Die Atomkraft hat 2025 weltweit so viel Strom erzeugt wie nie zuvor: 2.703 Milliarden Kilowattstunden. Und trotzdem verliert sie im globalen Strommix weiter an Boden. Die Produktion wuchs nur um 1,1 Prozent, während Solarenergie um 30 Prozent zulegte. Ihr Anteil an der kommerziellen Stromerzeugung sank auf 8,8 Prozent – den niedrigsten Wert seit rund 45 Jahren. 1996 waren es noch 17,5 Prozent.

Diese Zahlen stammen aus dem World Nuclear Industry Status Report 2025+, der Ende Januar 2026 aktualisiert veröffentlicht wurde. Der Bericht ist kernkraftkritisch und wird jährlich von Wissenschaftlern, Journalisten und weiteren Experten erstellt. Zu den Förderern zählen unter anderem das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung, die Grünen im Europaparlament und die Schweizerische Energie-Stiftung.

China trägt den Zuwachs

Mitte 2026 waren weltweit 411 Reaktoren in Betrieb. Der gesamte Produktionszuwachs kam aus China: plus 7,6 Prozent. Außerhalb Chinas sank die Atomstromproduktion dagegen um 0,2 Prozent. Die weltweite Reaktorleistung fiel nach den Abschaltungen zunächst auf 368,6 Gigawatt, kletterte bis Mitte 2026 aber auf den Rekordwert von 374,7 Gigawatt.

2025 gingen vier Reaktoren ans Netz, zwei davon in China, je einer in Indien und Russland. Sieben Anlagen wurden endgültig abgeschaltet: drei in Belgien, drei in Russland und eine in Taiwan. Zwischen 2006 und 2025 wurden 104 Reaktoren neu in Betrieb genommen und 106 stillgelegt. China allein meldete 53 Inbetriebnahmen – und keine Stilllegung. Außerhalb Chinas schrumpfte die Reaktorzahl um 55, die Leistung sank um fast 31 Gigawatt.

Der Bestand wird dabei nicht jünger. Zwei Drittel der laufenden Reaktoren sind mindestens 31 Jahre alt, mehr als ein Drittel mindestens 41 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 33 Jahren. In den USA waren die 94 laufenden Reaktoren Mitte 2026 im Schnitt sogar fast 45 Jahre alt.

Auch die Vergleichszahlen des Berichts zeigen die Verschiebung: 2024 erzeugten die Atomkraftwerke weltweit 2.677 Terawattstunden. Ihr Anteil lag nur noch bei rund neun Prozent. In China stieg die Nuklearkapazität 2025 um 3,5 Gigawatt, die Photovoltaikkapazität aber um 278 Gigawatt. Der Anteil der Atomkraft am chinesischen Strommix sank leicht auf 4,5 Prozent.

2025 installierte China schätzungsweise 314 Gigawatt Solarkapazität. Zwei neue chinesische Reaktoren mit zusammen 2,5 Gigawatt gingen ans Netz. Die Solarstromproduktion des Landes nahm um rund 330 Milliarden Kilowattstunden zu – etwa zehnmal stärker als die Atomstromproduktion. Solar- und Windkraft erzeugen dort laut Bericht ungefähr viermal so viel Strom wie die chinesischen Atomreaktoren zusammen.

Mehr Baustellen, aber viele Fragezeichen

Beim Neubau sieht die Bilanz zunächst nach Aufbruch aus. Mitte 2026 befanden sich weltweit 73 Reaktoren im Bau, zehn mehr als ein Jahr zuvor. So viele waren es seit 1987 nicht mehr. 37 dieser Anlagen entstehen in China. Russland führt 29 Projekte an, darunter 22 in neun anderen Ländern. Fast alle 52 Baubeginne zwischen 2020 und 2025 stammen von chinesischen oder russischen Unternehmen; eine Ausnahme gibt es in Südkorea.

Der WNISR zählte Anfang 2026 allerdings 66 Reaktoren in elf Ländern. 36 davon stehen in China. Die Zahl der chinesischen Baustellen nahm 2025 um sieben zu, außerhalb des Landes veränderte sie sich kaum. Innerhalb von zwei Jahren sank die Zahl der Länder mit Reaktorbaustellen von 16 auf elf. Frankreich, die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA, Argentinien, Brasilien und Japan schlossen ihre letzten Projekte ab oder stellten sie ein.

Pakistan, Bangladesch, Ägypten und die Türkei bauen erstmals eigene Reaktoren. An allen diesen Projekten ist die russische Nuklearindustrie beteiligt. 2025 starteten elf neue Bauvorhaben: neun in China sowie zwei in Russland und Südkorea. China begann vier Reaktoren gemeinsam mit Russland zu bauen.

63 der 66 weltweit im Bau befindlichen Reaktoren stehen in Staaten mit Atomwaffen oder werden von Unternehmen solcher Staaten im Ausland errichtet. Die drei Ausnahmen sind Baustellen in Südkorea. Beim Bau kommerzieller Reaktoren außerhalb der eigenen Grenzen sind China, Frankreich und Russland aktiv. Russland errichtet 20 Reaktoren im Ausland.

Rosatom bleibt ein Schwergewicht auf dem internationalen Markt. Von 63 Reaktoren, die Mitte 2025 im Bau waren, lieferte der russische Staatskonzern bei 27 die Technologie; 20 dieser Projekte liegen außerhalb Russlands. China setzt überwiegend auf eigene Reaktortechnik. Andere Länder bleiben dadurch laut Bericht langfristig von russischem Know-how, Brennstoff und Wartungsleistungen abhängig. Selbst westliche Unternehmen sind über Joint Ventures und Brennstoffimporte mit Russland verbunden.

Der Haken steckt in den Kalendern und Rechnungen. Keiner der 16 Reaktoren, die zwischen 2023 und 2025 erstmals Strom lieferten, wurde fristgerecht fertig. Die durchschnittliche Bauzeit lag bei knapp elf Jahren. Mindestens 25 bis 28 der 73 aktuellen Baustellen liegen hinter dem Zeitplan. Beim französischen EPR in Flamanville dauerte es zwölf Jahre länger als geplant; die Kosten stiegen von 4,3 Milliarden auf 25,6 Milliarden Euro.

SMR: klein auf dem Papier, teuer auf der Baustelle

Small Modular Reactors, kurz SMR, sollen kleiner und standardisiert produzierbar sein. Bisher gibt es jeweils zwei Module in China und Russland. Der einzige westliche SMR im Bau entsteht im kanadischen Darlington. Der Reaktor BWRX-300 soll 300 Megawatt leisten.

Für den ersten Darlington-Block samt gemeinsamer Infrastruktur sind 7,7 Milliarden kanadische Dollar veranschlagt. Vier Blöcke mit insgesamt 1.200 Megawatt sollen 20,9 Milliarden kanadische Dollar kosten. Kosten und Bauzeit liefern bisher keine Belege für wirtschaftliche Vorteile kleinerer Reaktoren.

Außerhalb Russlands und Chinas befand sich laut WNISR kein SMR im Bau. In Argentinien wurde der CAREM-Reaktor nach mehr als zehn Jahren Bauzeit eingestellt. Das US-Unternehmen NuScale stoppte Vorzeigeprojekte, weil Abnehmer fehlten und die Kosten stark gestiegen waren. Kanada gab sein erstes SMR-Projekt nach der Insolvenz des Herstellers auf.

In den USA war Mitte 2026 trotz neuer Atompläne und eines steigenden Strombedarfs durch KI-Rechenzentren kein Leistungsreaktor im Bau. Für einen neuartigen Reaktor wurde zwar eine Baugenehmigung erteilt. Außerdem wird der Neustart eines 55 Jahre alten Reaktorblocks vorbereitet. Viel Beton ist das noch nicht.

Frankreich erzeugte 2025 rund 373 Milliarden Kilowattstunden Atomstrom und blieb damit unter dem früher üblichen Niveau von etwa 400 Milliarden Kilowattstunden. Geplant sind sechs neue Großreaktoren, deren Kosten auf 72,8 Milliarden Euro zum Preisstand von 2020 geschätzt werden. Der erste soll 2038 ans Netz gehen; derzeit ist kein französischer Reaktor im Bau.

Großbritannien baut Reaktoren in Hinkley Point und hat eine Investitionsentscheidung für Sizewell C getroffen. Gleichzeitig schrumpft die überalterte britische Reaktorflotte. Japan nahm nach Fukushima mehrere Reaktoren wieder in Betrieb, doch 18 Reaktoren bleiben langfristig außer Betrieb. Atomstrom deckte dort 2025 9,2 Prozent der Stromerzeugung.

Solarstrom zieht davon

Die Konkurrenz steht nicht still, sie baut mit Tempo. 2025 wurden weltweit 510 Gigawatt Solar- und 159 Gigawatt Windleistung neu installiert. Erstmals übertraf die weltweite jährliche Solarstromerzeugung die Atomstromerzeugung. Solar- und Windenergie zusammen erzeugten mehr als doppelt so viel Strom wie Kernkraftwerke.

Im April, Mai und Juni 2025 lag die weltweite monatliche Solarstromerzeugung erstmals über der Stromproduktion aller Atomkraftwerke. 2024 floss weltweit 21-mal mehr Kapital in erneuerbare Energien als in Kernkraftprojekte. Die Kosten für Solarmodule und Batteriespeicher sanken laut Bericht um bis zu 40 Prozent. Analysen aus den USA beziffern die Stromkosten auf rund