Schleswig-Holstein tankt gegen das Rekordhoch: 17 Cent Entlastung ab Oktober geplant
Autofahrerinnen und Autofahrer in Schleswig-Holstein schauen derzeit besonders genau auf die Anzeigetafeln der Tankstellen. Im September 2026 erreichte der Benzinpreis laut einem am 25. September 2026 um 15:05 Uhr veröffentlichten Artikel von Felix Willeke und Christian Einfeldt ein neues Allzeithoch. Ein erneuter Tankrabatt steht bevor.
Eine Live-Übersicht soll die aktuellen Preise für Benzin und Diesel unter anderem in Kiel, Neumünster und Pinneberg zeigen. Konkrete Preisangaben enthält der bereitgestellte Text allerdings nicht. Für Pendler, Freiberufler, Ehrenamtliche und Familien bleibt der tägliche Blick auf die Tankuhr trotzdem unangenehm vertraut: Das Geld verschwindet schnell, der Weg zur Arbeit bleibt.
Ölmarkt unter Druck
Die Preise für Benzin liegen auf einem Rekordhoch. Schäden an Pipelines in Saudi-Arabien und Drohungen der Huthi verschärfen die Lage am Ölmarkt. Super und E10 erreichten im September einen Höchststand.
Eng gekoppelt sind die Spritpreise an den Rohölpreis. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 stieg er deutlich. Vor dem Krieg wurde rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs durch eine Meerenge am Persischen Golf transportiert. Eine zwischenzeitliche Waffenruhe entspannte die Lage vorübergehend, doch nach dem Wiederaufflammen des Konflikts wurden Pipelines in Saudi-Arabien beschädigt.
Seit Anfang September bedrohen Huthi-Rebellen im Jemen außerdem eine zweite Meerenge, auf die ein Golfstaat bisher ausweichen konnte. Seit Anfang August stieg der Rohölpreis deshalb erneut deutlich. An den Zapfsäulen kommt das mit Verzögerung an – aber es kommt an.
Beim Diesel zeigt sich ein wechselhaftes Bild. Zu Beginn des Iran-Kriegs lag der Dieselpreis über dem Benzinpreis, während des Tankrabatts fiel er unter die Preise für Super und E10. In der aktuellen Lage steigt Diesel wieder stärker als Benzin. Der Kraftstoff gilt als krisenanfälliger, weil er in der Industrie eine größere Rolle spielt und als Ersatz für Gas verwendet wird.
Deutschland ist zudem stärker auf Dieselimporte angewiesen. Den Benzinbedarf können deutsche Raffinerien selbst decken. Auch die Heizölpreise stiegen infolge des Krieges. Nach Daten der Plattform heizoel24 lag der Heizölpreis im Vorjahr fast durchgehend unter einem Euro pro Liter.
17 Cent Entlastung pro Liter
Bund und Länder einigten sich auf einen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel. Die Entlastung für Bürger und Unternehmen soll rund 2,5 Milliarden Euro betragen. Der Bund will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel von Anfang Oktober bis Ende 2026 um 14 Cent pro Liter senken. Einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von 17 Cent pro Liter.
Bundestag und Bundesrat stimmten zu, dass die Steuersenkung zum 1. Oktober 2026 umgesetzt werden kann. Die Länder tragen 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag bei. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, die Maßnahme solle insbesondere Menschen helfen, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind.
Laut Monopolkommission und Bundeskartellamt kam die Energiesteuersenkung auf Benzin und Diesel im Mai und Juni 2026 weitgehend bei den Verbrauchern an. Der damalige Tankrabatt habe Preisspitzen in einer Phase besonders hoher Kraftstoffpreise abgefangen.
Der Zeitpunkt für die Einführung des Spritpreisdeckels ist noch offen. Spätestens am 1. Januar 2027 soll er in Kraft treten. Die Bundesregierung will darüber mit der Mineralölwirtschaft verhandeln. Als Vorbilder gelten Regelungen in Luxemburg und Belgien. Die Versorgungssicherheit soll gewährleistet und missbräuchliche Preisaufschläge sollen verhindert werden.
Kontrolle an den Zapfsäulen
Das Bundeskartellamt beobachtet die Preisentwicklung. Behördenchef Andreas Mundt erklärte, bei Hinweisen auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne werde die Behörde dagegen vorgehen. Geopolitisch verursachte Preissteigerungen könnten jedoch nicht kurzfristig durch staatliche Maßnahmen verhindert werden – der Ölmarkt lässt sich nicht einfach per Knopfdruck beruhigen.
Auf EU-Ebene werden weitere Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft geprüft, nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Die Bundesregierung will die Preisentwicklung und die wirtschaftlichen Folgen weiter beobachten. Falls nötig, sollen besonders betroffene Menschen und Unternehmen gezielt unterstützt werden. Dafür sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlmechanismus geschaffen werden.
Bereits beschlossen oder umgesetzt sind außerdem der Tankrabatt im Mai und Juni 2026, die dauerhafte Erhöhung der Pendlerpauschale und die Fortführung der Mobilitätsprämie für Steuerpflichtige mit niedrigen Einkommen. Geplant ist ab 2027 zudem eine Senkung der Einkommensteuer für Familien sowie für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen. Hinzu kommen die vollständige Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung und eine weitere Verschärfung des Kartellrechts zur besseren Überwachung der Preisgestaltung beim Tanken.
Ob die Entlastung an der Kasse tatsächlich spürbar wird, hängt letztlich auch von der Entwicklung des Rohöls und von den Preisen der Mineralölwirtschaft ab. In Schleswig-Holstein bleibt deshalb neben dem Blick auf Kiel, Neumünster oder Pinneberg vorerst noch einer auf die Tankanzeige im eigenen Auto.
