Heute ist der 9.10.2026. In der Bauindustrie richtet sich der Blick auf die künftige Finanzierung der Bundesfernstraßen. Thomas Schmid vom Bayerischen Bauindustrieverband bewertet den Kabinettsbeschluss als ersten Schritt zu einem geschlossenen Finanzierungskreislauf für Autobahnen und Bundesstraßen. Ziel sei vor allem mehr Verlässlichkeit bei den Investitionen.

Schmid warnt allerdings davor, die Möglichkeit der Autobahn GmbH zur Schuldenaufnahme zum Stopfen von Haushaltslücken zu verwenden. Im Zusammenhang mit einem Sondervermögen sei bereits die ursprünglich geplante Grundfinanzierung der Fernstraßen gekürzt worden. Kreditmittel müssten deshalb zusätzlich zu den weiterhin notwendigen Haushaltsmitteln bereitgestellt werden. Sonst dreht sich der Kreislauf am Ende doch wieder im Kreis.

Was jetzt auf Bayerns Fernstraßen ansteht

Die Liste der Aufgaben ist lang. Die Bauindustrie nennt die Fertigstellung der A 94 zwischen Altötting und Pocking, den sechsstreifigen Ausbau der A 8 zwischen dem Inntaldreieck und der Landesgrenze bei Salzburg sowie die zügige Sanierung aller maroden Fernstraßenbrücken. Auch die A 99 im Münchner Westen soll sechsstreifig ausgebaut werden – zwischen dem Autobahndreieck München-Süd-West und dem Südportal des Tunnels Aubing.

Für die bayerischen Straßenbauunternehmen zählt außerdem der laufende Nachschub an regulären Deckenlosen mit einer Länge von 5 bis 10 Kilometern. Solche Ausschreibungen sollen dafür sorgen, dass Personal und Maschinen gleichmäßiger ausgelastet werden. Auf den Baustellen bedeutet das weniger Leerlauf, verlässlichere Abläufe und nicht ständig die bange Frage, was nach dem nächsten Abschnitt kommt.

Sondervermögen bringt zusätzliche Mittel

Der Bund stellt über das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zusätzliche Mittel für den Erhalt und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur bereit. Ein Teil davon fließt in die Bundesfernstraßen und damit in Projekte der Autobahn GmbH.

Im Autobahnnetz werden insbesondere die Instandsetzung und der Ersatzneubau von Brücken, die Sanierung von Tunneln sowie die Erneuerung von Fahrbahnen finanziert. Viele Bauwerke stammen aus früheren Jahrzehnten und müssen an das heutige Verkehrsaufkommen angepasst werden – an mehr Verkehr, höhere Belastungen und einen Alltag, der mit den ursprünglichen Planungen nicht mehr viel zu tun hat.

Verwendet werden die Mittel für bereits geplante Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen, für geplante Ersatzneubauten und für Vorhaben, die schon vor der Einrichtung des Sondervermögens begonnen wurden. Eine Übersicht der mit diesen Mitteln umgesetzten Autobahnprojekte wird fortlaufend ergänzt.

Österreich als mögliches Vorbild

Beim Blick über die Grenze verweist Schmid auf Österreich. Dort finanziert die ASFINAG Autobahnen und Schnellstraßen über Mauteinnahmen und Anleihen am Kapitalmarkt. Für Schmid sollte auch die Finanzierung des deutschen Fernstraßennetzes als nutzerfinanziertes System außerhalb des Staatsbudgets organisiert werden.

Sein Vorschlag: ein verbindlicher Fünfjahresplan für Fernstraßenprojekte, der jedes Jahr um ein weiteres Jahr fortgeschrieben wird. Für die aufgenommenen Projekte müsste eine gesicherte Finanzierung bestehen, unabhängig vom Staatshaushalt. Das klingt zunächst nach Verwaltungsarbeit – fünf Jahre, jedes Jahr ein weiteres dazu –, wäre für die Praxis aber ein ziemlich großer Unterschied.

Nach Einschätzung Schmids würde ein solcher Rahmen die Planungssicherheit für die Bauindustrie, die Autobahn GmbH und die bayerische Straßenbauverwaltung verbessern. Davon könnten Investitionen und Personalplanung profitieren. Gerade bei Brücken, Tunneln und Fahrbahnen lässt sich schließlich nicht einfach über Nacht zusätzliches Gerät samt Fachleuten aus dem Hut zaubern.

Die zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen können laufende und geplante Vorhaben anschieben. Die grundlegende Frage bleibt jedoch, wie dauerhaft und unabhängig die Finanzierung angelegt wird. Für die Unternehmen auf den Baustellen ist entscheidend, dass auf den Beschluss nicht wieder eine Pause folgt – sondern der nächste Abschnitt.