In Lüdenscheid könnte im seit Jahren leerstehenden Forum wieder Leben einkehren – und zwar mit Wasser, Schwimmbahnen und ordentlich Bewegung. Am heutigen 29. September 2026 beraten der Sport- und Schulausschuss gemeinsam über ein mögliches neues Hallenbad auf dem früheren Wellenbad-Areal.

Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im Ratssaal und ist auf 45 Minuten angesetzt. Ab 17.45 Uhr folgt die Sitzung des Sportausschusses mit weiteren Sportthemen. Auf der Tagesordnung steht außerdem der Neubau der Grundschule Lösenbach, insbesondere der Sporttrakt der bisherigen Grundschule.

Hallenbad soll in die Forum-Planung rücken

Die Ausschüsse sollen zustimmend zur Kenntnis nehmen, dass die bisherigen Überlegungen für ein neues Hallenbad weiterverfolgt werden. Die Verwaltung soll die Idee gemeinsam mit dem Bäderbetrieb konkretisieren und in die weitere Neuplanung des Forum-Areals einbeziehen.

Das Forum gilt nach Angaben der Verwaltung als zentraler Standort für die Neuordnung der Innenstadt. Nach dem Ankauf des Gebäudes hatte die Stadtentwicklungsgesellschaft Lüdenscheid eine Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Forums und des Geländes beauftragt. Ziel war ein Neustart der Innenstadtentwicklung – nach jahrelangem Stillstand und mehreren Eigentümerwechseln. Das bereits beschlossene Vergabeverfahren für die konzeptionelle Neuplanung wurde zunächst allerdings weder veröffentlicht noch durchgeführt. Nun sollen die Schwimmbadüberlegungen in die nächsten konzeptionellen Planungen einfließen.

Vorgesehen wäre nach den ersten Überlegungen ein wettkampftaugliches 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen. Dazu kämen zwei Lehrschwimmbecken mit variabel verstellbaren Hubböden. Geplant ist ein Bad für das Schulschwimmen, den Vereinssport, Schwimmkurse, Reha-Maßnahmen und weitere öffentliche Angebote. Viele Schülerinnen und Schüler könnten vom Schulstandort zum Bad laufen. Auch die gute Erreichbarkeit aus allen Stadtteilen spricht aus Sicht der Planung für den Standort.

Familienbad Nattenberg unter Druck

Der Handlungsdruck kommt nicht von ungefähr. Das Familienbad Nattenberg ist in einem problematischen Zustand. Der 44 Jahre alte Altbau ist seit einigen Tagen geschlossen, weil das Dachtragwerk saniert werden muss; der Erweiterungsbau ist 18 Jahre alt. Die Sperrung wegen des beschädigten Hallendachs erschwert es, das Schwimmbadangebot für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten.

Eine mehrjährige Komplettsanierung oder ein Teilneubau des Familienbads hält die Verwaltung unter den aktuellen Bedingungen nicht für umsetzbar. Im Doppelhaushalt 2026/2027 wurde wegen des Sanierungsbedarfs bereits eine höhere Verlustabdeckung für den Bäderbetrieb eingeplant. Die Beteiligten wollen deshalb eine langfristige, zukunftssichere und wirtschaftlich tragfähige Strategie für die Schwimmbadinfrastruktur entwickeln.

Hinter den Überlegungen steht eine Arbeitsgruppe aus Verantwortlichen der Bäderbetriebe und Vertretern der Stadtverwaltung. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer zufolge kann die Stadt das Projekt finanziell stemmen. Entsprechende Mittel seien in den Haushalten der kommenden Jahre eingeplant – auch wegen der städtischen Pflicht, das Schulschwimmen sicherzustellen.

Abriss möglich, Zeitplan offen

Das Konzept sieht einen Abriss oder zumindest Teilabriss des bestehenden Gebäudekomplexes vor. Andere Gebäudeteile könnten umgebaut und erhalten werden. Wie das am Ende baulich genau aussehen soll, ist noch offen; die Stadt prüft, wie das vorhandene Gebäude in die Gesamtplanung integriert werden kann. Ein konkreter Zeitplan liegt ebenfalls noch nicht vor. Die Pläne sollen Schritt für Schritt weiter ausgearbeitet werden.

Die Stadt und der Bäderbetrieb stellten die Pläne am Dienstag vor. Am Vortag war das Thema noch nicht im Stadtrat behandelt worden. Mit dem neuen Bad soll der jahrelange Leerstand des Forums beendet, der Schwimmsport langfristig gesichert und attraktiver gemacht werden. Zugleich könnte das Projekt zur Aufwertung der Innenstadt beitragen. Viel Stoff also für die Ausschüsse – und vermutlich einige Nachfragen.

Bund stellt Geld für Schwimmbäder bereit

Passend zur Lüdenscheider Debatte kommt Bewegung auch aus Berlin: Der Bund unterstützt 195 Kommunen bei der Sanierung ihrer Schwimmbäder. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschloss die Projekte in seiner Sitzung am Vortag. Die Förderung läuft über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS).

Im Wirtschaftsplan 2026 des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität sind dafür 250 Millionen Euro vorgesehen. Schwerpunkt der aktuellen Förderrunde ist die nachhaltige Sanierung kommunaler Schwimmbäder. Nach Abschluss der Bauarbeiten müssen die geförderten Gebäude festgelegte energetische Standards erfüllen. Freibäder sollen möglichst klimaneutral mit Wärme versorgt werden, ihren Anteil erneuerbarer Energien erhöhen und den Ressourcenverbrauch senken.

Gesichert werden sollen damit langfristig Angebote für Schwimmunterricht, Schwimmkurse, Vereinssport, Bewegung und Gesundheitsvorsorge. In einer ersten, für alle Sportstätten offenen Förderrunde hatte der Haushaltsausschuss bereits im April 314 Projekte ausgewählt. Für Ende Oktober ist ein weiterer Projektaufruf geplant; Städte, Gemeinden und Landkreise können sich dann erneut mit geeigneten Vorhaben bewerben.

Für beide Förderrunden stehen jeweils 333 Millionen Euro zur Verfügung. Für die nun ausgewählten Schwimmbadprojekte beginnt das Antragsverfahren. Das mit der Umsetzung beauftragte Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird Kontakt zu den Projektkommunen aufnehmen. Die ausgewählten Projekte sind in einer Projektliste aufgeführt.