Tankrabatt ab Oktober: 17 Cent weniger pro Liter, aber nicht für alle
Hohe Spritpreise drücken auf die Haushalte – und nun soll es ab 1. Oktober 2026 wieder etwas weniger wehtun. Der Bundestag hat einen erneuten Tankrabatt beschlossen, der Bundesrat hat bereits zugestimmt. Viele Autofahrer im Norden begrüßen die Entlastung, Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hält sie dagegen für nicht zielgenau.
Bis zum Jahresende sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter. Konkret sind es 14,04 Cent. Weil darauf auch weniger Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich für die Kundschaft eine Entlastung von rund 16,7 Cent, meist vereinfacht als 17 Cent je Liter bezeichnet. Für Diesel erlaubt die Europäische Union keine stärkere Senkung; zur Gleichbehandlung gilt deshalb derselbe Betrag auch für Benzin.
Was beim Tanken ankommt
Die Mineralölkonzerne und Tankstellen sind allerdings nicht verpflichtet, die Steuerentlastung vollständig weiterzugeben. Nach den Erfahrungen mit dem ersten Tankrabatt von Anfang Mai bis Ende Juni wird deshalb genau hingeschaut. Das ifo-Institut stellte damals fest, dass der Rabatt bei Super E5 und E10 nahezu vollständig ankam, bei Diesel aber nur etwa zwölf Cent je Liter. Auch Monopolkommission und Bundeskartellamt beobachteten eine unvollständige Weitergabe, während die Mineralölwirtschaft diese Einschätzung zurückweist. Ganz einfach ist die Messung nicht, weil die Spritpreise stark schwanken.
In der Nacht zum 1. Oktober dürften die Preise nach den bisherigen Erfahrungen sinken, an manchen Tankstellen schon um Mitternacht. Der Steuerrabatt gilt jedoch nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht die Raffinerien oder Großtanklager verlässt. Bis der vergünstigte Sprit überall angekommen ist, können also einige Tage vergehen. Der Wettbewerb dürfte die Preise trotzdem an den meisten Tankstellen beeinflussen.
Früh aufstehen muss dafür niemand. Nach der geltenden Regel darf der Preis bis 12 Uhr nur sinken, nicht steigen. Der späte Nachmittag ist typischerweise die günstigste Tageszeit. Wer noch genug im Tank hat, kann mögliche Warteschlangen am ersten Rabatttag vermeiden. Preisvergleiche lohnen sich gerade am Anfang, wenn die Unterschiede zwischen Tankstellen deutlich ausfallen können. Der ADAC fordert ohnehin, die sogenannte 12-Uhr-Regel abzuschaffen: Die einmalige tägliche Preiserhöhung sei zwar planbarer, habe die Preise aber nicht gesenkt.
Ein Preisniveau wie vor dem Krieg wird der Rabatt voraussichtlich nicht zurückbringen. Ende Februar kostete Super E10 laut ADAC im Tagesdurchschnitt 1,78 Euro je Liter, Diesel 1,75 Euro. Der Abstand zu den aktuellen Preisen ist größer als die geplante Steuerentlastung. Zuletzt erreichten die Kraftstoffpreise wegen der Krise im Nahen Osten mehrfach Rekordhöhen: Am Donnerstag kostete Diesel bundesweit im Tagesdurchschnitt 2,471 Euro je Liter – rund zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Rekordpreisen leicht auf 2,308 Euro.
Wer wie viel spart
Für den durchschnittlichen Autofahrer werden über drei Monate etwa 32 bis 36 Euro Ersparnis erwartet. Die Rechnung basiert auf rund 900 gefahrenen Kilometern im Monat und einem Verbrauch von sieben bis acht Litern je 100 Kilometer. Entscheidend sind aber Fahrleistung, Verbrauch und der Zeitpunkt des Tankens. Bei einer täglichen Pendelstrecke von 20 Kilometern und sieben Litern Verbrauch je 100 Kilometer ergibt sich laut NDR-Berechnung für den Arbeitsweg eine Entlastung von ungefähr zehn Euro monatlich.
Wer deutlich mehr fährt, spürt es stärker. In Hamburg rechnet ein Vielfahrer mit 50 bis 60 Euro weniger Kosten im Monat. Eine junge Frau findet die Spritpreise zu hoch und begrüßt den Rabatt, bezweifelt aber seine langfristige Wirkung. Ein beruflicher Vielfahrer erwartet hingegen nur einen geringen Effekt und lehnt die Maßnahme ab. Grundsätzlich bezeichneten mehrere befragte Autofahrer den Tankrabatt in Hamburg als positiv.
Engpässe werden nicht erwartet. Tankstellen könnten wegen der Regelung zwar mit kleinen Lagerbeständen in den Oktober starten, und auch viele Autofahrer dürften ihre Tanks vorher nicht vollständig füllen. Beim letzten Rabatt führte das zu mehr Andrang, aber nicht zu größeren Problemen.
Teure Entlastung, schwierige Zielgenauigkeit
Laut Bundesregierung kostet der Tankrabatt rund 2,5 Milliarden Euro. Der Staat rechnet genauer mit 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Die Länder sollen die Hälfte der Kosten tragen, also 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag. Dafür wird der Bund ihnen weniger Umsatzsteuereinnahmen als üblich überlassen.
Ökonomen kritisieren, dass auch Menschen ohne Unterstützungsbedarf profitieren. Wer kein Auto besitzt, erhält keine direkte Entlastung – selbst wenn die Person etwa unter hohen Heizkosten leidet. Außerdem schwächt eine künstliche Verbilligung den Anreiz, bei knappen und teuren Gütern den Verbrauch zu senken. Garantiert ist die vollständige Weitergabe an der Zapfsäule ohnehin nicht.
Monika Schnitzer hält den Tankrabatt deshalb für nicht zielgenau. Besitzer großer Autos würden stärker entlastet als Besitzer kleiner Fahrzeuge. Die durch den Iran-Krieg verursachte Ölverknappung werde dadurch nicht beseitigt, und sparsames Fahren werde nicht attraktiver. Schnitzers Vorschlag: gezielte Direktzahlungen an besonders belastete Menschen. In Frankreich erhielten bei hohen Tankpreisen zehn Millionen Haushalte jeweils 100 Euro.
Ein entsprechender Direktzahlungsmechanismus ist in Deutschland vorbereitet, aber noch nicht einsatzfähig. Den Behörden fehlen Kontodaten sowie die Verknüpfung mit Einkommensinformationen. Laut ZDF-Politbarometer begrüßen 50 Prozent der Befragten die befristete Steuersenkung, 44 Prozent lehnen sie ab. Unter Anhängern der Linken liegt die Zustimmung bei 40 Prozent, bei den Grünen bei 29 Prozent. 78 Prozent meinen, die Bundesregierung unternehme zu wenig gegen steigende Energiepreise.
Der nächste Schritt: ein Preisdeckel
Bund und Länder haben neben dem Tankrabatt einen Spritpreisdeckel vereinbart. Spätestens am 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden, der genaue Starttermin ist noch offen. Belgien und Luxemburg dienen als Vorbilder. Vorgesehen ist ein gesetzlicher Höchstpreis für Benzin und Diesel, der sich unter anderem an Ölpreisen, Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientiert. Der Deckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern.
Die schwarz-rote Koalition will damit den Spielraum der Mineralölkonzerne für Preiserhöhungen begrenzen. Die SPD fordert den Spritpreisdeckel seit längerer Zeit, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich dagegen ausgesprochen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte die geplante Entlastung angesichts angespannter Haushalte erheblich. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die Bundesregierung wolle überhöhte Preise an Tankstellen und Krisengewinne der Mineralölkonzerne bekämpfen.
Ganz ohne Risiko ist der Plan nicht. Schnitzer warnt: Bei einem zu niedrigen Preisdeckel könnten Mineralölkonzerne ihre Belieferung reduzieren, wodurch eine Verknappung entstünde. Liegt der Deckel dagegen zu hoch, könnten bisher günstige Tankstellen ihre Preise anheben.
Die Einigung wurde am Donnerstagabend in Gesprächen von Kanzler Merz mit Koordinatoren SPD- und CDU-geführter Länder vorbereitet. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) kündigte zusätzlich eine Übergewinnsteuer an, an der sich Ölkonzerne beteiligen sollen. Auch auf EU-Ebene unterstützt die Bundesregierung Gespräche über Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft – nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Gemeint ist eine Übergewinnsteuer, für die sich insbesondere Finanzminister Klingbeil auf europäischer Ebene einsetzt.
Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen weitere gezielte Maßnahmen geprüft werden. Zudem sollen die Voraussetzungen für einkommensabhängige Direktzahlungen geschaffen werden. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) verwies darauf, dass die Energiesteuersenkung auch mittelständische Unternehmen entlasten solle. An der Zapfsäule bleibt damit vorerst vor allem eines: rechnen, vergleichen – und notfalls ein paar Tage warten.
