Die Bauindustrie spürt den Preisdruck an vielen Stellen – und seit Jahresbeginn 2026 kommt ein weiterer kräftiger Schub dazu: Die Gaspreise in Deutschland sind bis Mitte Oktober um 162 Prozent gestiegen. Das belastet nicht nur Haushalte, sondern auch Baustellen, Betonwerke, Ziegeleien und alle Betriebe, in denen Energie unmittelbar in Wärme, Trocknung oder Produktion steckt.

Als Auslöser nennt die Bundesregierung den seit Anfang 2026 andauernden Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben die Weltmarktpreise für fossile Energieträger nach oben getrieben. Diesel und Kerosin haben sich seit Jahresbeginn etwa verdoppelt, der Rohölpreis ist um rund 50 Prozent gestiegen. Für Bauunternehmen wird damit fast jede Transportfahrt, jede Maschine und mancher Materialpreis zur Rechenaufgabe.

Der Preisschock kommt über den Weltmarkt

Direkte Lieferausfälle aus den Golfstaaten sind dabei nicht der Hauptkanal. Deutschland importierte 2025 lediglich 6,1 Prozent seines Rohöls unmittelbar aus den Golfstaaten. Die wichtigsten Herkunftsländer des deutschen Rohöls sind laut Bundesregierung Norwegen, die USA, Libyen und Kasachstan. Auch in der Vergangenheit wurde der deutsche Rohölbedarf nur zu einem geringen Anteil direkt aus den Golfstaaten gedeckt.

Die Auswirkungen des Konflikts erreichen Deutschland daher vor allem über den globalen Öl- und Gasmarkt. Schon die Unsicherheit an den internationalen Handelsplätzen reicht, um Preise zu bewegen – auch wenn die Tanks hierzulande nicht plötzlich leer bleiben. Auf Baustellen zeigt sich das dann ganz unspektakulär: an der Tankrechnung, beim Betrieb von Heizgeräten oder in Angeboten, die schneller nachkalkuliert werden müssen, als einem lieb ist.

Staatliche Gasreserve geplant

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) plant deshalb eine staatliche Erdgasreserve für Krisenfälle. Gedacht ist sie etwa für Sabotage an Infrastruktur oder den Ausfall wichtiger Importwege. Nach dem aktuellen Konzept soll die Reserve über eine neue Umlage auf die Gasverbraucher finanziert werden.

Für den Aufbau und den Gaseinkauf sind 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die laufenden Kosten sollen jährlich 150 bis 180 Millionen Euro betragen. Ursprünglich wurde ein Kabinettsbeschluss für Mitte August 2026 erwartet. Nach aktuellem Stand ist der Beschluss nun für Herbst 2026 geplant; noch steht er aus. Das Vorhaben bleibt damit zunächst ein Regierungskonzept. Die erste Befüllung soll im Winter 2027/2028 erfolgen.

Welche Zahlen jetzt Orientierung geben

Eine wichtige statistische Grundlage liefert der Statistische Bericht des Statistischen Bundesamtes vom 30. September 2026. Er enthält Ergebnisse zu den Erzeugerpreisen gewerblicher Produkte sowie zu Ein- und Ausfuhrpreisen – auf Basis des Preisstands im neuen Basisjahr 2021.

Die monatliche Veröffentlichung bündelt Daten zur Entwicklung der Energiepreise aus verschiedenen Preisstatistiken und von Eurostat. Betrachtet werden Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Benzin, Diesel, leichtes Heizöl, Flüssiggas, Strom und Fernwärme. Für jede Energieart erläutert der Textteil kurz das Aufkommen und die Verwendung sowie die Mechanismen der Preisbildung.

Neben Layout-Tabellen enthält der Bericht auch maschinell lesbare Datensätze. Eingeflossen sind außerdem die Daten der früheren Veröffentlichung „Daten zur Energiepreisentwicklung – Lange Reihen“, die zuletzt mit den Daten für Januar 2023 erschien. Ergänzende Ergebnisse stehen in der Datenbank GENESIS-Online in den Themenbereichen 611, 612 und 614 bereit. Für die Bauindustrie heißt das: Wer Angebote, Betriebskosten oder Nachträge kalkuliert, kann nicht nur auf die Zapfsäule schauen – manchmal steckt die entscheidende Bewegung in einer Tabelle, die erst einmal ziemlich trocken daherkommt.