Am Silokanal in Brandenburg an der Havel dröhnen die Maschinen. Die Brücke dort gehört derzeit zu den großen Baustellen der Stadt. Gebaut wird sie von Budimex Bau, einem polnischen Unternehmen, das auf Brücken- und Stahlkonstruktionen spezialisiert ist. 34 Millionen Euro kostet das neue Bauwerk.

Budimex errichtet aktuell insgesamt vier Brücken in Brandenburg und Berlin. Geschäftsführer Jacek Zwiech ist überzeugt, dass sich sein Unternehmen dauerhaft auf dem deutschen Markt behaupten kann. Kapital und Erfahrung seien ausreichend vorhanden. Zwiech arbeitete lange für deutsche Baufirmen in Polen und schätzt den deutschen Baumarkt mindestens doppelt so groß wie den polnischen ein. Budimex ist nach eigenen Angaben Polens größtes Bauunternehmen und will in die Nachbarländer expandieren.

Deutsche Partner auf der Baustelle

Rund 70 Prozent des Auftrags an der Brücke in Brandenburg an der Havel sollen deutsche Subunternehmen übernehmen. Sie erledigen unter anderem Arbeiten, für die sie mit deutschen Vorschriften vertraut sind. Auch kurzfristige Aufträge gehen an Firmen aus der Region. PRB Kloster Lehnin baut für Budimex derzeit Spundwände zur Sicherung von Baugruben.

Diese Zusammenarbeit passt zur Strategie des Konzerns. Budimex ist seit den 1970er-Jahren in Deutschland aktiv, zunächst vor allem als Subunternehmer im Stahl- und Stahlbetonbau. Nun erweitert das Unternehmen sein Geschäft auf den Infrastrukturbau. In Polen ist Budimex besonders im Straßen- und Gleisbau tätig; beide Bereiche sollen auch in Deutschland wachsen. Asphalt- und Kanalisationsarbeiten führt der Konzern derzeit für Wolff & Müller in Bayern und Baden-Württemberg aus.

Die deutsche Tochtergesellschaft Budimex Bau GmbH nahm bereits an Ausschreibungen in Brandenburg und Sachsen teil. Erste Vertragsabschlüsse sollten noch 2022 unterzeichnet werden. Bei einer Ausschreibung in Brandenburg belegte Budimex den ersten Platz und wartete auf die Zuschlagserteilung. Die Tochtergesellschaft wurde in Köln gegründet.

Mehr als 7.000 Menschen beschäftigt Budimex. Der Wert der aktuell ausgeführten Aufträge beträgt dem Unternehmen zufolge rund drei Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben baut der Konzern jeden vierten Kilometer der Schnellstraßen und Autobahnen in Polen. Für das Folgejahr erwartete Budimex auf ausländischen Märkten einen Umsatz von 175 bis 210 Millionen Euro – erzielt werden sollte dieser in Straßenbau, Gleisbau und Hochbau.

Polnische Firmen kommen nicht nur über Aufträge

Budimex sucht für Infrastruktur- und Hochbauaufträge in Deutschland Kooperationspartner, darunter Konsortiumsmitglieder und Bauzulieferer. Gleichzeitig soll das Personal hierzulande wachsen. Gesucht werden Vertragsmanager, Brückenbauleiter, Straßenbauleiter, Brückenmeister und Bauingenieure. In Berlin baut Budimex derzeit außerdem die Mühlendammbrücke und plant den Einstieg in den Bau von Eisenbahnbrücken.

Seit sechs Jahren expandiert das Unternehmen in Deutschland. In Polen war Budimex an eine Wachstumsgrenze gestoßen. Projektleiter Wojciech Gosztyła beschreibt die polnische Arbeitsweise als flexibler und stärker auf neue Lösungen ausgerichtet. In Deutschland seien Projekte besser vorbereitet und organisiert, zudem seien die Subunternehmen gut auf die Arbeiten eingestellt. Den größten Nutzen sieht Gosztyła in der Verbindung beider Arbeitsweisen.

Budimex gehört zu 19 polnischen Firmen, die ihr Geschäft erfolgreich nach Brandenburg ausgeweitet haben. Zusammen schaffen polnische Unternehmen dort etwa 1.000 Arbeitsplätze. Mit 19 Großunternehmen liegt Polen bei den internationalen Investoren in Brandenburg auf Platz sieben. Die USA führen mit 37 Unternehmen.

Der Weg nach Deutschland führt dabei nicht immer über einen Bauauftrag. Polnische Firmen übernehmen auch Brandenburger Unternehmen, die wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten sind, und führen sie weiter. Die Reinigungsfirma Targatz in Eberswalde ging an Hollywood S.A. aus Sierpc. Die heutige ATT Polymers in Guben wurde von Grupa Azoty übernommen, dem größten polnischen Chemieunternehmen.

Deutschland bietet Zugang zu einem großen kaufkräftigen Markt und zu einer ausgebauten Infrastruktur. Die wirtschaftliche Schwäche erleichtert teilweise auch Übernahmen zu vergleichsweise günstigen Preisen. Polnische Firmen sind in Brandenburg inzwischen in zahlreichen Branchen aktiv – bei Medizin- und Chemieprodukten, in Reinigung, Logistik und IT.

Vom Rechenzentrum bis zur Mühlendammbrücke

Das IT-Unternehmen Comarch mit Hauptsitz in Krakau arbeitet ebenfalls in der Region. 250 deutsche Mitarbeiter sind an mehreren Standorten beschäftigt, unter anderem in Berlin. In Dresden betreibt Comarch ein deutsches Rechenzentrum. Weltweit zählt das Unternehmen 5.000 Beschäftigte. Zu den Kunden gehören unter anderem Lidl, Strabag und die Deutsche Bahn.

Verkaufsleiter Dariusz Biernacki sieht in Deutschland weiteren Bedarf bei der Modernisierung von IT-Systemen. In Polen seien nach dem politischen Umbruch neue Computer- und Digitaltechnik schneller eingeführt worden. Deshalb gebe es heute Unterschiede, etwa beim Internetzugang und bei digitalen Zahlungen.

Auch die Wirtschaftsdaten sprechen eine klare Sprache: Polen wuchs 2025 laut den im Artikel genannten Angaben um rund 3,6 Prozent und gehörte damit zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der EU. Die deutsche Wirtschaft stagnierte weitgehend und wuchs im Jahresvergleich um etwa 0,2 Prozent.

Joanna Maria Stolarek von der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer führt Polens Entwicklung unter anderem auf eine flexiblere, dynamischere und stärker lösungsorientierte Arbeitskultur zurück. Brandenburgs Arbeits- und Sozialminister René Wilke, früher Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), spricht von einem ausgeprägten Erfolgswillen und einem höheren Umsetzungstempo in Polen.

Als Beispiel nennt Wilke Słubice. Dort werde nach seinen Erfahrungen schneller gebaut als in Deutschland. Polnische Gesprächspartner hätten ihm erklärt, dass Projekte teilweise umgesetzt und später korrigiert würden, falls sich ein Standort als ungeeignet erweise. In Deutschland sind Bauvorhaben dagegen stärker durch Stadtentwicklungskonzepte, teilräumliche Konzepte und Bebauungspläne vorbereitet. Wilke hält einen Mittelweg zwischen dem schnellen polnischen Vorgehen und der gründlichen deutschen Planung für sinnvoll.

Was Auftraggeber prüfen sollten

Der Fachkräftemangel in der deutschen Baubranche macht polnische Unternehmen seit Jahren interessant. Sie arbeiten auf deutschen Großbaustellen, bei Sanierungen und im Einfamilienhausbau. Gefragt sind qualifizierte Maurer, Betonbauer und Fassadenspezialisten. Hinzu kommen wettbewerbsfähige Preise, die mit niedrigeren Lohnnebenkosten in Polen zusammenhängen, Erfahrung mit deutschen Baustellen und Normen wie DIN und VOB sowie flexibel und kurzfristig einsetzbare Teams.

Vor einer Beauftragung sollten Bauherren und Generalunternehmer trotzdem genau hinschauen. Beschäftigte aus Polen benötigen für den Einsatz in Deutschland eine A1-Bescheinigung der polnischen Sozialversicherung ZUS; außerdem müssen Gewerbeanmeldung und Unterlagen stimmen. Erfahrene Subunternehmer sollten insbesondere VOB Teil B und C kennen. Konkrete abgeschlossene Projekte in Deutschland sind aussagekräftiger als große Versprechen. Und dann ist da noch die Kommunikation: Sprachbarrieren können Fehler verursachen, eine deutschsprachige Bauleitung erleichtert die Abstimmung.

Das gilt auch für kleinere und mittlere Anbieter. Beebau mit Sitz in Warschau ist seit 2025 in Deutschland tätig und hat abgeschlossene sowie laufende Projekte in Nordrhein-Westfalen, darunter Gummersbach, und in Niedersachsen, darunter Osnabrück. Das Unternehmen arbeitet sowohl als Subunternehmer für Generalunternehmer als auch als Generalunternehmer für direkte Auftraggeber.

Zum Leistungsspektrum gehören Klinkerfassaden und Maurerarbeiten, monolithischer Stahlbetonbau, Photovoltaik-Montage auf Dächern und Freiflächen, Pflasterarbeiten und Außenanlagen sowie Abbruch und Rückbau. Für 2025 wurden als Richtwerte 25 bis 45 Euro je Quadratmeter für Klinkerfassaden, 35 bis 60 Euro je Quadratmeter für monolithische Wände, 0,08 bis 0,14 Euro je Wattpeak für PV-Montage auf Dächern und 18 bis 35 Euro je Quadratmeter für Pflasterarbeiten genannt. Die Richtwerte umfassen Montage und Bauleitung, nicht aber Material und Gerüst.

Budimex ist damit nicht der einzige große polnische Baukonzern mit Plänen für Deutschland. Ende Mai hatte bereits Erbud, Polens viertgrößtes Bauunternehmen, durch die Übernahme der Bilfinger Rohrleitungsbau GmbH Wachstumspläne in Deutschland angekündigt. An der Brücke über den Silokanal bleibt derweil der Baustellenalltag: Stahl, Spundwände, Subunternehmen – und ein Auftrag, bei dem sich zwei Bau