Baugewerbe gibt deutscher Gesamtproduktion im August kräftigen Schub
Die deutsche Gesamtproduktion hat im August 2026 überraschend kräftig zugelegt. Gegenüber Juli stieg sie saison- und kalenderbereinigt um 2,0 Prozent. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich mit etwa 0,5 Prozent gerechnet. Im Juli war die Produktion noch um 1,2 Prozent gesunken.
Den entscheidenden Schub lieferte das Baugewerbe. Dort nahm die Produktion im August um etwas mehr als 9 Prozent zu – eine Bewegung, die in den Werkhallen und auf den Baustellen wohl deutlich spürbarer war als jede Statistik. Auch der Maschinenbau entwickelte sich positiv. In der Automobilindustrie ging die Produktion dagegen erneut zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das teilweise an den branchenüblichen Werksferien, die 2026 stärker als im Vorjahr in den August fielen.
Mehr Bewegung auf den Baustellen, weniger aus den Autofabriken
Ohne Energie- und Baugewerbe erhöhte sich die Industrieproduktion um 0,6 Prozent. Die Angaben beruhen auf vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Für die Bauindustrie ist vor allem der kräftige Zuwachs im August ein Signal, dass sich die schwache Entwicklung im Juli nicht einfach fortgesetzt hat.
Das Bild der Autoindustrie bleibt hingegen gemischt. Im August wurden in Deutschland 229.900 Pkw produziert, 4 Prozent weniger als im August 2025. Die veränderte Lage der Werksferien – 2026 lagen sie stärker im August – spielte dabei teilweise eine Rolle. Von Januar bis August entstanden 2,65 Millionen Pkw, ebenfalls 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Produktionsniveau lag damit 16 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.
Auch der Blick über die Grenze fällt verhaltener aus: Im August wurden 168.300 Pkw exportiert, 12 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn gingen 2,01 Millionen Pkw ins Ausland, 5 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Aufträge unter Druck, Elektroautos im Aufwind
Bei den Auftragseingängen klaffen die Richtungen auseinander. Die Inlandsaufträge stiegen im August gegenüber August 2025 um gut 4 Prozent, während die Auslandsbestellungen um 13 Prozent sanken. Unterm Strich wurden 11 Prozent weniger Aufträge registriert als im Vorjahresmonat.
Eine auffällige Ausnahme bilden batterieelektrische Pkw. Die inländischen Auftragseingänge deutscher Hersteller für BEV stiegen im August um 62 Prozent. Von Januar bis August nahmen die inländischen BEV-Bestellungen um 64 Prozent zu. Das ist ordentlich Bewegung – und zwar in einer Sparte, die lange eher nach zähem Anlauf aussah.
Bei den Neuzulassungen lief es besser als bei der Produktion. Im August kamen 212.600 Pkw neu auf die Straße, 3 Prozent mehr als im August 2025. In den ersten acht Monaten wurden 1,97 Millionen Pkw zugelassen, 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Niveau von 2019 wurde trotzdem weiterhin unterschritten; der Markt lag rund 21 Prozent darunter. Der Anteil privater Neuzulassungen stieg auf 40,5 Prozent und überschritt damit erstmals seit 2020 wieder die Marke von 40 Prozent.
Elektrofahrzeuge – also BEV, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge – legten im August um 49 Prozent auf 94.300 Fahrzeuge zu. Ihr Anteil an den gesamten Pkw-Neuzulassungen betrug 44 Prozent. Das war der höchste Wert seit der Reduzierung des Umweltbonus Ende 2022 und der zweithöchste Wert überhaupt.
Auf reine Batterieautos entfielen 68.900 Neuzulassungen, 75 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Plug-in-Hybride kamen auf 25.400 Fahrzeuge, ein Plus von 6 Prozent. Von Januar bis August wurden 735.400 Elektro-Pkw zugelassen, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon waren 515.500 BEV, ein Anstieg um 53 Prozent, sowie 219.800 PHEV, ein Zuwachs von 16 Prozent.
Deutsche Marken verlieren im August
Bei den Marken verschieben sich die Gewichte. Deutsche Marken einschließlich Konzernmarken erreichten im August 136.093 Neuzulassungen, 6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Ausländische Marken kamen auf 76.470 Fahrzeuge und legten damit um 21 Prozent zu.
Von Januar bis August entfielen 1.326.191 Neuzulassungen auf deutsche Marken, 1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ausländische Marken kamen auf 638.833 Fahrzeuge, ein Plus von 13 Prozent.
Hinter diesen Zahlen steckt ein tiefgreifender Umbau. Die deutsche Automobilindustrie muss gleichzeitig auf Elektromobilität umsteigen, autonome Fahrzeuge entwickeln und hohe Investitionen stemmen. Dazu kommen Handelskonflikte und die wachsende Konkurrenz aus China. Die Folgen zeigen sich in sinkender Profitabilität und rückläufigen Beschäftigtenzahlen. Für die Branche, zu deren Herstellern Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW gehören, ist das keine kleine Baustelle.
China, CO₂-Grenzen und der Druck auf die Zulieferer
Der chinesische Markt bleibt für deutsche Hersteller besonders wichtig, auch wenn der Anteil des China-Geschäfts am Absatz seit 2020 kontinuierlich sinkt. BYD überholte Volkswagen in China als erfolgreichster Hersteller; Volkswagen lag dort 2025 beim Absatz nur noch auf Platz drei. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sind deutsche Marken in China weiterhin führend. Im Elektroauto-Geschäft schneiden sie deutlich schwächer ab: 2025 befanden sich in China mit Ausnahme von Tesla ausschließlich Modelle chinesischer Marken unter den 20 meistverkauften Elektroauto-Modellen.
Die deutsche Automobilindustrie zählt zu den wichtigsten Industriezweigen Deutschlands und ist stark exportorientiert. Der Auslandsumsatz lag 2025 bei rund 363,2 Milliarden Euro, etwa 68 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Branchenumsatz sank 2025 zum zweiten Mal in Folge. Neben den Fahrzeugherstellern steht dabei die Zulieferindustrie im Rampenlicht: Bosch, ZF Friedrichshafen und Continental gehören zu den großen deutschen Zulieferern, mehrere der weltweit größten Automobilzulieferer stammen aus Deutschland.
In Europa verschärft der Gesetzgeber den Takt. Ab 2035 gilt EU-weit das Verbrenner-Verbot, hinzu kommen Grenzwerte für den durchschnittlichen CO₂-Ausstoß verkaufter Fahrzeuge. 2024 erfüllten mehrere große Hersteller die CO₂-Vorgaben nur knapp; in den kommenden Jahren werden die Grenzwerte weiter verschärft. Die wieder deutlich gestiegene Nachfrage nach Elektroautos kann den Herstellern helfen, die Flottengrenzwerte einzuhalten.
Für die Unternehmen bedeutet das auch, dass sich die Technik unter dem Blech verändert. Elektroautos benötigen weniger Einzelbauteile als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Softwareentwicklung und Batterietechnologie gewinnen dadurch an Bedeutung. Volkswagen kooperiert bei Fahrzeugsoftware mit dem US-Unternehmen Rivian und arbeitet mit QuantumScape an der Industrialisierung von Feststoffbatterien.
Die EBIT-Marge deutscher Automobilhersteller ist zuletzt deutlich gesunken. Das passt zu einem Markt, in dem Produktionszahlen, Exportgeschäft und Auftragseingänge unter Druck stehen, während bei Elektroautos plötzlich kräftige Zuwächse auftauchen. Der Artikel zur deutschen Automobilindustrie wurde am 20.08.2026 von René Muschter veröffentlicht – mitten in einer Phase, in der auf den Baustellen wieder mehr los ist, die Autowerke aber weiter nach ihrem nächsten Gang suchen.
