Die deutsche Gesamtproduktion hat im August 2026 überraschend kräftig zugelegt. Gegenüber Juli stieg sie um 2,0 Prozent – deutlich stärker als erwartet, denn die Prognosen hatten nur bei rund 0,5 Prozent gelegen. Im Juli war die Produktion noch um 1,2 Prozent gesunken; der zuvor gemeldete Rückgang von 1,1 Prozent wurde inzwischen revidiert.

Der kräftigste Schub kam aus dem Baugewerbe. Dort nahm die Produktion binnen Monatsfrist um 9,3 Prozent zu, bei sonstigen Bautätigkeiten und im Ausbaugewerbe sogar um 13,1 Prozent. Auf Baustellen dürfte der August damit vielerorts deutlich geschäftiger gewesen sein als der Vormonat. Auch der Maschinenbau lieferte einen positiven Beitrag und steigerte seine Produktion um 5,3 Prozent.

Bau zieht, Autos bremsen

Die preisbereinigte Produktion im Verarbeitenden Gewerbe stieg im August 2026 gegenüber Juli 2026 saison- und kalenderbereinigt um 2,0 Prozent. Im Dreimonatsvergleich von Juni bis August lag sie 0,4 Prozent über dem Zeitraum März bis Mai. Gegenüber August 2025 erhöhte sich die kalenderbereinigte Produktion um 2,3 Prozent.

Das Bild bleibt allerdings gemischt. Die Industrieproduktion ohne Energie und Bau wuchs um 0,6 Prozent. Investitionsgüter legten um 1,2 Prozent zu, Konsumgüter um 0,6 Prozent. Bei den Vorleistungsgütern gab es dagegen ein Minus von 0,2 Prozent, die Energieerzeugung sank um 0,4 Prozent. Gegenüber August 2025 lag die Industrieproduktion kalenderbereinigt 0,4 Prozent niedriger.

Ausgerechnet die Autoindustrie blieb schwach: Ihre Produktion ging im August erneut zurück, diesmal um 5,4 Prozent. Der Verband der Automobilindustrie führt den Rückgang teilweise auf stärkere Werksferien zurück, die 2026 stärker als im Vorjahr in den August fielen. Der Bau legt ordentlich vor, die Bänder in der Autoindustrie laufen hingegen nicht rund – ein ziemlich ungleiches Bild.

Energieintensive Branchen unter Druck

In den energieintensiven Industriebranchen sank die Produktion gegenüber Juli um 0,5 Prozent. Im Dreimonatsvergleich Juni bis August lag sie 2,9 Prozent unter dem vorherigen Dreimonatszeitraum; gegenüber August 2025 betrug der kalenderbereinigte Rückgang 2,1 Prozent.

Die Größenordnung dieser Branchen ist beträchtlich: Die fünf energieintensiven Industriezweige verbrauchten 2021 zusammen 77 Prozent der industriellen Energie, erwirtschafteten aber nur 17 Prozent der industriellen Bruttowertschöpfung. Rund 930.000 Menschen waren dort 2021 in etwa 7.000 Industriebetrieben beschäftigt.

Bei den Vergleichszahlen ist ein genauer Blick nötig. Monats- oder Quartalsvergleiche saison- und kalenderbereinigter Werte zeigen vor allem kurzfristige Entwicklungen. Kalenderbereinigte Vorjahresvergleiche eignen sich dagegen für den längerfristigen Niveauvergleich; saisonale Schwankungen und Kalendereffekte werden dabei nicht berücksichtigt.

Neue Systematik, bekannte Börsenvorsicht

Grundlage der Berechnung ist der Produktionsindex für das Verarbeitende Gewerbe mit dem Basisjahr 2021 gleich 100. Die Saison- und Kalenderbereinigung erfolgte nach X13 JDemetra+. Seit Januar 2026 wird für die Datenerhebung die Gütersystematik für die Produktionsstatistik, Ausgabe 2026, verwendet. Sie löste die Ausgabe 2019 ab.

An der Klassifikation der Wirtschaftszweige und an der Abgrenzung der Wirtschaftsbereiche änderte sich nichts. Auf hoch aggregierten Ebenen blieben die Ergebnisse unverändert; angepasst wurde lediglich die interne Zuordnung produzierter Güter bis zur vierstelligen Klassifikationsebene.

An der Börse kam die Produktionsüberraschung zunächst gut an. Der DAX schloss am Dienstag 0,77 Prozent höher bei 25.449,19 Punkten und verbuchte damit den dritten Gewinntag in Folge. Für Mittwoch wurde vorbörslich allerdings ein Rückgang von rund 0,7 Prozent erwartet. Der DAX-Future fiel am Vormittag um 137 Punkte auf 25.475.

Als Belastungsfaktoren galten die bevorstehende Berichtssaison großer US-Konzerne, ein wieder steigender Ölpreis und weiterhin hohe Anleiherenditen. Besonders die Renditen französischer Staatsanleihen lagen trotz jüngster Entspannung weiterhin hoch. Am Mittwoch hält Porsche seinen Kapitalmarkttag ab, am Donnerstag veröffentlicht Taiwan Semiconductor Manufacturing Umsatzzahlen für die ersten neun Monate.

Bis zum DAX-Allzeithoch von 26.618,74 Punkten, erreicht am 28. August, fehlten vom Dienstagsschlusskurs rund 1.100 Punkte. Der Schlussrekord liegt bei 26.569,99 Punkten. Die Produktionsdaten machen also Hoffnung, aber an der Börse bleibt man vorsichtig – und schaut lieber zweimal hin.

Die zugrunde liegende Informationsseite von Destatis zur Industrie und zum Verarbeitenden Gewerbe war in der vorliegenden Quelle nicht lesbar beziehungsweise offenbar binär oder beschädigt codiert. Eine sachliche Ergänzung daraus ist deshalb nicht möglich.