Oktoberfestpreise 2025: Warum die Wiesn für Münchner Familien kaum noch bezahlbar ist
Die Festzelte auf dem Oktoberfest sind seit dem Auftakt am Samstag voll. Draußen riecht es nach gebrannten Mandeln, drinnen klirren die Maßkrüge – und gleichzeitig wächst der Ärger über die Preise. Eine Maß Bier kostet etwa 15 Euro, ein Tellergericht rund 30 Euro, für eine Karussellfahrt werden ungefähr 10 Euro fällig.
Ob der Wiesnbesuch damit zu teuer geworden ist, wird erneut heftig diskutiert. Für Touristen und wohlhabende Gäste gehören die hohen Preise nach Ansicht von Carla Gospodarek zum München- beziehungsweise Wiesn-Erlebnis. Für viele Münchner Familien sehe die Sache allerdings anders aus: Ein Nachmittag mit Kindern könne schnell aus dem Ruder laufen.
Für Familien wird die Rechnung schnell dreistellig
Fahrgeschäfte, Pommes, ein Getränk und eine Süßigkeit kosten für ein Kind nach ihrer Einschätzung 50 bis 60 Euro. Bei zwei oder drei Kindern summiert sich das auf etwa 120 bis 180 Euro. Kommen die Ausgaben für die Eltern dazu, ist ein normaler Familiennachmittag kaum noch bezahlbar.
Wie groß der Unmut ist, zeigt eine t-online-Umfrage mit etwa 12.000 Teilnehmern: Rund 80 Prozent erklärten, wegen der hohen Preise nicht auf die Wiesn zu gehen. Besonders irritierend wirkt dabei eine Flasche Wasser im Kufflers Weinzelt. Sie kostet in diesem Jahr 15,33 Euro – und damit mehr als manche Maß Bier.
Gestiegene Lebensmittel- und Materialkosten erklären zwar einen Teil der Entwicklung. Aus Gospodareks Sicht rechtfertigen sie aber kein Volksfest, das vor allem Touristen und Spitzenverdienern offensteht. Sie fordert mehr Familientage, Ermäßigungen und Angebote für Münchner.
Die Oide Wiesn liefert dafür ein Gegenbeispiel: Historische Fahrgeschäfte gibt es dort für 1,50 Euro. Ganz gratis ist der Zugang allerdings nicht, der Eintritt kostet vier Euro.
Wirte verweisen auf Energie, Personal und den Zeltaufbau
Philip Buchen hält die jährliche Kritik an den Oktoberfestpreisen beinahe für eine Tradition. Energie- und Personalkosten seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sagt er; auch die Münchner Brauereien seien davon nicht ausgenommen. Der Maßpreis habe in diesem Jahr um 2,38 Prozent zugelegt und damit weniger als die allgemeine Inflation von etwa drei Prozent.
Für die Wirte endet die Rechnung zudem nicht beim Bier. Beschaffung, Organisation und der Aufbau der Zelte müssen ebenfalls finanziert werden. Speisen und Getränke auf der Wiesn sind zwar teurer als außerhalb, doch das Oktoberfest ist eine weltweit bekannte Marke – und für viele Gäste ein Erlebnis, für das sie einen Aufschlag akzeptieren.
Viele Touristen betrachten den Besuch als Höhepunkt ihrer Reise und als Teil ihres Deutschland-Erlebnisses. Da sitzt das Geld offenbar lockerer. Für Münchner, die nicht nur einmal im Leben, sondern vielleicht jedes Jahr mit der Familie kommen möchten, fühlt sich derselbe Preis trotzdem anders an.
Die Maß kostet 15,61 Euro – langfristig ist sie fast fünfmal so teuer
Nach Angaben des Münchner Statistikamts kostet die Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest in diesem Jahr durchschnittlich 15,61 Euro. Je nach Festzelt liegt der Preis zwischen 14,80 und 15,90 Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist die Maß im Durchschnitt um 2,38 Prozent teurer geworden – und damit weniger als die erwartete allgemeine Teuerungsrate von knapp drei Prozent.
Der Blick zurück macht die Entwicklung allerdings deutlich schärfer. 1985 kostete eine Maß umgerechnet durchschnittlich 3,20 Euro. Der heutige Preis ist damit fast fünfmal so hoch, ein Anstieg von rund 400 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise in Deutschland legten seit 1985 laut Andreas Rees, Chefökonom der Unicredit, dagegen um etwa 120 Prozent zu.
Rees veröffentlichte seine Berechnungen in einem Newsletter kurz vor Beginn des Oktoberfests. Die Bierpreise und der Ärger darüber sind in München seit Jahrzehnten ein Thema. Nun stellt sich für ihn die Frage, ob die hohen Preise inzwischen die Nachfrage dämpfen. Möglich sei, dass die sogenannte „Wiesnflation“ ihren Höhepunkt überschritten hat – bei dieser Einschätzung bleibt er allerdings vorsichtig.
Das Oktoberfest wird am Samstag eröffnet; Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) soll das erste Fass anzapfen. Bis dahin stehen die Zahlen längst im Raum: 15,61 Euro im Schnitt für die Maß, bis zu 15,90 Euro je nach Zelt und eine Familienrechnung, bei der selbst der scheinbar harmlose Nachmittag ordentlich ins Geld geht.
