fehler an einer schwer zugänglichen Stelle kann später große Folgen haben. Die Navy und die Industrie setzen deshalb zugleich auf den Wiederaufbau der US-Schiffbauindustrie, höhere Löhne, modernisierte Werften und stärkere Lieferketten.
Hegseth ordnete das Projekt der Regierungsinitiative „arsenal of freedom“ zur Stärkung der US-Verteidigungsindustrie zu. Die Marine kämpft seit Jahren mit Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei Virginia-U-Booten und anderen Schiffen. Als Ursachen wurden unter anderem verspätete Materiallieferungen und ein Mangel an qualifizierten Fachkräften genannt. Ein Bericht des US Government Accountability Office stellte im Juli fest, dass diese Faktoren zum Rückgang bei den Auslieferungen von Virginia-U-Booten beigetragen haben.
Admiral Daryl Caudle sagte Anfang des Jahres vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses, die Industrie könne voraussichtlich ab 2032 jährlich zwei Virginia-U-Boote ausliefern. Dafür muss allerdings nicht nur eine neue Halle stehen. Es braucht Menschen, Zulieferer, erprobte Abläufe – und Zeit.
Kalifornien soll den Start vorbereiten
Parallel errichtet Anduril in Orange County, Kalifornien, eine 160.000 Quadratfuß große Produktionsanlage. Dort sollen Testeinrichtungen und U-Boot-Komponenten der Virginia-Klasse einschließlich Torpedorohren entstehen. Die Anlage soll außerdem Qualifizierungsarbeiten für die Fertigung nach SUBSAFE-Anforderungen unterstützen.
Der Betrieb in Kalifornien soll vor Arsenal-2 beginnen und etwa zwei Jahre lang Fertigungsmethoden, Produktionsabläufe und Qualitätssysteme entwickeln. Zugleich sollen dort erste Beschäftigte für Maryland rekrutiert und geschult werden. Ist Arsenal-2 in Betrieb, unterstützt Orange County Andurils maritime Fertigung weiter. Anduril vergleicht dieses Vorgehen mit Arsenal-1 im Raum Columbus, Ohio: Dort wurden Produktionsverfahren und personelle Kapazitäten aufgebaut, bevor die Serienproduktion hochgefahren wurde.
Arsenal-2 soll Teil eines größeren Produktionsnetzwerks werden. Dazu zählen Arsenal-1 in Ohio, eine maritime Fabrik in Quonset Point, Rhode Island, ein Produktionsstandort für „Ghost Shark“ in Sydney, Australien, und eine Raketenmotorenfabrik in McHenry, Mississippi.
Was die Virginia-Klasse leisten soll
Die Virginia-Klasse ist eine Klasse nuklear angetriebener U-Boote der US Navy. Ihre Entwicklung begann in den 1990er-Jahren, der Bau 1999. Ursprünglich waren bis zu 30 Einheiten vorgesehen, die im 21. Jahrhundert das Rückgrat der US-U-Boot-Flotte bilden sollten. Entstanden ist die Klasse aus dem NSSN-Programm („New Attack Submarine“) als Ersatz für frühe Boote der Los-Angeles-Klasse. Dahinter standen die auf drei Einheiten begrenzte Finanzierung der teuren Seawolf-Klasse, das Ende des Kalten Krieges und veränderte militärische Einsatzkonzepte. Die Virginia-Klasse war die erste US-U-Boot-Klasse, deren Entwicklung gezielt auf die geopolitischen Bedingungen nach dem Kalten Krieg ausgerichtet wurde.
Zunächst wurden die Boote als Jagd-U-Boote, also SSN, klassifiziert. Boote ab Baulos V verfügen über eine verstärkte Marschflugkörper-Bewaffnung und werden seit August 2026 als SSGN geführt. Die Boote sind wieder fortlaufend ab SSN-774 nummeriert, nachdem die Seawolf-Boote als SSN-21 bis SSN-23 bezeichnet worden waren.
Am Bau beteiligt sind General Dynamics Electric Boat und Newport News Shipbuilding, eine Tochter von Huntington Ingalls Industries. Electric Boat fertigt große Rumpfabschnitte, Maschinenräume und das Kontrollzentrum. Newport News baut unter anderem Bug, Heck, Turm und Torpedoräume. Danach werden die Module zusammengefügt und zu Wasser gelassen. Electric Boat ist die ausführende Bauwerft; die Aufträge werden zwischen Electric Boat und Newport News grundsätzlich im Verhältnis 50:50 geteilt.
Die Vorgeschichte zeigt, wie empfindlich dieses System ist. Die dritte Einheit wurde planmäßig abgeliefert. Die fünfte sollte ursprünglich sechs Monate vor dem vereinbarten Termin fertig werden. Im Dezember 2007 wurde jedoch bekannt, dass Arbeiter von Newport News im nichtnuklearen Bereich entgegen den Vorgaben der Navy unterschiedliche Hartlote an zusammenhängenden Schweißnähten verwendet hatten. Das führte zu Verzögerungen bei der vierten Einheit, ohne das Gesamtprogramm weiter zu verzögern. Die fünfte Einheit wurde im Sommer 2008 etwa acht Monate vor dem geplanten Termin an die Navy übergeben; dadurch wurden rund 54 Millionen US-Dollar eingespart.
Ursprünglich sollte die Virginia-Klasse eine kostengünstigere Alternative zur etwa zwei Milliarden US-Dollar teuren Seawolf-Klasse sein. Computerisierung, Vernetzung und standardisierte Bauteile im Rahmen einer „Open System Architecture“ sollten Kosten drücken. Eine Vereinbarung zwischen Navy und Werften sollte die wirtschaftliche Auslastung von Electric Boat und Newport News sichern. Tatsächlich stiegen die Kosten auf bis zu 2,6 Milliarden US-Dollar pro Boot. Für spätere Einheiten wurden etwa vier Milliarden US-Dollar für zwei Boote pro Jahr in Preisen von 2005 angestrebt.
Die ersten vier Einheiten wurden 1998 bestellt, eine weitere Bestellung folgte im August 2003, fünf weitere im Januar 2004. Das Gesamtprogramm hatte ein Budget von 81,3 Milliarden US-Dollar. Im Januar 2005 wurde wegen des US-Haushaltsdefizits eine Kürzung angekündigt. Im Dezember 2008 bestellte die Navy acht weitere Boote; das letzte davon wurde planmäßig 2019 ausgeliefert. Ab 2011 wurde die Baugeschwindigkeit auf zwei Boote pro Jahr erhöht. Langfristig sollte so eine Jagd-U-Boot-Flotte von 48 Einheiten erhalten bleiben.
Gebaut wird in mehreren Modifikationsstufen, den sogenannten Blocks. Geprüft wurde eine austauschbare mittschiffs liegende Sektion für missionsabhängige Ausrüstung, etwa unterschiedliche Waffen oder einen Hangar für kleine Unterwasserfahrzeuge. Für das fünfte und sechste Boot war zunächst das „Advanced Sail“ vorgesehen – ein strömungsgünstigerer Turm mit besseren Taucheigenschaften, mehr Innenraum und einem möglichen kleinen Hangar. Die Einführung wurde auf spätere Boote verschoben.
Für spätere Boote war ein „Transformational Technology Core“ vorgesehen, der 30 bis 50 Prozent mehr Reaktorleistung liefern sollte. Bei Block III ersetzten zwei Revolvermagazine mit jeweils sechs Rohren die zwölf vertikalen Startrohre. Die Magazine basieren auf einer modifizierten Version der Systeme der zu SSGN umgebauten Ohio-Klasse. Das Ziel: geringere Beschaffungs- und Wartungskosten. Block III erhielt außerdem ein neues Sonar mit Komponenten aus dem Sonar der Seawolf-Klasse. Das erste Block-III-Boot, USS North Dakota, wurde am 25. Oktober 2014 in Dienst gestellt.
Block-V-Boote erhalten vier zusätzliche Virginia Payload Modules. Sie können bis zu 28 Tomahawk-Marschflugkörper aufnehmen; die Gesamtkapazität steigt damit auf bis zu 40 Tomahawks. Das Boot verlängert sich mit dem VPM auf 140,2 Meter, die getauchte Verdrängung steigt auf 10.200 Tonnen. Ursprüngliche Boote sind 115 Meter lang, 10,4 Meter breit und verdrängen getaucht etwa 8.000 Tonnen. Damit ist die Klasse größer als die Los-Angeles-Klasse, aber deutlich kleiner als die Seawolf-Klasse.
USS Virginia wurde am 23. Oktober 2004 in Dienst gestellt, USS Texas folgte am 4. September 2006. Bis Juni 2022 waren 21 Einheiten aktiv; drei weitere befanden sich im Bau, vier waren bewilligt. Bis Ende 2023 war die Zahl der aktiven Los-Angeles-Boote auf 26 gesunken. Die Virginia-Klasse soll in den folgenden Jahren den Großteil der Jagd-U-Boote der US-Flotte stellen. Bei einer Dienstzeit von mindestens 30 Jahren wird ein Einsatz bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts erwartet.
Leise, bewaffnet und für flache Gewässer ausgelegt
Die Abteilungen im Rumpf sind schwingungsgedämpft gelagert, um Geräusche zu reduzieren. Der gesamte Rumpf trägt eine echolose Beschichtung, die die Ortung durch Sonar erschweren soll. Bei den ersten drei Booten lösten sich 5 bis 7 Prozent der Beschichtungskacheln; bei späteren Booten lag der Anteil unter 2 Prozent.
Für den Antrieb sorgt ein Druckwasserreaktor des Typs S9G. Das S steht für „Submarine“, die 9 für die neunte Generation von U-Boot-Reaktoren, das G für General Electric. Der Reaktor liefert fast 30.000 kW beziehungsweise etwa 40.000 PS. Zwei Turbinen übertragen die Leistung auf eine einzelne Welle mit Düsenringpropeller. Der Propeller soll den abgestrahlten Antriebsschall reduzieren und das Ansprechverhalten bei Geschwindigkeitsänderungen verbessern. Die tatsächliche Höchstgeschwindigkeit ist geheim; die Navy nennt „25+ Knoten“, Beobachter vermuten mehr als 30 Knoten.
Zur Bewaffnung gehören vier Torpedorohre mit 533 Millimetern Durchmesser. Sie können Mark-48-ADCAP-Torpedos, UGM-109-Tomahawk-Marschflugkörper, UGM-84-Sub-Harpoon-Flugkörper und Seeminen starten. Die seitlich liegenden, nach außen angewinkelten Rohre lassen im Bug Platz für das großflächige Kugelsonar. Ursprünglich hatte jedes Boot zwölf vertikale Startrohre für Tomahawks. Im Inneren liegen 24 Ersatzwaffen für die Torpedorohre; das vertikale Startsystem kann während des Einsatzes nicht nachgeladen werden. Ab Block III übernehmen die beiden Revolvermagazine mit jeweils sechs Rohren diese Aufgabe als Virginia Payload Tubes.
Die U-Boote besitzen elektronische Täuschkörper gegen Torpedoangriffe. Sie können aus 14 Außenhalterungen an der Hülle ausgestoßen werden, passiv durch Nachahmung des Geräuschmusters eines U-Boots oder aktiv durch die Erzeugung schallundurchlässiger Luftblasen. Zusätzlich gibt es eine nachladbare Luke für den Täuschmittelausstoß.
Im Bug sitzt ein Niederfrequenz-Kugelsonar, das aktiv Schallwellen aussenden und Echos auswerten sowie passiv Geräusche wie Schraubenkavitation erfassen kann. Je nach Lage kommen zwei Schleppsonare zum Einsatz. Diese passiven Sensorenketten befinden sich bis zu einem Kilometer hinter dem Boot und werden dadurch weniger von Eigengeräuschen beeinflusst. An den Seiten der Hülle arbeiten passive Sensoren des Typs „Lightweight Wide Aperture Array“ mit faseroptischen Sensoren statt keramischer Sensoren älterer Systeme. Am Turm und am unteren vorderen Rumpfbereich sitzt ein aktives Hochfrequenzsonar, unter anderem zum Aufspüren kleiner Objekte wie Minen. Die Sonardaten verarbeitet BQQ-10(V4).
Für die Navigation an der Oberfläche gibt es ein BPS-16-Radar von Litton Marine Systems im I-Band zwischen 8 und 10 GHz. Mehrere Antennen übernehmen die Kommunikation, darunter Hochfrequenzantennen für Satellitenkommunikation und Extremniederfrequenzantennen zum Empfang kurzer Codegruppen auch in großer Tauchtiefe. Herkömmliche optische Periskope wurden durch zwei Optronikmasten des Typs BVS-1 ersetzt. Hochleistungskameras, Infrarotsensoren und Bildverstärker sitzen dort ebenso wie Antennen für elektronische Kampfführung und ein lasergestützter Entfernungsmesser. Die Masten müssen nicht mehr durch die Druckhülle bis in die Kommandozentrale reichen; Lichtwellenleiter übertragen die Daten zum Kontrollzentrum.
Das Einsatzspektrum reicht von der Bekämpfung von Überwasserschiffen und U-Booten über Angriffe gegen Landziele bis zur Funktion als Sonarvorposten für Flugzeugträgerkampfgruppen und ähnliche Verbände. Auch küstennahe Kampfführung gehört dazu. Die Sonarsysteme sind für schwierige Bedingungen in flachen Gewässern ausgelegt, einschließlich ungewöhnlicher Konvergenzzonen und Thermoklinen.
Unbemannte Unterwasserfahrzeuge können gestartet und gesteuert werden. Sie klären in Gewässern auf, die für das U-Boot zu flach sind, und lokalisieren Minenfelder. Über den EW-Mast ist elektronische Aufklärung möglich. Eine Druckschleuse erlaubt Tauchern, das U-Boot für verdeckte Operationen zu verlassen und wieder zu betreten. In Maryland sollen künftig genau solche Fähigkeiten – vom Torpedorohr bis zum autonomen Unterwasserfahrzeug – in einer Werft zusammenlaufen, in der Fertigung, Montage und Prüfung möglichst dicht beieinanderliegen.
